San Salvador - zu Besuch in einer gewöhnungsbedürftigen Metropole

Reisebericht

San Salvador - zu Besuch in einer gewöhnungsbedürftigen Metropole

Reisebericht: San Salvador - zu Besuch in einer gewöhnungsbedürftigen Metropole

Sie wollten schon immer in eine quirlige 4-Millionen-Metropole in herrlicher Lage am Fuße eines Vulkans mit idealem subtropischem Wetter und freundlichen Bewohnern reisen? Eine Hauptstadt, in der Sie wahrscheinlich keinen Touristen treffen werden? Fahren Sie doch nach San Salvador! Aber leider hat die Sache auch ein paar Haken ...

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Blick auf San Salvador

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„Kommt mich doch einmal besuchen“, sagte ein alter Bekannter von mir regelmäßig. „Ich wohne hier alleine in einem großen Apartment, das Gästezimmer mit eigenem Bad ist frei, das Wetter von November bis April konstant gut, der Pazifik nur eine knappe Auto-Stunde entfernt. Kostet euch nichts außer dem Flug! Unter der Woche bin ich meist ein paar Tage draußen im Betrieb, da könnt ihr euch frei entfalten. Und am Wochenende unternehmen wir dann was gemeinsam, dann zeig ich euch die Highlights oder wir hängen am Strand ab.“

Ein verlockendes Angebot, wenn man im trüben und kalten Februar in Deutschland sitzt. Wenn nur, ja wenn El Salvador nicht einen verheerend schlechten Ruf hätte, was die Kriminalität betrifft. „Ach ja“, meint mein Bekannter zerknirscht, „das ist schon wahr, man muss schon verflixt aufpassen hier, an ein paar Regeln müsst ihr euch schon halten.“

Bald darauf stehen wir vor dem Flughafen von San Salvador und wissen nicht, wo wir unsere Winterklamotten verstauen sollen, denn es ist 30 Grad, dazu scheint die Sonne, beides ist in der Trockenzeit die Regel. Ein Taxi wartet auf uns, unser Bekannter hat es für uns bestellt. Ein moderner Pick-Up, durch nichts als ein Taxi zu erkennen. Hier nimmt man kein normales Taxi, viel zu gefährlich, hatte unser Bekannter uns erklärt, er werde uns einen Fahrer schicken, der öfters für seine Firma fährt, auf den könnten wir uns verlassen.

Wir fahren über die vierspurige Strasse Richtung Hauptstadt. Nach gut 40 Kilometern und einigen Schrecksekunden wegen plötzlichen Fahrbahnwechsels und sonstiger Vorkommnisse, die sich in Deutschland alle im Bußgeldkatalog wiederfinden, stehen wir vor einem schweren Eisentor, das die Apartmentanlage abschottet. Der Fahrer hupt, das Tor wir von einem Mann aufgeschoben, wir sind da.



Horst ist Elektroingenieur. Bevor er seine Stelle in El Salvador angetreten hat, hat seine Firma ihm einen zweiwöchigen Sicherheitskurs verpasst. Dass er Wert darauf legt, dass sein Name nicht im Internet erscheint, erst recht kein Bild, leuchtet mir ein. Die Entführung eines Mitarbeiters eines deutschen Konzerns bringt schließlich eine Menge Geld ein. Nennen wir unseren Bekannten also Horst. Seine Firma betreut die gesamte Elektroinstallation eines deutschen Betriebes, der Geranien produziert. Wer jetzt an eine Gärtnerei denkt, liegt völlig falsch. In Gewächshäusern, die speziell auf das tropische Klima zugeschnitten sind, werden auf 4 Millionen Quadratmetern Geranien angebaut. 400 ha nur Geranien? Ja, das Klima ist ideal, Energie kostet fast nichts, die Arbeitskräfte auch nicht. Und der Markt ist riesig! All die Geranien, die in Deutschland auf den Balkonen blühen, die müssen ja irgendwo herkommen. Im Herbst werden die Geranien weggeschmissen, im Frühjahr neu gepflanzt, ein sicheres Geschäft. Und wenn die Dinger unter idealen Bedingungen im großen Stil produziert werden, dann hat man auch dann noch gut daran verdient, wenn sie im Baumarkt unter 1 Euro kosten. Später sehen wir noch andere Riesenbetriebe, die haben sich auf tropische Topfblumen spezialisiert …

Horst Wohnung gehört zu einer „Residencia“, gelegen auf einer Höhe in einem Außenbezirk der Hauptstadt San Salvador. Vom Balkon aus hat man einen überwältigenden Blick über die ganze Stadt mit dem Hilton-Hotel-Hochhaus mittendrin und dem Haus-Vulkan San Salvadors im Hintergrund. Grüne Bäume am Straßenrand, mittendrin eine Bananenstaude mit fast reifen Bananen. Schön hier. Wenn nur nicht auf allen Mauern Stacheldraht wäre.



Hausdächer mit Stacheldraht

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Security muss sein, meint Horst, und zeigt mir die Bewegungsmelder und den Alarmknopf in seinem Wohnzimmer. Wenn trotz Mauer und 24-Stunden Wachdienst hier jemand rein kommt, dann brauche er nur zu drücken, und schon schellen in der Zentrale der Security-Firma die Alarmglocken. Ich traue mich nicht zu fragen, ob er schon mal auf den Knopf drücken musste. So richtig beruhigt mich das alles nicht.


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Kommentare

  • agezur

    Ein sehr guter Reisebericht, der viele Klischees zurecht rückt! Was weiß man schon von San Salvator? - Jetzt ein bisschen mehr, danke!
    LG Christina

  • Janzour

    Ein seltenes Reiseziel sehr schön beschrieben.

  • trollbaby

    Sehr interessant, mal etwas über San Salvador zu lesen! Aber ehrlich, was war das für ein Urlaub, wo man sich nicht einmal 5m frei bewegen kann, ohne Angst haben zu müssen, überfallen zu werden? Und wie hält Dein Freund das aus, dort zu leben? Wirklich erschreckend, wie es dort zugeht. Aber Danke, dass Du uns alles so anschaulich näher gebracht hast!
    LG Susi

  • emhaeu

    @calin

    Na, da muss ich mich doch etwas verteidigen:

    1) Ich war inzwischen schon drei Mal in El Salvador, habe die Küste auch in einem eigenen Reisebericht beschrieben. Ich kenne auch die anderen Highlights, die Ruta de Flores etc., habe dazu allerdings noch keinen Bericht geschrieben. Also: Wir haben El Salvador wirklich gesehen.

    2) Und, Entschuldigung, die Sicherheitsprobleme darf man auf keinen Fall herunterspielen, das wäre fahrlässig. Aktuelle Zahlen: In den ersten 15 Tages des Aprils 2012 sind 78 Menschen umgebracht worden, seit Jahresbeginn über 1100. Dass keinem Touristen etwas passiert, stimmt einfach nicht. Ich kenne mehrere, die überfallen oder beraubt worden sind, obwohl sie dachten, sie wären erfahrene Reisende. Es werden ständig Busse überfallen, überall im ganzen Land, nicht nur in der Hauptstadt. Und warum ist denn jeder kleine Kiosk vergittert? Warum werden die Hotels auch an den schönen Stränden rund um die Uhr von bewaffneten Sicherheitsleuten bewacht?

    3) Es ist wirklich ein schönes Land und die Menschen sind sehr, sehr freundlich.

  • ursuvo

    habe grade Deinen sehr interessanten und sehr schön geschriebenen Reisebericht gelesen - fast an einem Stück;-))) - was Du dort so erlebt hast, hat mich so ein bisschen an einen längst vergangenen "Urlaub" in Brasilien(Curitiba) erinnert. Da war ich auch auf eine private Einladung hin für acht Wochen. Es war eine relativ sichere Stadt -aber die Wächter mit Gewehren und noch so manches andere hat man hier auch oft gesehen. Und ein Café oder dgl. am Straßenrand gab's hier auch nirgends - ich habe mir sagen lassen, dass die Brasilianer tagsüber keinen Kaffee trinken!!!!!...........
    auf alle Fälle hat mir Dein Bericht s e h r gut gefallen. Nur der Schluss war mir etwas zuuu abrupt!
    viele Grüße - Ursula
    PS - zu dem Kommentar von Calin: jeder weiß wie kriminell Rio ist - oder jedenfalls vor über 20 Jahren war - mich hat dort auch niemand überfallen - trotz teurer Spiegelreflex offen um den Hals gehängt - tagelang!! auch zum Teil ohne männliche Begleitung!!!
    oder in Italien und Spanien wochenlang mit dem ganzen Reisegepäck offen im Kombi - ist nie was passiert!
    Manche Leute haben eben Glück - aber das heißt doch nicht, dass deswegen nie so etwas passiert!!!

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