Medikamente wie zum Beispiel Ritalin können die Hirntätigkeit stimulieren. Ihre Wirkung entfalten die meisten dieser Neuropharmaka, indem sie die Menge an Botenstoffen (etwa Dopamin und Noradrenalin) in jenen Hirnarealen erhöhen, die Aufmerksamkeit und Konzentration steuern.
Das hat zur Folge, dass dort die Nervenzellen elektrische Signale effizienter austauschen, und ist ein Grund dafür, weshalb viele Studenten vor Prüfungen solche Arzneien schlucken – in der Hoffnung, einen Schuss Intelligenz und Kreativität zu bekommen. Der Effekt wird nach Meinung der meisten Experten jedoch weit überschätzt.
Ritalin kann negative Auswirkungen haben
Zwar könnten einige Substanzen vorübergehend vor Müdigkeit schützen oder die Aufmerksamkeit steigern. Doch bisher vermochte kaum eine wissenschaftlich fundierte Studie nachzuweisen, dass die Mittel zu einem höheren IQ oder gar zu kreativeren Gedanken verhelfen.
Im Gegenteil: Kognitionsforscher fanden heraus, dass der Konsum von Ritalin mitunter sogar negative Auswirkungen auf das geistige Leistungsvermögen hat – zu Selbstüberschätzung, Impulsivität und Fahrigkeit führt. So schnitten in einer Studie Studenten bei Leistungstests schlechter ab als eine Vergleichsgruppe.
Kaffee ähnlich anregend wie manche Wunderpille
Zudem wissen die Forscher noch nicht, welche langfristigen Auswirkungen die Präparate auf das Gehirn haben. Einige Substanzen stehen jedenfalls unter dem Verdacht, süchtig zu machen oder sogar manische Zustände und Psychosen auszulösen.
Menschen, die ihr geistiges Potenzial im Alltag voll entfalten wollen, sollten sich besser an bewährte Stimulanzien halten: Einige Tassen Kaffee wirken ähnlich anregend wie manche vermeintliche Wunderpille.
Allerdings ist die wohl beste Methode, das Gehirn fit zu halten, eine ganz natürliche, so der Rat vieler Experten: Man sollte ihm stets genug Schlaf gönnen.
Dieser Beitrag stammt aus der Serie „7 Fragen zum Gehirn“ erschienen in GEOkompakt Nr. 59: Das Wunder Mensch.