Plastikvermeidung Warum Baumwollbeutel nicht immer besser sind als Plastiktüten

Jute- oder Baumwollbeutel galten lange als die Lösung des Plastikproblems. Dabei verbrauchen sie enorme Mengen Ressourcen – und schädigen die Umwelt oft mehr als Plastiktüten
Stofftasche Einkaufen

Nur weil sie aus Baumwolle ist, muss die Tasche noch nicht umweltfreundlich sein

Plastiktüten sind in Verruf geraten. Denn sie bestehen aus der endlichen Ressource Erdöl, werden oft nur ein einziges Mal genutzt und tragen zur dauerhaften Vermüllung der Ozeane bei. Als vermeintlich ökologische Alternative gibt es schon seit einigen Jahren Papiertüten und Tragetaschen aus verschiedenen Stoffen.

Vor allem Taschen aus Baumwolle haben sich als „umweltfreundliche“ Alternative durchgesetzt – oft bedruckt mit Werbung und lustigen Sprüchen. Gerne auch mal mit dem Hinweis, dass der Träger – weil er keine Plastiktüte spazierenführt – sich als Umweltschützer fühlen darf.

Die Folge: Wohl jeder von uns hat zu Hause mehrere ungenutzte Stoffbeutel herumliegen. In der Besenkammer richten sie zwar keinen Schaden an - außer, dass sie uns Platz rauben. Doch ihren Umweltvorteil gegenüber Kunststofftüten entfalten Stoffbeutel erst dann, wenn wir sie oft nutzen. Sehr oft.

Anders gesagt: „Einweg“-Stoffbeutel sind sogar weitaus umweltschädlicher als Einweg-Plastiktüten. Denn der Anbau von Baumwolle braucht extrem viel Wasser, Dünger und Pestizide. Zudem stammen rund zwei Drittel der Welternte mittlerweile von gentechnisch veränderten Pflanzen.

Mehr Schaden als Nutzen?

Zu diesem Schluss kommt auch eine britische Studie. Die Forscher hatten sich die Klimagas-Emissionen angesehen, die bei der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Papiertüten, Tüten aus verschiedenen Kunststoffen und Baumwollbeuteln anfallen. Das Ergebnis: Eine Papiertüte muss mindestens dreimal verwendet werden, um weniger klimaschädlich zu sein als eine Einweg-Plastiktüte. Mit einer Stofftasche dagegen müssen wir mindestens 131 Mal shoppen gehen, damit sie in der Klimabilanz genausogut oder besser dasteht als die Einweg-Plastiktüte.

Nutzen wir die Plastiktüte ein zweites Mal - was nicht unrealistisch ist -, müssten wir für einen gleich großen CO2-Fußabdruck einen Baumwollbeutel schon ganze 173 Mal wiederverwenden. Was eher unrealistisch ist.

Natürlich spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle, etwa die Recyclingfähigkeit und die biologische Abbaubarkeit. Plastiktüten können recycelt werden, Baumwolle in der Regel nicht. Dafür ist das Pflanzenprodukt biologisch abbaubar. Ein gewichtiger Vorteil. Denn Plastik kann zum dauerhaften Umweltproblem werden. Als Daumenregel raten Experten daher, den Stoffbeutel mindestens 25 Mal wiederzuverwenden.

Helfen könnte dabei auch eine Idee des Berliner Bioladens Grünschnabel. Hier können Kunden nicht mehr benötigte Stoffbeutel abgeben. Die werden dann gewaschen und wieder kostenlos an Kunden ausgegeben – die sie dann hoffentlich sehr oft verwenden.

Fazit: Egal, ob aus Plastik, Papier oder Stoff – unter dem Strich zählt, dass wir möglichst wenige Taschen neu anschaffen. Und sie dann so oft verwenden wie nur möglich.

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