Partnerschaft Keine Angst vor Streit: Wie Konflikte unsere Beziehungen stärken können

Ein Paar sitzt auf einem Steeg und blickt nachdenklich über das Wasser
Konstruktives Streiten vermag die Beziehung zu intensivieren 
© Sporrer/Rupp/Getty Images
Wie gelingt es, Konflikte besonnen und konstruktiv zu führen? Welche Prinzipien verhindern, dass eine Auseinandersetzung eskaliert? Und wann ist es Zeit für einen Kompromiss? Psychologen haben untersucht, was nötig ist, damit Dispute eine Beziehung nicht zermürben – sondern stärken

Hannah Schulte* ahnte, dass das Thema Ordnung irgendwann zum Streit zwischen ihnen führen könnte – schon in der Nacht, in der sie Roland kennenlernte. Sie hatten sich in einer Kneipe getroffen, geredet, geraucht, getanzt. Sie hatte ihn geküsst, er sie mit zu sich genommen – in diese Wohnung, so leer und doch nirgendwo ein Platz für sie: das Bett von Zeitungen bedeckt, auf jedem Stuhl ein Kleiderberg. Roland bot ihr Wasser an, fand aber keines.

Sie blieben zusammen, zogen in eine gemeinsame Wohnung, ergänzten sich: ihre Geschäftigkeit, seine Ruhe; ihr Lachen, sein Humor. Nur wenn es um Ordnung ging, schätzten die beiden ihre Gegensätze nicht. Hannah dachte, durch ihr Vorbild einen ordentlichen Menschen aus ihm machen zu können. Roland erklärte, er brauche all dies Penible nicht, er möge es auch nicht.

Die beiden sprachen nie über ihre unterschiedlichen Standpunkte. Stattdessen stritten sie über die Ordnung in der Wohnung – immer heftiger. Aus Banalitäten entwickelte sich immer häufiger ein scharfer Schlagabtausch.


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