Transidentität Ronjas Reise: Der lange Weg einer trans* Frau zu sich selbst

Von Blau zu Rosa: Bei der Aufnahme in der Klinik erhält Ronja Santandrea ein blaues Hemdchen, nach der OP eines in der "Mädchenfarbe" Rosa
Von Blau zu Rosa: Bei der Aufnahme in der Klinik erhält Ronja Santandrea ein blaues Hemdchen, nach der OP eines in der "Mädchenfarbe" Rosa
© Giulio Di Sturco
Ronja wurde als Mann geboren, aber gefühlt hat sie sich stets als Frau. Nun lässt sie ihren Körper anpassen, in Bangkok, wo etliche Kliniken auf die schwierige Operation spezialisiert sind. Für Ronja ist es: der Beginn ihres richtigen Lebens 
Text: Vivian Pasquet, Fotos: Giulio di Sturco

Am Abend vor der Reise, von der sich Ronja Santandrea ein besseres Leben erhofft, kniet sie im schweizerischen Winterthur vor ihrem Koffer. Darin liegen, neben Kleidchen, Sonnencreme und Badeschlappen: 

Ein Päckchen Graubündner Gemüsesuppe – gegen das Heimweh. Ein Zehnerpack Wegwerf-Unterhosen – für die ersten Tage nach der Operation. Eine Creme mit weiblichen Hormonen. 8600 US-Dollar in kleinen Scheinen. Das Medikament gegen die Angst.

Ronja, 37, hat ihre blonden Haare zusammengebunden und trägt ein weißes Hemd mit Spaghettiträgern. Auf ihren Fingerspitzen leuchten lilafarbene Gelnägel. Als ihre Ehefrau Michelle Santandrea, 27, einen Badeanzug in die Tasche wirft, da seufzt Ronja: "Ach, ich bin ja schon traurig, dass du im Hotelpool schwimmen wirst und ich nicht!"

Ronja ist aufgeregt, obwohl sie sich gut vorbereitet hat. Sie hat eine Premium-Reiseversicherung abgeschlossen, mit Krankenrücktransport für Notfälle. Sie hat Reiseführer über Bangkok studiert und Karteikärtchen eingepackt, auf denen englische Sätze für die Tage im Krankenhaus notiert sind.

Entschuldigung, ich spreche kein Englisch. Ich komme aus der Schweiz. Könnte ich bitte ein Glas mit Wasser haben? Haben Sie vielleicht ein Schmerzmittel für mich? Ronja schließt den Koffer und lässt sich auf die Couch fallen. Sie sagt, jetzt stehe der Entfernung ihres Penis nichts mehr im Weg.


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