Allergiesaison Warum die Leidenszeit für Allergiker immer heftiger wird

Mit steigenden Temperaturen im Klimawandel steigt auch die Pollenbelastung. Heuschnupfen-Geplagte müssen sich auf immer mehr Leidenstage im Jahr einstellen - und auf heftigere Symptome
Allergiesaison

Schlechte Nachrichten für Heuschnupfen-Geplagte: Nicht nur die Pollen-Konzentration und die Zahl der Pollenflug-Tage nehmen zu – sondern auch deren Aggressivität

Der Meeresspiegel steigt, Dürren und Stürme treten häufiger auf. Weniger bekannt ist eine andere Folge des Klimawandels: Der Temperaturanstieg in der Erdatmosphäre wird Allergikern zu schaffen machen. Forscher haben jetzt die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, nach der die Pollensaison immer länger wird – und mit immer mehr Pollen aufwartet.

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten von Pollenmessstationen in 17 Städten der Nordhalbkugel aus, verteilt auf Europa, Nordamerika und Asien. Das Ergebnis: An 12 der 17 Stationen zeigte sich über die Jahre eine deutliche Zunahme der Pollenmenge. Und an elf Stationen hatte sich die Pollensaison verlängert – durchschnittlich um etwa einen Tag.

Weniger Frost, mehr Pollen

Der Grund dafür zeigte sich bei einem Blick auf die Wetterdaten. Denn offensichtlich gibt es eine Korrelation zwischen frostfreien Tagen und Pollenflug: Je höher die Durchschnittstemperaturen, desto mehr frostfreie Tage im Jahr, desto mehr umherfliegenden Pollen.

Schon 2016 hatten amerikanische Forscher seit 1995 eine Zunahme der jährlichen Pollenflugtage bei Ambrosia um bis zu 25 Tage registriert.

Der Zusammenhang zwischen Temperaturanstieg und Pollenflug, so folgern die Forscher, wird bei global weiter steigenden Temperaturen noch deutlicher spürbar werden.

Auch in Deutschland beobachten Forscher eine Zunahme der Pollen-Belastung. So sorgten ein trockenes Frühjahr, hohe Temperaturen und viel Sonne schon im Februar dieses Jahres für einen Pollen-Rekord: In Berlin registrierten Experten die höchste Konzentration von Erlen-Pollen seit 34 Jahren.

Pollen-Eiweiße werden aggressiver

Eine weitere schlechte Nachricht für Heuschnupfen-Geplagte: Nicht nur die Pollen-Konzentration und die Zahl der Pollenflug-Tage nehmen zu – sondern auch deren Aggressivität.

Die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann von der Universität Augsburg geht davon aus, dass sich durch veränderte Umweltbedingungen auch die Zusammensetzung der Pollen verändert. So sollen etwa erhöhte CO2- und Ozonwerte und Trockenheit dafür verantwortlich sein, dass Pollen mehr allergieauslösende Eiweiße enthalten.

Heuschnupfen ist die häufigste Allergie

Fast 15 Prozent der Deutschen leiden an Heuschnupfen, oft mit grippeähnlichen Symptomen wie Gliederschmerzen, Husten und Bindehautentzündung. Ihr Immunsystem ist alarmiert von den eigentlich harmlosen Eiweißen der Pollen – und reagiert mit teils heftigen körperlichen Symptomen. Besonders oft leiden Allergiker unter den Pollen von Birken und verschiedenen Gräsern.