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Kontroverse Lüften oder Fenster zu – was ist besser bei Hitze?

Sonnenschutz von außen ist das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, Hitze aus der Wohung zu halten
Sonnenschutz von außen ist das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, Hitze aus der Wohung zu halten
© smallredgirl/Adobe Stock
Der Meteorologe Jörg Kachelmann wettert gegen die Empfehlung, bei Hitze tagsüber die Fenster geschlossen zu halten. Das sei ein "Todesurteil für viele alte Menschen". Doch eine pauschale Antwort gibt es nicht

Deutschland droht in diesen Tagen eine Rekord-Hitze. Und damit flammt auch wieder die Debatte auf, wie man sie am besten aus der Wohnung hält. Der Meteorologe Jörg Kachelmann wetterte im Deutschlandfunk jüngst erneut gegen Empfehlungen, bei Hitze tagsüber Fenster und Türen geschlossen zu halten. Fenster zu verrammeln, das sei "für viele alte Menschen ein Todesurteil". Lediglich in Rheinland-Pfalz habe man die offiziellen Empfehlungen zum Lüften bei Hitze geändert, alle anderen Bundesländer blieben bei dem "Wahnsinn". Das sei "ganz furchtbar".

Zunächst: Dass wegen der niedrigeren Temperaturen nachts ausgiebig gelüftet werden sollte – darüber herrscht Einigkeit. Und tagsüber Fenster und Türen geschlossen zu halten, kann durchaus Sinn machen. Nämlich dann, wenn die Außenluft wesentlich heißer ist als die Innenluft. Beim Lüften würde sich nicht nur die Raumluft erwärmen, sondern auch das Mauerwerk. Die Abkühlung der Wohnung in den Nachtstunden würde dann noch länger dauern.

Das Problem ist allerdings – und hier hat Kachelmann Recht – vor allem die Luftfeuchtigkeit. Sie erhöht sich zum Beispiel durch Kochen, Duschen, Wäschetrocknen – und durch die Atmung der Menschen in der Wohnung. Je höher aber die Feuchtigkeit der Umgebungsluft, desto schwerer fällt es dem Körper, sich durch Verdunstung selbst zu kühlen.

Tagsüber kann dosiertes Lüften sinnvoll sein

Wenn sich in der Wohnung tagsüber niemand aufhält, ist es also empfehlenswert, sie (möglichst von außen, zum Beispiel mit Rollläden oder Jalousien) zu verschatten und Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Kniffliger wird es, wenn Wohnungen auch tagsüber genutzt werden – zum Beispiel im Homeoffice. Dann ist es ratsam, zumindest hin und wieder querzulüften oder durch gekippte Fenster einen leichten Luftstrom zuzulassen. Unterstützt von Ventilatoren, sorgt der stete Zug für Verdunstung auf der Haut. Und macht so auch hohe Temperaturen erträglich.

Was gut tut, das muss ohnehin jeder selbst herausfinden. Experten weisen darauf hin, dass das Wohlbefinden – oder der "thermische Komfort" – nicht nur von der Sonneneinstrahlung, der Bausubstanz, der Lage der Wohnung (zum Beispiel im Keller oder im Dachgeschoss) und den Aktivitäten in der Wohnung abhängt, sondern auch von persönlichen Vorlieben: Der eine schwitzt lieber bei einem leichten, konstanten Luftzug, die andere hat es bei stehender Luft lieber ein paar Grad kühler.

Man müsse von Fall zu Fall entscheiden, welches die beste Lösung sei, um die Hitze gut zu überstehen, sagte der Forscher Evangelos Belias von der ETH Lausanne der Neuen Zürcher Zeitung.

So oder so: Viel trinken ist in jedem Fall ein guter Rat.


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