Magen und Darm Milch gegen Sodbrennen und Cola bei Durchfall - was steckt hinter den Verdauungs-Mythen?

Manche Annahmen zum Wohlergehen von Magen und Darm erscheinen uns wie gesichertes Allgemeinwissen. Doch längst nicht alles, was auf den ersten Blick plausibel klingt, ist es auch. Drei gängige Irrtümer über die Wirkung Schnaps, Cola und Milch - und was dahintersteckt
Milch

Wer unter Sodbrennen leidet, dem wird oft ein Glas Milch angeboten. Besser wäre jedoch ein Glas Leitungswasser - oder ein Kaugummi

1. Schnaps fördert die Verdauung

Hochprozentiger Alkohol nach dem Essen kann das unangenehme Völlegefühl nach einem zu üppigen Mahl zwar reduzieren, fördert aber nicht die Verdauung – ganz im Gegenteil: Er verzögert sie sogar. Denn Alkohol wirkt nachweislich entspannend auf unsere Muskeln, auch jene in der Magenwand. Normalerweise kneten die Magenmuskeln das Gegessene nach dem Essen durch, Alkohol aber lässt sie erschlaffen. Der Nahrungsbrei liegt anschließend länger im Magen und wird langsamer in Richtung Darm befördert. Verdauungsprobleme können die Folge sein.

Einzig bestimmte Aperitifs wie Sherry oder Anisschnaps vermögen – allerdings etwa eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen – unter Umständen die Verdauung zu verbessern. Das liegt an den darin enthaltenen Bitterstoffen, die Magen, Leber und Gallenblase anregen, Verdauungssäfte auszuschütten. Noch besser lässt sich dieser Effekt aber mit einem Glas Bitter Lemon oder Grapefruitsaft erzielen – denn die sind frei von Alkohol.

2. Salzstangen und Cola helfen bei Durchfall

Bei Durchfall verliert der Körper große Mengen Wasser und Elektrolyte, darunter auch Elemente wie Kalium. Lange Zeit glaubten selbst manche Ärzte, mit Cola und Salzstangen den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust ausgleichen zu können. Inzwischen aber gilt es als wissenschaftlich gesichert, dass der hohe Zuckeranteil in der Cola die Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere sogar noch verstärkt und den Durchfall verschlimmert. Zudem regt das Koffein die Nieren zu erhöhter Kaliumausscheidung an.

Salzstangen schaden zwar nicht, liefern jedoch kaum Kalium oder andere Mineralstoffe, sondern vor allem Natrium. Empfehlenswerter sind spezielle Elektrolytlösungen aus der Apotheke. Sie enthalten Wasser, Zucker und Salze in idealer Konzentration, sodass der Körper sie gut aufnehmen kann.

Allerdings sollte man dafür das auf der Packung angegebene Mischungsverhältnis genau einhalten, weil eine zu hohe Konzentration den Durchfall sonst verstärkt.

3. Milch neutralisiert Magensäure

Wenn saurer Magensaft in der Speiseröhre aufsteigt, kann es zu einem höchst unangenehmen Gefühl kommen: Sodbrennen. Als Gegenmittel wird oft empfohlen, Milch zu trinken – weil sie angeblich die Säure neutralisiere.

Das aber ist Unsinn: Milch ist vielmehr selbst schon leicht sauer. Dass ein Schluck Milch bei akutem Sodbrennen dennoch oft lindernd wirkt, liegt schlicht daran, dass die Flüssigkeit die Speiseröhre frei von der Säure aus dem Magen spült. Noch besser lässt sich dieser Effekt allerdings mit einem Glas Leitungswasser erzielen.

Und eine Studie der University of Texas an knapp 400 Probanden legt sogar nahe, dass der Genuss von Milch das Risiko für die Entstehung von Sodbrennen erhöhen
kann – vermutlich aufgrund ihres Fettgehalts.

Als wirksames Mittel gegen Sodbrennen hat sich in Studien aber Kaugummikauen bewährt: Es regt die Produktion von Speichel an – und der wirkt im Gegensatz zu Milch tatsächlich neutralisierend.