Hoffnung nach der Diagnose Weltweit steigt die Überlebensrate von Krebspatienten - doch nicht alle profitieren

Dank neuer Operations- und Therapiemethoden wächst die Zahl überlebender Krebspatienten. Allerdings profitieren davon nicht alle Erkrankten gleichermaßen
Sieg über Krebs

Laut WHO sank die Sterberate von Krebs­patienten in den Industrienationen zwischen 2000 und 2015 um 20 Prozent, in den Entwicklungsländern nur um fünf Prozent

Fünf Millionen – so viele Menschenleben konnten ­Krebsärzte seit 1989 in Europa zusätzlich retten, weil sie auf immer bessere Behandlungsmethoden zurückgreifen konnten. Das berichtet ein internationales Forscherteam. Ihre Analyse zeigt, dass immer mehr Krebspatienten in der EU ihre Erkrankung überleben: Bei den Frauen sank die Sterberate seit 2015 um vier Prozent, bei Männern sogar um fünf Prozent.

Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang bei Leukämie, uneinheitlich ist das Ergebnis dagegen bei Lungenkrebs: Während die Sterberate hier bei den Männern deutlich sinkt, in Deutschland etwa um elf Prozent, steigt sie bei den Frauen weiter an, in Deutschland um knapp fünf Prozent. Die Wissenschaftler führen das auf einen Wandel im Tabakkonsum zurück: Immer weniger Männer rauchen. Bei den Frauen dagegen steigt die Lungenkrebsrate noch an, weil sich unter ihnen der Zigarettenkonsum erst deutlich später verbreitet hat.

Auch weltweit gelingt es Onkologen, immer mehr Menschenleben zu retten, die Fünfjahres-Überlebensrate steigt für einige Krebsarten rasant. Das belegte eine breit angelegte Studie der London School of Hygiene & Tropical ­Medicine, für die Forscher Daten von 37,5 Millionen Krebspatienten aus 71 Ländern ausgewertet haben. In Dänemark etwa stieg die Überlebensrate bei Prostatakrebs von 64 Prozent innerhalb von 14 Jahren auf 86 Prozent.

Was die Zahlen allerdings auch zeigen: Medizinischer Fortschritt kommt keineswegs überall an. Kinder mit einem Hirntumor etwa haben in Schweden, Dänemark oder der Slowakei eine doppelt so hohe Chance, die Erkrankung zu über­leben (80 Prozent), wie Gleichaltrige in Brasilien und Mexiko.

Die WHO gab Anfang dieses Jahres bekannt, dass die Sterberate von Krebs­patienten in den Industrienationen zwischen 2000 und 2015 um 20 Prozent sank, in den Entwicklungsländern dagegen nur um fünf Prozent.

Auch innerhalb Europas sind die Unterschiede gravierend: In Rumänien etwa sei es für eine Frau mit Gebärmutterhalskrebs 16 Mal wahrscheinlicher, an der Erkrankung zu sterben, als für eine Patientin in Italien, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, als sie im Februar im EU-Parlament die Debatte um die künftige Krebspolitik der EU eröffnete. Das Ziel: Bis zum Jahr 2030 sollen in den Mitgliedstaaten mit gut ausgebautem Gesundheitssystem mindestens 75 Prozent der Patienten ihre Krebserkrankung zehn Jahre lang überleben.