Zwei Wochen Camping-Safari in Botswana

Reisebericht

Zwei Wochen Camping-Safari in Botswana

Reisebericht: Zwei Wochen Camping-Safari in Botswana

Aufregende Zeltsafari nach Botswana mit seinem Tierreichtum, ins Okavango-Delta und zu den Victoria-Fällen. Spektakuläre Pirschfahrten in mehreren Wildreservaten. Begegnungen mit Elefanten, Löwen und Leoparden. Der krönende Abschluss ist der Flug mit einer Cessna über das Delta.

Botswana mit seinem Tierreichtum und dem Okavango-Delta, und die Victoria-Fälle – davon habe ich schon lange geträumt. Nun sitze ich in einem City Jet von South African Airlines auf dem Weg nach Livingstone in Zambia. Nach einem langen Flug von München über Paris nach Johannesburg. Und da – ganz kurz – sehe ich unten eine tiefeingeschnittene Schlucht, in die sich die Wasser eines Flusses stürzen. Das müssen die Victoria Fälle sein. Wow, da macht mein Herz einen Sprung. Und ich freue mich schon sehr auf die Abenteuer der nächsten 2 Wochen.

Zuerst werde ich allerdings mit einem Abenteuer der anderen Art konfrontiert: mein Gepäck ist nicht mitgekommen! Wie ich von unserem deutschsprachigen Reiseleiter erfahre, passiert sowas fast bei jeder Gruppe. „Wenn Du Pech hast, bekommst Du Dein Gepäck am letzten Tag vor der Abreise“ ist sein ermutigender Kommentar. Auf jeden Fall hat das Büro unseres Safari-Veranstalters ausreichend Erfahrung mit diesem Thema und wird sich intensiv darum kümmern. Zuerst einmal laufe ich allerdings ziemlich verstört rum.

Wir fahren zu dem Camp, in dem wir unsere Crew treffen, die uns die nächsten zwei Wochen begleiten wird: Betta, unser Fahrer und Führer und Victor, der Camp-Assistent (und Koch). Das Fahrzeug, mit dem wir unterwegs sein werden, ist ein Land-Rover, der für die besonderen Anforderungen einer Camping-Safari konstruiert ist: an den Seiten offen, und das Dach läßt sich aufrollen. In dem Anhänger sind unser Gepäck sowie die Küche untergebracht.



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Dann bekommen wir unsere Zelte zugeteilt, stabile Kuppelzelte in Stehhöhe; mit Moskitonetzen in Fenstern und Türen. Jeder bekommt eine Schaumstoffmatratze, und für mich ist auch noch ein Schlafsack übrig.

Da wir noch für die nächsten Tage Getränke und Wasser einkaufen müssen, fahren wir ins nahegelegene Kasane, und ich nutze die Gelegenheit, mich mit dem Nötigsten zu versorgen. Und ansonsten übe ich mich in Minimalismus. Mein Reisegepäck besteht jetzt aus drei Plastiktüten.

Einen ersten Eindruck vom Tierreichtum in Botswana erhalten wir am Nachmittag bei einer Bootsfahrt auf dem Chobe-Fluss. Z.B. der Schlangenhalsvogel, der geschickt ins Wasser taucht, um Fische zu fangen. Allerdings hat er aus einer Laune der Natur heraus nicht die schützende Fettschicht auf den Flügeln wie andere Wasservögel. Daher muß er nach seinen Tauchgängen sein Gefieder trocknen: Mit weit ausgebreiteten Flügeln steht er auf einem Ast, der aus dem Wasser ragt und läßt sich von der Sonne bescheinen. Am Ufer liegen Krokodile, die sich genüßlich sonnen; ein einsamer Elefant stapft langsam über die Wiese, in der Ferne ist eine Herde Büffel zu erkennen – diese Tiere werden wir in den nächsten Tagen noch häufig zu sehen bekommen. Und natürlich gibt es einen spektakulären Sonnenuntergang, bei dem sich der feuerrote Ball im Wasser spiegelt.

Am nächsten Tag geht es los auf die zweiwöchige Camping-Safari. Morgens um 6.00 Uhr aufstehen, Matten und Schlafsack zum Anhänger bringen, Zelte zusammenpacken, Katzenwäsche. Inzwischen ist auch das Wasser heiß, das Weißbrot über dem Feuer getoastet und alles für’s Frühstück hergerichtet. Dies wird in den nächsten Tagen unsere Morgenroutine sein.

Unser erstes Ziel ist der Caprivi-Streifen in Namibia, eine einsame und wasserreiche Gegend mit wenig bekannten Nationalparks. Nach einer langen Fahrt haben wir am Nachmittag unser erstes Busch-Camp erreicht. Ein wunderbarer Platz direkt am Linyanti-Fluss, mitten in der Wildnis. Das einzige Zeugnis von Zivilisation ist eine kleine Wellblechhütte, die die Toilette beherbergt.



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Am Abend geht es auf Pirschfahrt. Die Sonne ist wieder als glutroter Ball untergegangen, die Dämmerung ist eingebrochen. Da quert vor uns eine ganze Herde von Elefanten die Piste und sammelt sich an einem Platz zum Staubbad. Atemlos vor Staunen stehen wir im Auto und beobachten diese riesigen Tiere wie sie mit dem Rüssel den Staub aufnehmen und über ihrem Körper verteilen und sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht stören lassen. Es ist kein Geräusch zu hören, nur das Schnauben der Dickhäuter.



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Heute ist unsere erste Nacht im Busch. Nach dem Abendessen erläutert uns Betta die Buschregeln für die Nacht: das Zelt muß geschlossen sein, wir dürfen nur auf einer Seite die Zeltklappe offenlassen, so daß genug Luft durch das Moskitonetz kommt. Keine Schuhe draußen stehen lassen, weil sie sonst von den Hyänen verschleppt werden. Und es ist strengstens untersagt, während der Nacht rauszugehen. Schließlich haben wir uns im Revier von wilden Tieren niedergelassen. Für evtl. dringende Bedürfnisse können wir uns aus den Wasserkanistern einen Nachttopf basteln.
Wir liegen im Schlafsack auf den Matratzen und lauschen den Geräuschen der Wildnis: Im Wasser schmatzen und schnauben die Flusspferde – kurz Hippos genannt (von Hippopotamus), in der Ferne brüllen zwei Löwen, irgendwo schreit eine Hyäne, Frösche quaken und der Glockenfrosch erinnert mit seinem klingelnden Geräusch an ein Windspiel. Trotz der vielen Geräusche schlafe ich schließlich ein. Den Nachttopf muß ich nicht benutzen.

Während der nächsten beiden Tage besuchen wir mehrere Naturparks mit jeweils unterschiedlichen Landschaften und einer faszinierend ursprünglichen Natur. Wir sehen viele Elefanten, Paviane, Büffel und Hippos. Am Ende einer abendlichen Pirschfahrt quert eine Elefantenherde die Sandpiste. Einer der Elefanten kommt näher und beäugt uns mißtrauisch. Wir sind ihm nicht geheuer, drum ist es wohl besser, uns zu verjagen: Ohren aufstellen, Rüssel hoch, zum (Schein)-Angriff ansetzen. Betta hat das vorausgesehen und gibt machtvoll Gas, so dass die Reifen durchdrehen und der Sand spritzt, um zu zeigen „Wir können das besser“. Wir haben uns derweil klein gemacht, weil für uns gar nicht klar war, dass der Elefant uns nicht rammen würde.

Einmal macht uns Betta auf einen Baum aufmerksam. In einer Astgabel ziemlich hoch oben liegt ein „Flying Impala“. Das ist natürlich ein Witz, denn den Kadaver hat ein Leopard da hochgeschleppt, damit seine Beute nicht von anderen Tieren gefressen wird.

Noch ein anderes Märchen erzählt uns Betta während einer unserer Pirschfahrten: Warum reckt das Warzenschwein den Schwanz hoch, wenn es rennt? Als Gott das Warzenschwein erschuf, hatte er nicht mehr genug Haut übrig. Da das Warzenschwein den Kopf senkt, wenn es rennt, wird dabei der Schwanz hochgezogen.

Inzwischen haben wir die Grenze zu Botswana überquert und befinden uns auf dem Weg ins Okavango-Delta. Der Okavango ist der drittgrößte Fluss im südlichen Afrika und zählt zu den bemerkenswertesten Gewässern der Welt. Dieser mächtige Fluss fließt nicht zum Meer, sondern ergiesst sich in die sandige Kalahari-Wüste und verschwindet dort. Dabei bildet er ein riesiges Binnendelta mit Schilf- und Papyrussümpfen, Inseln, Lagunen und verschlungenen Wasserläufen.

Drei Tage werden wir im Okavango-Delta verbringen. Da unser Gepäck in den kleinen Booten der Einheimischen transportiert wird, können wir nur das Nötigste mitnehmen. Daher bekommen wir die Anweisung, unser Gepäck zu teilen. Während sich die anderen die Köpfe zerbrechen, wie sie ihr Gepäck am besten aufteilen, ist die Entscheidung für mich einfach: ich reise nach wie vor mit 3 Plastiktüten, die meinen ganzen Besitz enthalten.

Wir fahren von der asphaltierten Hauptstrasse ab zum Beginn einer reinen Sandpiste. Während der kurzen Pause, in der wir unseren Obst-Snach einnehmen, hantiert Betta an den Ventilen der Reifen herum. Wir werden die nächste Zeit auf Sandpiste fahren, und da ist es besser, wenn die Reifen weniger Druck haben.

Die Piste endet am Parkplatz einer Lodge an einem der Wasserarme des Deltas. Die Besitzer der Lodge organisieren auch den Transport. Hier warten zwei Motorboote auf uns, die zum einen uns transportieren als auch unser gesamtes Gepäck einschließlich Küche und Lebensmittel. Das Boot bringt uns über die hier noch breiten und tiefen Wasserläufe zu einer Insel, ab der es dann mit den Mokoros weitergeht. Mokoros sind Einbäume, die früher in einem Stück aus besonders hartem Holz gefertigt wurden. Mittlerweile sind viele Boote allerdings aus Fiberglas hergestellt, um die großen Bäume zu erhalten. Sie sind für zwei Passagiere und einen Bootsführer, den Poler gebaut (von Pole = Stange).

Zuerst einmal müssen wir das ganze Gepäck auf die andere Seite der Insel bringen, an der die Bootsführer mit ihren Mokoros auf uns warten. Mit den Schlafmatten und dem Gepäck haben sie Sitze gebaut, auf denen wir recht bequem sitzen können. Je zwei Personen werden für die kommenden drei Tage einem Mokoro zugeteilt. Und dann geht es los. Die Mokoros sind flach gebaut und ziemlich wackelig. Der Poler steht am Heck und stakt das Boot mit einer großen Stange – dem Pole – geschickt vorwärts. Am Anfang ist das recht gewöhnungsbedürftig. Und dann gleiten wir staunend durch diese einmalige Landschaft. Vorbei an Seerosen, durch schmale Kanäle, die sich durch Papyrus-Wälder schlängeln.



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Das Wasser ist nicht tief. Schließlich gelangen wir durch einen ausgedehnten Seegrasteppich zu der Insel mit unserem Lager. Während wir unsere Zelte aufbauen und einrichten, baut Victor auf dem Boden eines umgekippten Mokoros seine Küche auf.

In den nächsten beiden Tagen haben wir Gelegenheit zum Schwimmen; wir besuchen eine Insel, die der Familie unseres Chef-Polers gehört, die jetzt allerdings verlassen ist, weil die Regierung die Menschen umgesiedelt hat. Und wir fahren zum „Hippo-Pool“, einer weiten offenen Wasserfläche. Still sitzen wir in unseren Mokoros, in respektvollem Abstand zu den riesigen Grasfressern. Und warten darauf, dass sie sich mal zeigen, fotogen das Maul aufreissen.

Heute ist unser letzter Abend. Unsere Poler-Truppe hat sich eine Abschieds-Show für uns ausgedacht. Sie singen und klatschen dazu und einer von ihnen führt Tänze auf. Den letzten haben sie extra für uns Touristen kreiert: sie wollen sich bei uns dafür bedanken, daß wir kommen und ihnen so ein Stückchen Wohlstand bringen.

Der krönende Abschluss ist der Flug mit einer Cessna über das Delta. Der Flug ist spektakulär. Atemlos und begeistert bestaune ich die wunderbare Landschaft unter uns mit den grünen Flächen des Wassergrases, den hellgrauen Inseln, den Lagunen und Kanälen.



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Schliesslich erreichen wir Maun, wo uns das Team wieder erwartet. Und das große Wunder: meine Reisetasche ist da! Ich bin natürlich total erleichtert. Von Betta erfahre ich, daß sie eine kleine Europa-Durchquerung hinter sich hat. Von Paris aus ist sie nach London gereist und erst dann nach Johannesburg. Ein Guide der Agentur hat sie dann mit dem Auto von Livingstone nach Maun gebracht. Die Gruppe unkt rum, ob ich überhaupt wisse, was ich mit den vielen Sachen jetzt anfangen soll. Und in der Tat: ich habe viel zu viel dabei. Bloß um meine Stirnlampe und mein kleines Kopfkissen bin ich froh. Und natürlich die frische Kleidung.

Von Maun aus geht es weiter ins Moremi Wildreservat. Dieser Wildpark ist einer der schönsten in Afrika mit seinen parkähnlichen Landschaften, weiten Grasflächen und den verschlungenen Kanälen. Er ist aber auch bekannt durch seinen Wildreichtum, insbesondere die vielen Elefanten und Löwenrudel.

Bei der Anfahrt zu unserem nächsten Camp bieten sich einige Attraktionen: Im Schatten eines Busches liegen zwei Geparden, an die wir ganz nahe heranfahren können. Wenig später entdeckt Betta einen ausgewachsenen Löwenmann unter einem Busch. Wir haben lange Gelegenheit, ihn zu beobachten, bis es ihm zu viel wird und er gemächlich davontrottet. Dabei humpelt er leicht – offenbar hat er einen Dorn in der Pfote.

Betta’s Fahrkünste können es nicht verhindern: wir bleiben mit Auto samt Anhänger im tiefen Sand der Piste stecken. Es braucht einige Mühe, vor- und zurückfahren, Holzstücke unterlegen und anschieben, bis wir das Auto wieder flott haben.

Im nächsten Camp bleiben wir 2 Nächte. Das ist wunderbar, einmal nicht das Zelt auf- und wieder abbauen zu müssen. Es ist ein sehr schöner Platz, direkt unter einem riesigen Leberwurstbaum, der Schatten spendet. Auch hier sind wir – wie zuvor auch schon – die einzige Gruppe. Auf diesen exklusiven Wildniscamps darf nur jeweils eine Gruppe ihre Zelte aufstellen; die Plätze dürfen übrigens nur von in Botswana registrierten Safarifirmen genutzt werden. Sie müssen dabei strenge Naturschutz-Auflagen erfüllen. Der Slogan „Take nothing but photos, leave nothing but footprints“ („Nimm nichts mit außer Fotos, lasse nichts zurück als Fußspuren“) ist in Botswana nicht nur eine Floskel.

Auch wenn wir kein Zelt abbauen müssen: Aufstehen am nächsten Morgen ist um 5.45 Uhr, nur ein schnelles Frühstück; denn das Ziel unserer Pirschfahrt ist etwas weiter weg. Wir sind schon ein Stück gefahren, da tönt es aus dem Walkie-Talkie: „Betta, Betta, Betta“. Offenbar hat der Guide einer anderen Gruppe etwas Besonderes gesehen. Da gibt es Hyänen zu sehen, erklärt uns Betta. Und dann sehen wir unsere ersten Hyänen, wie sie lauernd im Gras liegen. Den Grund dafür erkennen wir kurze Zeit später: im Gebüsch liegen mehrere Löwen, die sich an einem toten jungen Elefanten gütlich tun. Es ist ein makabres Schauspiel, wie sie große Stücke aus dem toten Tier reißen.



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Der eine Löwe fährt wieder und wieder mit seiner rauen Zunge über die dicke Haut des Elefanten, um diese weicher zu machen. Einer der Löwen wälzt sich wollüstig auf dem Rücken, die Schnauze ist rot vom Blut. Ein anderer schaut drohend mit seinen grausamen Raubtieraugen zu uns her. Wir sind heilfroh in einem Auto zu sitzen, das ganz offensichtlich nur als Ding gesehen wird und nicht als offenes Behältnis mit leckeren Touristen drin. Das Schauspiel hat eine morbide Faszination.



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Betta erklärt uns später, dass das Jungtier wahrscheinlich durch das Gebüsch vom Muttertier getrennt war, so dass die Löwen es angreifen konnten. Die Löwen beissen dann den Rüssel durch, so dass der Elefant nicht mehr um Hilfe trompeten kann und in der Folge erstickt.

Wenig später erleben wir das nächste makabre Schauspiel: am Morgen waren wir an einem Impala vorbeigekommen, das im Gras lag: es hatte sich offensichtlich ein Bein gebrochen. Offensichtlich ist das Impala inzwischen gestorben – aufgrund der Hitze und auch durch den Schock. Und die Gesundheitspolizei ist schon da: mehrere Geier sitzen um das tote Tier rum, einige sitzen abwartend auf den Bäumen. Und es werden immer mehr; sie kommen von fern angeflogen und sammeln sich erst mal auf den nahen Bäumen, da wir ihnen wohl etwas suspekt sind. Als wir uns zurückziehen, kommen sie alle und hüpfen gierig zu dem Kadaver, um sich die besten Stücke zu sichern. Die Köpfe sind rot vom Blut. Nach diesem aufregenden Vormittag tut die Siesta im Schatten gut.

Als wir abends an unserem Tisch sitzen, ist im Busch einiges los: Hippos grunzen und schnauben im nahen Wasser, die Hyänen schreien. Und ein Elefant trottet ganz nahe am Camp vorbei und verspeist lautstark Teile der Bäume. Besorgt schaue ich zu meinem Zelt, das ich unter einem saftig grünen Busch aufgestellt habe. Es ist allerdings nicht überlieft, daß ein Elefant jemals ein Zelt niedergetrampelt hätte. Dann hören wir das Brüllen von 2 Löwen – das sind wahrscheinlich die beiden Löwenmännchen, die wir bei der nachmittäglichen Pirschfahrt gesehen hatten. Die gehen jetzt auf die Jagd.

Wenig später kommt eine der Frauen aufgeregt angerannt: sie hat gerade einen Löwen gesehen, der durch unser Lager gelaufen ist. Da wird mir ziemlich mulmig. Die anderen wollen es nicht so recht glauben und versuchen, mit Humor und Lachen darüber hinwegzugehen. Aber Betta und Victor ziehen schnell die Konsequenz, räumen alles ab, löschen die Lichter und scheuchen uns sehr bestimmt in unsere Zelte. Das ist Wildnis pur! Entsprechend unruhig und aufregend sind meine Träume.
Betta bestätigt uns übrigens am nächsten Morgen, daß tatsächlich ein Löwe durch’s Lager gelaufen ist – seine Spuren sind deutlich zu erkennen. Nur gut, daß wir offenbar nicht auf der Speisekarte von Löwen stehen.

Wir sind wieder auf Pirschfahrt inmitten der weiten Savanne mit Inseln aus Bäumen und Gebüsch. Betta entdeckt einen Gepard am Rand eines Wäldchens. Wir bleiben stehen, gespannt, was passieren mag und ob er evtl. näherkommt. Langsam tritt der Gepard aus dem Gebüsch und geht gemächlich über die Savanne auf einen Felsblock zu. Geschmeidig springt er hinauf und schaut sich um. „Er jagt!“ erklärt uns Betta. Die nächste Impala-Herde ist nicht weit. Schliesslich springt der Gepard runter und geht auf einen Wald zu, hinter dem wir die Herde vermuten. Betta wendet, und wir alle sind natürlich äußerst gespannt, ob wir den Gepard beobachten können, wie er ein Impala reißt. Betta fährt hierhin und dorthin; aber so viel wir auch schauen, es ist kein Gepard mehr in Sicht. Im Gegensatz zu uns hat er schließlich die ganze Nacht Zeit – wir müssen nach Sonnenuntergang zurück ins Camp.

Dann gibt es aber doch noch ein Highlight zu sehen: mit seinen unglaublich scharfen Augen entdeckt Betta einen Leopard. Wir schauen in die Richtung, die er uns zeigt, können aber nichts entdecken. Erst als wir mit unserem Auto fast unter dem breit ausladenden Baum stehen, sehen wir den Leopard, der da entspannt auf einem dicken Ast liegt.

Nach diesen aufregenden Erlebnissen war uns klar, daß eine Steigerung kaum mehr möglich sein würde. Dennoch: auch während der verbleibenden 4 Tage gab es immer wieder Momente des Staunens und der Begeisterung. Die Gruppe junger Giraffen, die grazil vor uns über die Graslandschaft schreitet, die Elefantenherde am Fluß, das Hippo, das uns seinen wunden aufgerissenen Hintern zudreht, an dem sich wohl ein Löwe versucht hatte. Wenn sich im Savuti-Park dann allerdings 7 Safari-Autos unter einem Baum mit Leopard sammeln, dann wenden wir uns, die wir die Einsamkeit gewohnt waren, doch eher mit Grausen ab.

Jede Reise hat ein Ende – diese findet ihren krönenden Abschluß im Besuch der Victoria Fälle. Es sind die grössten Wasserfälle Afrikas. Auf einer Breite von fast zwei Kilometern stürzt der gewaltige Zambesi River 120 Meter in die Tiefe. Jetzt zum Ende der Trockenzeit haben sie zwar nicht sehr viel Wasser (nur ca. 20% der Menge während der Regenzeit); dennoch sind sie majestätisch anzuschauen. Vor allem am späten Nachmittag, wenn die Sonne tief steht und den Wasserdunst golden färbt, ist es für mich ein mystischer Anblick.



Victoria-Fälle

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Glücklicherweise habe ich mir noch einen zusätzlichen Tag gegönnt, den ich dazu nutze, mir auch die Fälle auf der Zimbabwe-Seite anzusehen. Von der sambischen Grenze ist es ein kurzer Spaziergang über die Brücke, die die Schlucht überspannt, hinüber nach Zimbabwe.
Ich habe die Gelegenheit zuzuschauen, wie sich ein Mann beim Bungee-Jumping todesmutig in die Tiefe stürzt. Da läuft es mir kalt den Rücken runter.

Für den Besuch der Fälle in Zimbabwe darf ich insgesamt stolze 50$ hinblättern, die sich aus dem Preis für das Tagesvisum (30$) und den Besuch des Nationalparks (20$) zusammensetzen. Aber wann werde ich wohl je wieder hierherkommen. Ich genieße den Spaziergang auf den Wegen entlang der Schlucht, von denen aus sich immer wieder atemberaubende Ausblicke auf den „Donnernden Rauch“ bieten - wie die Fälle von den einheimischen Kololo genannt werden.

Und dann ist meine letzte Nacht im Hotel „Waterfront“, ein letzter Sonnenuntergang in Afrika, der Transfer zum Flughafen und der lange Flug über Johannesburg und Paris zurück nach München. Auch mein Gepäck ist dieses Mal mitgekommen. Übrigens: die Auslagen für meine Notausrüstung, die ich mir in Botswana gekauft hatte, in Höhe von 36,57 € wurden mir von der Lufthansa anstandslos ersetzt.


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Kommentare

  • RdF54

    Großes Abenteuer mit dem Löwen im Camp! :-) Bei mir war es ein Elefantenbulle mitten in der Nacht.
    Schön und informativ geschrieben.

    LG Robert

  • d.butscher

    toller interessanter bericht macht appetit. warst du mit elephant-tours dort??

    lg dieter

  • speedygonzales

    Hallo! Toller Bericht, mit wem warst Du dort? Botswana steht auch noch auf meiner Liste. Im Übrigen steht Dir -so meine ich- mehr Geld zu, wenn Dein Gepäck die ganzen 2 Wochen nicht nachgeliefert wurde.
    Liebe Grüße,
    Nadine

  • ma_ekta

    Hallo, ich freue mich über die positiven Rückmeldungen - vielen Dank.
    Ich war mit Outback Africa in Botswana. Die wiederum haben Bush Ways Safari in Maun beauftragt.
    Lg Ursula

  • doubleegg

    Bin auf der Suche nach vorbereitenden Tourinfos über diesen sehr flotten, apptetitanregenden Bericht gestoßen. Von interessantenTierbegegnungen abgesehen, du hast einen bemerkenswerten Gleichmut entwickelt, auch mit weniger Annehmlichkeiten auszukommen und dir nicht die Tour zu vermasseln zu lassen. Finde ich sehr gut und wünsche dir noch viele schöne und spannende Erlebnisse auf deinen Reisen.
    LG Elke ( ich freu mich drauf ... ;-)

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