Body Positivity Über den Weg zu mehr Selbstakzeptanz

Der Bauch ist zu dick, die Beine nicht trainiert und die Dehnungsfalten wollen nicht verschwinden: Nicht zuletzt Plattformen wie Instagram fördern, dass wir uns heute mehr denn je mit unserem Körperbild und den Körpern anderer auseinandersetzen. Ivy Haase vom NEON-Podcast „Bin ich schön?“ über das Thema Body Positivity und den Weg zu mehr Selbstakzeptanz
Ivy Haase vom Podcast "Bin ich schön?"

Für Ivy Haase vom Podcast "Bin ich schön?" ist Instagram der ausschlaggebener Grund für das Zweifeln am eigenen Körper.

GEO.de: Ivy, fällt es deiner Generation schwerer als den Generationen vorher, sich selbst zu lieben?

Auf jeden Fall. Schönheitsideale gibt es natürlich schon immer, aber wir sind heutzutage mit einem komplett vereinheitlichten Bild von Frauen konfrontiert, dass oft nicht der Realität entspricht.

Woran liegt das?

Die sozialen Medien üben einen großen Druck auf unsere Generation aus. Gerade auf Instagram zeigen sich die meisten Leute von ihrer Schokoladenseite. Wir sind es so stark gewohnt, dass Bilder bearbeitet werden, Filter benutzt werden, die die Haut schöner machen, dass wir kaum mehr realistische Frauenbilder zu sehen bekommen. Gerade unsere Generation muss sich bewusst machen, dass wir uns in den sozialen Medien in einer Scheinwelt befinden, die es schwieriger macht, sich selbst zu akzeptieren wie man ist. Nicht-dünnen Menschen wird häufig unterstellt, dass sie ungesund und faul sind, nur weil sie ein paar Gramm mehr auf den Hüften haben. Aber selbst wenn eine Person ungesund und faul ist, heißt das noch lange nicht, dass sie sich nicht selbst lieben darf.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Podcast zum Thema Body Positivity zu machen?

Als Teenie habe ich mich immer zu dick gefühlt, ich wurde wegen meiner roten Haare gehänselt und habe schon mit 12 Jahren angefangen, sie mir zu färben. Wenn man als Jugendlicher anders ist, wird man halt ausgegrenzt und zweifelt natürlich sehr an sich selbst. Den Auslöser hat dann aber meine Freundin Maribel gegeben, die auch in der ersten Folge mit dabei ist. Maribel hat im Freundeskreis ständig ihren Körper kritisiert. Ich und eine weitere Freundin haben uns große Sorgen gemacht und wussten nicht, wie wir mit dem selbstdestruktiven Verhalten umgehen sollen. Sollen wir ihr zustimmen, uns ablehnend verhalten, unsere Sorgen äußern oder einfach nur lachen, wenn sie wieder etwas an sich auszusetzen hat? Einen großen Aha-Moment hatte ich, als ich von Body-Acceptance-Coach Kristina Bruce diesen einen Satz gehört habe: „Was fühlst du, wenn du sagst du fühlst dich fett? Fett ist kein Gefühl." Oft sind es viel tiefliegender Gründe, die dazu führen, dass wir uns nicht wohl in unserer Haut fühlen. Deshalb empfinde ich es als wichtig, darüber zu reden und der Sache auf den Grund zu gehen.

Was würdest Du deinem jüngeren Ich raten?

Entspann Dich. Es geht um Dich und um niemanden sonst. Wenn ich mir jetzt Fotos von früher anschaue, denke ich: So schlimm sehe ich darauf doch gar nicht aus. Jetzt, einige Jahre später, mit so viel Gewicht wie nie, fühle ich mich besser denn je. Weil ich aufgehört habe, mich ständig selbst zu kritisieren. Ich mache mir weniger Gedanken über mein Aussehen und genau das will ich auch mit dem Podcast erreichen. Jeder hat einen anderen Körper und ein anderes Wohlfühlgewicht. Ich habe durch den Podcast gelernt, selbstbewusster mit meinem Körper umzugehen und ein gesunderes Verhältnis zu meinem Aussehen zu entwickeln. Wenn man sich häufiger anschaut und sich mehr mit dem eigenen Körper auseinandersetzt, lernt man vermeintliche Fehler lieben.

Die ersten beiden Folgen sind bereits zu hören. Hast du schönes und weniger schönes Feedback bekommen?

Bisher habe ich fast nur positives Feedback bekommen. Viele Fremde haben mir sehr nette Nachrichten geschrieben, sowohl Frauen als auch Männer. Als Kritik kam auf, ob es nicht feministischer wäre, gar nicht erst über das Thema zu sprechen, damit es zur Normalität wird. Ich glaube aber, dass man laut werden muss und sich durch den Diskurs erst das Bild von Normalität entwickeln kann. Ich freue mich sehr über Anregungen und Kritik. Wenn am Schluss nur eine Frau den Podcast hört und sich danach so akzeptiert, wie sie ist, bin ich glücklich.

In insgesamt zehn Folgen beleuchtet Ivy Haase im NEON-Podcast "Bin ich schön?" mit diversen Gästen Fragen rund um die Themen Body Positivity und Selbstliebe. Alle Folgen und Videos gibt es hier.

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