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Mein Leben im Lockdown Corona-Krise in Bangladesch: "Ich experimentiere, was ich mit einem Reiskocher kochen und backen kann"

In der Serie "Mein Leben im Lockdown" telefoniert GEO mit Menschen von Alaska bis Zimbabwe: 7,752 Milliarden Weltbürger sind von Corona betroffen. Wie gehen sie damit um? Unseren Fragebogen beantwortet heute Suzanne Wargo aus Bangladesch.
Corona-Krise in Bangladesch: "Ich experimentiere, was ich mit einem Reiskocher kochen und backen kann"

Die Australierin Suzanne Wargo, 38, arbeitet seit einem Jahr für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) in Bangladesch. Dort baut sie im weltweit größten Flüchtlingslager Märkte auf, um die Menschen mit frischen Produkten zu versorgen. Dabei handelt es sich vor allem um Rohingya, Angehörige einer muslimischen Minderheit aus dem Nachbarland Myanmar, die im August 2017 vor Angriffen durch das Militär geflohen sind.

Corona-Situation in Bangladesch am 26.03.2020: In Bangladesch gibt es 44 Fälle. In den Flüchtlingslagern von Cox’s Bazar sind bisher keine Fälle bekannt. Die Schulen im ganzen Land sind geschlossen, im Flüchtlingslager die Lernzentren. Am 26.3. beginnt der Lockdown: Behörden, Restaurants und viele Unternehmen sollen bis zum 4. April schließen. Nur Lebensmittelmärkte und Apotheken bleiben geöffnet. Bangladesch ist das am dichtesten besiedelte Flächenland der Welt, im Flüchtlingslager ist die Bevölkerungsdichte so groß wie in Manhattan.

Wie arbeitest du jetzt?  

Das WFP nimmt die Gesundheit seiner Mitarbeiter sehr ernst. Wer kann, arbeitet jetzt im Homeoffice. Für mich ist das mein Hotelzimmer in der Stadt Cox’s Bazar. Die Eröffnung eines von mir betreuten Marktes, auf dem Bauern aus der Region ihre Waren verkaufen können, wurde bis auf Weiteres verschoben. Die Verteilung von Lebensmitteln und ihr Verkauf in speziellen Geschäften läuft aber weiter, es werden nur weniger Flüchtlinge auf einmal eingelassen. Natürlich gilt auch für sie: Abstand halten, Händewaschen. 

Was ist die größte Herausforderung?

Viele Aktivitäten mussten wir sehr kurzfristig einstellen: Projekte für angrenzende Gemeinden, Vorbereitungen für die Monsunzeit.  

Wie sieht die gesundheitliche Versorgung aus?

Ziemlich schlecht, im Camp genauso wie im ganzen Süden von Bangladesch. Aber Regierungs- und Hilfsorganisationen arbeiten eng zusammen, um sich auf einen Corona-Ausbruch vorzubereiten. In einem lokalen Krankenhaus werden mehr Intensivbetten eingerichtet.


Wovor hast Du Angst?

Davor, dass Covid-19 ins Lager gelangt. Die Menschen dort sind ohnehin schon sehr gefährdet, das Lager ist überfüllt. Eine einzige Infektion kann dort sehr schnell sehr viele nach sich ziehen.

Was machst du, um das Virus zu vergessen?

Ich versuche, meinen Alltag zu strukturieren. Morgens mache ich Gymnastik oder Yoga, ich meditiere und stelle mir Dinge vor, die ich gerade nicht tun kann – etwa einen Spaziergang in der Natur. Ich experimentiere, was ich in meinem Hotelzimmer mit einem Reiskocher so alles kochen und backen kann. Und ich sehe nur einmal an Tag die Fernsehnachrichten, um nicht von all den Ereignissen überwältigt zu werden.

Wenn du an der Macht wärst: Was würdest du jetzt tun?  

Ich würde mich von Gesundheitsexperten beraten lassen, mit anderen Ländern zusammenarbeiten, alle Menschen gut informieren und ihnen versichern, dass diese Krise vorüber geht.

  

Wie, glaubst du, sieht die Welt nach Corona aus?  

Das Leben wird weitergehen, aber vielleicht anders. Corona trifft uns schließlich alle. Weltweit teilen wir diese Erfahrung. Das könnte uns enger zusammenbringen, für mehr Mitgefühl sorgen.

Wann hast du das letzte Mal herzhaft gelacht?

Vor ein paar Wochen, als ich zuhause in Sydney war. Ich ging mit einer Freundin spazieren, an einem Ort, den wir beide gut kennen. Aber wir waren so ins Gespräch vertieft, dass wir uns verlaufen haben.

Interview: Ines Possemeyer

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