Smog Macht Luftverschmutzung nicht nur krank, sondern auch dumm?

Luftverschmutzung wird mit Lungenerkrankungen, Krebs und Schlaganfällen in Verbindung gebracht. Eine Studie zeigt nun einen Zusammenhang zwischen dem Grad der Luftverschmutzung und der Denkfähigkeit
Smog Shanghai

Dunstglocke: Giftiger Smog verschluckt die Wolkenkratzer Shanghais

Schadet Luftverschmutzung unseren geistigen Fähigkeiten? Eine Studie aus China deutet darauf hin. Ihr zufolge wirkt sie negativ sowohl auf sprachliche als auch auf mathematische Fähigkeiten. Gemeinhin wird verschmutzte Luft in Zusammenhang mit chronischen Lungenerkrankungen, Schlaganfällen und Krebs gebracht. Aber auch das Gehirn kann dauerhaft geschädigt werden: Die weiße Hirnmasse schrumpft, was das Risiko erhöht, an Demenz zu erkranken. 

Während dies oft erst nach Jahren sichtbar wird, konnten Wissenschaftler aus China und den USA nun einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Grad der Luftverschmutzung und der Denkfähigkeit herstellen. Sie analysierten die Ergebnisse der „China Family Panel Studies“, die zwischen 2010 und 2015 in 25 Regionen Chinas die sprachlichen und mathematischen Fähigkeiten von rund 20000 Menschen erhoben. Diese Daten verglichen die Wissenschaftler mit den Statistiken der Luftverschmutzung.

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Die Forscher konnten die Prüfungsergebnisse nicht nur geografisch mit dem lokalen Grad der Luftverschmutzung abgleichen, sondern auch zeit­spezifisch: An Testtagen mit mangelhafter Luftqualität, die als gefährlich eingestuft wird, schnitten die Teilnehmer schlechter ab als bei gemäßigten Schadstoffwerten. Besonders deutlich sei der Effekt bei Männern über 60 zu beobachten. Insgesamt zeigte sich: Je länger Menschen verunreinigte Luft einatmen mussten, desto größer war der Schaden für ihre Intelligenz.

Die Autoren der Studie gehen nicht nur von einer statistischen Korrelation aus; sie sind sich sicher, dass Feinstaub, Stick- und Schwefeloxide Menschen dümmer machen. Die Ergebnisse aus China sind auch für Europa ­relevant: 74 Prozent der städtischen Bevölkerung sind Feinstaubkonzentra­tionen ausgesetzt, die die Leitlinien der WHO überschreiten, bei bodennahem Ozon sind es sogar 98 Prozent. Weltweit atmen 630 Millionen Kinder unter fünf Jahren Luft mit „giftigen Feinstaubkonzentrationen“ ein.

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