Meine Leben im Lockdown Corona-Krise in Uruguay: „Alle müssen bei der Auswertung der Test-Ergebnisse mithelfen"

In der Serie "Mein Leben im Lockdown" telefoniert GEO mit Menschen von Alaska bis Zimbabwe: 7,752 Milliarden Weltbürger sind von Corona betroffen. Wie gehen sie damit um? Unseren Fragebogen beantwortet heute Laura Romanelli aus Uruguay. Den Bürgern des Landes wird angeraten, zu Hause zu bleiben. Über den Stadtstränden kreisen Hubschrauber
Weltbürger Uruguay

Laura Romanelli, 32, lebt mit ihrem Partner in Montevideo, Uruguay. Dort arbeitet sie als Biologin in einem Labor. Die Corona-Krise hat dort ganz besonderen Tieren das Leben gekostet

Corona-Situation in Uruguay: 02.04.2020: 350 bekannte Fälle. Am 13. März hatte die Regierung den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Schulen, Universitäten, Cafés und viele Geschäfte sind auf unbestimmte Zeit geschlossen. Den Bürgern wird angeraten, zu Hause zu bleiben. Über den Stadtstränden kreisen Hubschrauber. 

Wie beschäftigst du deine Kinder?

Ich habe keine eigenen Kinder, aber mein Partner hat einen Sohn, der bei uns wohnt. Ich helfe ihm bei den Schulaufgaben. Außerdem bietet sein Karate-Lehrer ein Online-Training an. Neulich haben wir im Wohnzimmer gemeinsam Karateübungen gemacht.

Wie informierst du dich über die aktuelle Lage?

Ich lese viel Twitter, zum Beispiel folge ich der Weltgesundheitsorganisation WHO dort. Außerdem gibt es jeden Tag eine Pressekonferenz der Regierung. Und manche Veränderungen sieht man auch im Kleinen. Die Leute hier trinken zum Beispiel viel Mate-Tee, das hat Tradition in Uruguay. Normalerweise kreist der Mate zwischen den Leuten, jeder trinkt aus dem gleichen Behälter. Als das Kreisen aufhörte, war klar, dass Corona jetzt in Uruguay angekommen ist.

Wie hat sich deine Arbeit durch das Virus verändert?

Ich arbeite normalerweise als Biologin in einem Labor. Dort forsche ich an Würmern. Es sind ganz spezielle Mutanten, die wir extra für die Forschung gezüchtet haben. Meine Ergebnisse helfen zum Beispiel, Medikamente gegen schwere Wurmerkrankungen bei Menschen zu finden. Unsere Würmer muss man regelmäßig mit Bakterien füttern, damit sie am Leben bleiben. Doch weil ich jetzt zu Hause arbeite, ist das kaum möglich. Deshalb haben wir in den ersten Tagen überlegt, Wurm-Fütterungsschichten einzuführen. Die Idee haben wir jetzt verworfen, die Würmer sind gestorben. Zum Glück haben wir aber noch einen Vorrat im Gefrierschrank.

Wie sind die uruguayischen Krankenhäuser auf Corona vorbereitet?

Ich habe gelesen, dass die staatlichen Häuser nicht gut vorbereitet sind. Außerdem hatten wir zu Beginn viel zu wenig Kits um auf das neue Coronavirus zu testen. Deshalb haben uruguayische Wissenschaftler in meinem Institut gemeinsam mit der Universität einen eigenen Test entwickelt. Alle müssen bei der Auswertung der Ergebnisse mithelfen. Ab nächster Woche werde ich auch dabei sein und mich statt mit Würmern mit menschlichen Abstrichen beschäftigen.

Was vermisst du?

Normalerweise gehen wir am Abend oft an den Stadtstrand von Montevideo, oder zum Schwimmen in unseren Sportclub. Das fehlt mir jetzt. Vielleicht fahren wir am Wochenende einfach in unser Strandhaus, außerhalb der Stadt. Bislang war das nicht möglich, weil die Mutter meines Freundes dort auch war. Sie ist schon über 70. Wir wollten sie nicht gefährden.

Was schenkt dir Hoffnung?

Die Arbeit der Wissenschaftler auf der ganzen Welt. Ich hoffe, dass sie bald ein Medikament oder eine Impfung gegen das Virus finden.

Wann hast du das letzte Mal lauthals gelacht?

Derzeit kursieren viele Videos, die zeigen, wie sich Menschen in Zeiten von Corona Zuhause beschäftigen. Neulich sah ich eines, wo ein Mann Olivenöl auf seine Fußbodenkacheln schüttete und darauf auf der Stelle lief. Ich weiß, dass wir gerade in ernsten Zeiten leben, aber das war sehr lustig.


Interview: Vivian Pasquet

+++ ALLE BEITRÄGE DER SERIE IM ÜBERLICK +++​