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Sars-CoV-2 Wie ansteckend sind Geimpfte wirklich?

Spritze und Impfstoff gegen Corona liegen auf einem Impfausweis
Geimpfte können sich auch mit Sars-CoV-2 infizieren, doch stecken sie auch andere an?
© RRF /Adobe Stock
Die Corona-Zahlen steigen in ganz Deutschland und viele Bundesländer verschärfen ihre Regeln. Zu vielen Orten bekommen nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. Doch auch Menschen, die gegen Sars-CoV-2 geimpft sind, können sich infizieren und so das Virus weitertragen. Forschende untersuchen, wie ansteckend Geimpfte sind

Menschen, die sich gegen das Corona-Virus haben impfen lassen, können sich trotzdem mit dem Erreger infizieren. Denn: Das Immunsystem muss auf den Erreger reagieren. Bei Ungeimpften kann das lange dauern, weil das Immunsystem gegen ein neues, ihm unbekanntes Virus ankämpfen muss. Doch auch bei Geimpften braucht die Immunantwort eine gewisse Zeit, während sich das Virus bereits im Körper befindet. Geimpfte können das Virus in dieser Zeit schon weitertragen. Doch wie ansteckend sind sie?

Entscheidend bei der Frage nach der Ansteckungswahrscheinlichkeit ist die Viruslast – erst bei einer gewissen Viruslast können andere angesteckt werden. Ein Preprint aus den USA und eine Untersuchung des englischen Gesundheitsamtes Public Health England (PHE) aus dem Sommer 2021 haben gleich hohe Viruslasten in Abstrichen von Ungeimpften und Geimpften gefunden. Die Gesundheitsbehörde PHE berichtete, dass Geimpfte ebenso ansteckend sein können wie Ungeimpfte. Die Annahmen dieser Studien basieren auf PCR-Tests, bei denen der Ct-Wert bestimmt worden ist. Der Ct-Wert beschreibt wie viele Zyklen gebraucht werden, um Sars-CoV-2 nachzuweisen. Ist der Wert klein, bedeutet dies eine hohe Viruslast. Doch niedrige Ct-Werte bedeuten nicht automatisch, dass eine Person hochinfektiös ist. Denn: Es kann so nur die Virus-RNA, das Erbgut der Viren, nachgewiesen werden, und nicht wie viele der Viren ansteckend sind. Die Studienlage ist aktuell noch dünn.

Geimpfte weniger lange infektiös als Ungeimpfte

Auch eine Studie aus Großbritannien kommt zu dem Ergebnis, dass die Spitzenviruslast bei Geimpften und Ungeimpften gleich hoch ausfallen kann. Die Forschenden haben analysiert, welchen Einfluss der Impfstatus auf das Übertragungsrisiko und den Verlauf der Viruslast hat. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hatten von September 2020 bis September 2021 insgesamt 471 Covid-19-Patientinnen und -patienten sowie deren 602 Kontaktpersonen untersucht und Proben aus den oberen Atemwegen genommen. Bei Geimpften, die mit der Delta-Variante infiziert waren, ging die Viruslast schneller zurück als bei Menschen ohne Impfschutz gegen Sars-CoV-2.

Die Forschenden gehen davon aus, dass auch Geimpfte andere Mitglieder ihres Haushalts anstecken können. Besonders am Anfang der Infektion sei die Viruslast und somit auch die Ansteckungsgefahr hoch. Eine Studie aus Singapur zeigt ebenso, dass die Viruslast bei Geimpften deutlich schneller sinkt, weil ihr Immunsystem die Viren durch die Impfung schneller deaktivieren kann.

Impfung senkt das Risiko einer Erkrankung und der Übertragung

Auch Erkenntnisse aus den Niederlanden bestätigen (Preprint), dass vollständig Geimpfte nur drei Tage lang eine hohe Viruslast aufweisen, ungeimpfte Personen dagegen bis zu sieben Tage. Die Forschenden sammelten positive PCR-Abstriche von geimpftem und ungeimpftem Gesundheitspersonal. Die gesammelten Daten der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass Geimpfte und Ungeimpfte zwar eine vergleichbar hohe Viruslast hatten (Ct-Werte durchschnittlich zwischen 24,6 und 24,2). Doch: Die Viruspartikel waren bei Geimpften weniger oft infektiös: Unter den Ungeimpften trugen 85 Prozent das ansteckende Virus in sich, bei Geimpften waren es nur 68 Prozent.

Eine Untersuchung des Nationalen Instituts für Gesundheit der Niederlande (RIVM) im Preprint  hat darüber hinaus Infektionsraten von Geimpften und Ungeimpften in Haushalten verglichen. Dies hatte das RIVM schon einmal vor der Ausbreitung der Delta-Variante analysiert. Diese Folgestudie aus August und September 2021 dient dazu, auch die Auswirkungen der Delta-Variante zu untersuchen. Das Ergebnis: Voll immunisierte Menschen, die positiv auf Sars-CoV-2 getestet sind, übertragen das Virus 63 Prozent weniger oft an ihre Haushaltsmitglieder als Ungeimpfte, die positiv auf Covid-19 getestet wurden.

Das Robert Koch-Institut fasst es so zusammen: "In der Summe ist das Risiko, dass Menschen trotz Impfung PCR-positiv werden und das Virus übertragen, auch unter der Delta-Variante deutlich vermindert." Heißt: Für Geimpfte ist das Risiko, sich mit Covid-19 anzustecken, nicht so hoch. Auch das Risiko das Virus zu übertragen, ist bei vollständig geimpften Personen deutlich reduziert.


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