Teleskop im Weltall Großer Lauschangriff

Ein Teleskop im Weltall soll sich mit irdischen Anlagen verbinden. Dabei entsteht quasi eine endlos verlängerbare Radioantenne

In diesen Wochen beginnt der Testbetrieb: An Bord der Raumsonde "SpektrR" soll das Teleskop "RadioAstron" die Tiefen des Alls abhorchen. Die Leitung des Projekts liegt beim Moskauer Astro Space Center der Russischen Akademie der Wissenschaften. Das Besondere an RadioAstron ist einerseits seine Umlaufbahn: eine Ellipse, deren erdnächster Punkt etwa 600 Kilometer entfernt ist, der erdfernste aber rund 350 000 Kilometer. Der eigentümliche Bahnverlauf hat einen tieferen Grund: Beobachten zwei oder mehr Radioteleskope von verschiedenen Orten aus denselben Punkt, wirkt diese Kombination wie ein einziges Riesenteleskop. Im Verbund mit irdischen Anlagen bildet RadioAstron deshalb ein einzigartiges, gigantisches Lausch-Gespann, das in seiner weitesten Ausdehnung fast 30-mal so groß ist wie der Erddurchmesser. Das Verfahren der gekoppelten Beobachtung wird als Interferometrie bezeichnet, sein Vorteil ist eine besonders hohe Auflösung der beobachteten Objekte.

Mit SpektrR entsteht nun - sozusagen virtuell - das größte Radioteleskop, das es jemals gegeben hat. Die Verbundanlage aus RadioAstron und den größten Radioteleskopen der Erde erreicht voraussichtlich eine bis dahin nicht gekannte Auflösung: Im Radiowellenbereich soll sie etwa 10.000-mal höher sein als die des Weltraumteleskops "Hubble" im sichtbaren und infraroten Licht. Dadurch erhoffen sich die Astronomen unter an derem detaillierteste Einblicke in die Strukturen weit entfernter Galaxien und in deren Sterngeburtsstätten. Vor allem aber soll das Kombi-Teleskop höchst geheimnisvolle Himmelskörper ins Visier nehmen: Quasare, riesige Schwarze Löcher im Zentrum von Galaxien, deren Gravitationssog die umgebenden Gase so erhitzt, dass sie stärker strahlen als die meisten anderen Objekte im All. Zu den irdischen Partnern von RadioAstron gehören unter anderem die 100-Meter-Antenne in Effelsberg/Eifel des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie und die gewaltige 305-Meter-Schüssel von Arecibo auf Puerto Rico.

GEO Nr. 12/11 - Der gekaufte Bauch
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Der gekaufte Bauch