Schwerkrafttief Warum wir in manchen Teilen der Welt weniger wiegen

Menschen in Südindien wiegen etwas weniger. Der Grund dafür ist die Nähe zu einer Gravitationsdelle
Geoid

Die Geoid-Karte zeigt deutliche Abweichungen der Gravitation auf der Erdoberfläche. Deutlich sichtbar: die dunkelblaue Delle im Indischen Ozean

Aus dem Weltall betrachtet, erscheint unser Planet als runde blaue Kugel, aber dieser Eindruck täuscht: Durch die ungleiche Verteilung der Massen hat er viele Beulen und Einbuchtungen. Auch auf den Ozeanen würden sich Höhen und Tiefen zeigen, wenn wir Gezeiten und Strömungen abschalten könnten und die Erde von einer ruhigen Wasseroberfläche bedeckt wäre. Wo im Untergrund massereicheres Gestein liegt, ist die Schwerkraft stärker und zieht mehr Wasser an. Ergebnis: ein Wasserberg. Bei leichterem Material in der Tiefe wirkt eine schwächere Gravitation, das Wasser fließt ab.

Im Meer vor Südindien stünde das Wasser durch diesen Effekt bis zu 106 Meter tiefer. An der Südspitze Indiens ist die Schwerkraft dadurch zwar nicht spürbar, aber messbar geringer: Ein Mensch, der bei uns 80 Kilogramm auf die Waage bringt, ist in Südindien 24 Gramm leichter - wobiel die Körpermasse natürlich gleich bleibt. Und so schneiden man auch beim Einkauf in Südindien besser ab: Wer dort ein Kilogramm Currypulver kauft, bekommt 0,3 Gramm mehr als hierzulande.

Geologen haben das Rätsel gelöst

Wissenschaftler haben lange nach einer Erklärung für das Schwerkrafttief im Indischen Ozean gesucht, Geologen des Indischen Instituts für Wissenschaft in Bangalore haben sie schließlich gefuden: In der Tiefe zwischen 300 und 900 Kilometern sammelt sich heißes, leichteres Material vor der Indischen Kontinentalplatte, die nach Norden driftet. Das Material stammt von einem „Superplume“ unter Ostafrika, einer Art Kamin, über den heißes Gestein aus großen Tiefen in den oberen Erdmantel aufsteigt. Und dieser Strom biegt von Ostafrika ab nach Osten – Richtung Indien.

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