Infektionsschutz Lüften in der kalten Jahreszeit: Trotz und wegen Corona!

Wir verbringen in Herbst und Winter mehr Zeit in geschlossenen, geheizten Räumen. Dadurch steigt das Infektionsrisiko - vor allem, wenn nicht richtig gelüftet wird. Experten erklären, warum der Luftaustausch jetzt besonders wichtig ist
Lüften im Winter

Auch in der kalten Jahreszeit ist richtiges, ausreichendes Lüften wichtig - gerade in Zeiten von Corona

Die Außentemperaturen fallen, und beim Durchlüften wird es schon mal richtig ungemütlich in der Wohnung. Doch richtiges Lüften, so der Berliner Virologe Christian Drosten, ist sogar wichtiger als Händewaschen - auch und gerade in der kalten Jahreszeit. Und nicht nur in Schulen und im Büro, sondern auch zu Hause.

Warum das so ist, erklärt die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) am Umweltbundesamt: Mangelnder Luftaustausch einerseits und die Trockenheit der Raumluft andererseits, so die Experten, führen dazu, dass Viren in geschlossenen Innenräumen länger herumschwirren können.

Kleine Wasserpartikel schweben länger

Ausgeatmete Wassertröpfchen – auch mit Viren an Bord – sind meist nur wenige Dutzend Mikrometer groß. Und im Freien nicht weiter gefährlich, weil sie mit dem Wind verdriftet werden. Anders sieht es in geschlossenen, geheizten Räumen aus: Denn statt zum Boden zu sinken, verdunstet ein Teil des Wassers während des Sinkflugs aus dem Wassertröpfchen, das Partikelchen wird leichter. Doch die wenig mehr als einen Zehntel Mikrometer kleinen Viren bleiben an Bord. Je leichter aber das Vehikel (bei Größen unter fünf Mikrometern spricht man von einem Aerosol), desto länger kann es schweben. Forscher konnten solche virenbeladenen Aerosole noch drei Stunden nach dem Ausatmen in der Raumluft nachweisen.

Der Rat der Experten ist darum klar: Auch im Herbst und Winter regelmäßig kräftig durchlüften! Eine Empfehlung der Bundesregierung plädiert zudem dafür, die AHA-Regel um ein L zu erweitern: „Wirksamer Infektionsschutz besteht aus Abstand, Hygiene, Alltagsmasken + Lüften.“

Gerade in Coronazeiten: Klare Empfehlung für das Querlüften

Die IRK rät zum Stoßlüften, also mit weit geöffnetem Fenster, für mindestens zehn bis fünfzehn Minuten. Bei großen Temperaturunterschieden zwischen Drinnen und Draußen können auch fünf Minuten ausreichen. Noch effektiver und schneller ist der Luftaustausch durch das so genannte Querlüften, das gleichzeitige Öffnen von zwei gegenüberliegenden Fenstern: Durch das eine strömt frische Außenluft ein, durch das andere die verbrauchte Innenluft heraus. In diesem Fall können schon wenige Minuten reichen.

Das Querlüften hat auch noch den Vorteil, dass es Heizenergie spart. Denn innerhalb weniger Minuten können die Innenwände nicht auskühlen. Befinden sich viele Personen im selben Raum, etwa bei einer Familienfeier, empfiehlt die IRK das Lüften während der kompletten Besuchsdauer.

Wer Angst hat, sich während des Lüftens einen Schnupfen zu holen, sei beruhigt. Es gibt keinerlei Hinweise, dass (vorübergehend) kühlere Luft oder Zugluft allein eine Infektion auslösen können. Dazu braucht es nun mal – Bakterien und Viren. Wer sein Immunsystem stärken will, dem raten Mediziner zu ausreichend Bewegung an der frischen Luft, gesunder, vitaminreicher Kost und regelmäßiger Entspannung.