Astronomie Suche nach zweiter Erde: Forscher halten Millionen von Planeten der Milchstraße für bewohnbar

Sind wir allein im Universum? Sehr wahrscheinlich nicht. Allein in unserer Galaxie könnte es Millionen Planeten geben, auf denen Leben möglich ist. Das zeigt eine neue Studie
Der Exoplanet Kepler-186f

So könnte er aussehen, der 2015 entdeckte, erdähnliche Exoplanet Kepler-186f

Gibt es da draußen Leben? Wir wissen es nicht, sichere Nachweise fehlen bislang. Aber zu behaupten, wir wären allein im Universum, widerspräche jeder Wahrscheinlichkeit. Nach einer aktuellen Studie könnte es allein in unserer Galaxie, der Milchstraße, mehr als 300 Millionen Planeten geben, die der Erde ähneln. Und auf denen sich Leben entwickelt haben könnte.

Für ihre Schätzung werteten 82 Astronomen aus aller Welt Daten des Weltraumteleskops Kepler aus. Die US-Sonde hatte jahrelang – von 2009 bis 2018 – eine bestimmte Region unserer Galaxie im Sternbild Schwan ins Visier genommen. Und zwischen rund 190.000 sonnenähnlichen Sternen Tausende Trabanten von der Größe der Erde entdeckt. Einige Dutzend von ihnen umkreisten ihr Zentralgestirn innerhalb der so genannten habitablen Zone. Also in einer Entfernung vom Stern, die moderate Temperaturen und flüssiges Wasser auf der Oberfläche zulässt - einige der Grundvoraussetzungen für Leben.

Je nachdem, wie großzügig man die „habitable Zone“ auslegt, kommen die Forscher auf 37 bis 88 Prozent der sonnenähnlichen Sterne, die von einem erdähnlichen Planeten umkreist werden.  

Um trotz aller Unsicherheiten zu einer möglichst präzisen Schätzung zu kommen, stellten die Forscher hohe Anforderungen an die Planeten-Kandidaten: Ihr Zentralgestirn musste ungefähr so alt und so heiß sein wie unsere Sonne. Außerdem musste der Planet selbst ungefähr Erdgröße aufweisen. Denn diese Voraussetzung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen Gesteins- und nicht etwa um einen Gasplaneten handelt. Flüssiges Wasser sollte vorkommen können, und auch die Lichtmenge sollte ungefähr der der Erde entsprechen.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, so die Forscher, befindet sich der nächste Kandidat, der diese Voraussetzungen erfüllt, in unserer unmittelbaren galaktischen Nachbarschaft – in nur 20 Lichtjahren Entfernung von unserer Sonne.

Erster erdähnlicher Exoplanet 2015 nachgewiesen

Auf der Suche nach außerirdischem Leben gelang NASA-Forschern im Juli 2015 ein erster Durchbruch, als die Messinstrumente das Kepler-Teleskop einen ersten, erdähnlichen Exoplaneten in unserer Galaxie nachweisen konnten. Kepler-186f ist ungefähr so groß wie die Erde und umkreist seinen Stern in der habitablen Zone. Ob es auf ihm tatsächlich Leben gibt – von einer Zivilisation zu schweigen –, bleibt vorläufig unbekannt.

Das Weltraumteleskop befand sich bis zum Ende seiner Mission im November 2018 auf einer Umlaufbahn um die Sonne und verwendete für seine Messungen Helligkeitsunterschiede bei den beobachteten Sternen. Eine periodische Verdunkelung ließ Forscher darauf schließen, dass sich ein Trabant vor die Scheibe des Zentralgestirns schiebt. Einen Hinweis auf die Größe des Himmelskörpers erhielten die Forscher durch den Grad der Verdunkelung. Ein technischer Defekt machte das Weltraumteleskop ab dem Jahr 2013 allerdings nur noch eingeschränkt nutzbar.

Für ihre Schätzung zogen die Wissenschaftler darum auch Daten der ESA-Sonde Gaia heran, die Sterne in der gesamten Galaxie beobachtet.

Dass es „da draußen“ Leben gibt, gilt unter Astronomen lange als sicher. Der Astronom Frank Drake stellte in den 1960er Jahren eine Formel für die Wahrscheinlichkeit außerirdischen Lebens auf. Zumindest einige der Variablen dieser Gleichung sind nun bestimmt: die Geschwindigkeit, mit der sonnenähnliche Sterne entstehen, der Anteil der Sterne mit einem erdähnlichen Trabenten. Und die Zahl der – mutmaßlich – bewohnbaren Welten pro Sonnensystem.