Psychische Erkrankungen Depressionen – die wichtigsten Fragen in Kürze erklärt

Wie erkennt man eine Depression? Wie verbreitet ist die Krankheit? Was können Betroffene tun? Die wichtigsten Fragen in Kürze
Depression

„Traurig ist doch jeder mal!“, heißt es oft, wenn Menschen von ihrer Niedergeschlagenheit berichten. Dann sind schnell gut gemeinte Ratschläge zur Hand, wie etwa „Du musst auch mal das Positive im Leben sehen!“ oder „Anderen geht’s doch viel schlechter!“. Was viele nicht wissen: Eine Depression ist keine vorübergehende Laune – sondern eine ernstzunehmende Krankheit, die – genau wie eine körperliche Erkrankung – behandelt werden muss. Denn schwere Depressionen rauben den Betroffenen nicht nur die Lebensfreude und den Lebensmut. Sie führen oft genug in den Selbstmord.

Wie verbreitet sind Depressionen?

Eine Depression kann verschiedene Auslöser haben; bei manchen ist es ein traumatisches Erlebnis wie der Verlust eines geliebten Menschen, bei anderen Stress im Job. Hinzu kommt die Veranlagung. So haben Kinder erkrankter Eltern ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko, ebenfalls zu erkranken.

So unterschiedlich die Auslöser sein können - das Empfinden depressiver Menschen ist oft ähnlich: Das Essen schmeckt fade, Regentage sind noch trüber als sonst, in der Magengegend breitet sich ein drückendes Gefühl aus. Die Betroffenen verlieren das Interesse an Dingen, die ihnen sonst wichtig waren, leiden unter Schlaflosigkeit und Angstzuständen. Die Seele verfinstert sich, das Leben wird zur Last. Hält so ein Zustand länger als zwei Wochen an, spricht man von einer Depression.

Dieser Zustand ist so tiefgreifend, dass er sogar das Gehirn verändert. So kann die Masse des Hippocampus, eines Hirnareals, bei Depressiven um bis zu 20 Prozent abnehmen.

Ärzte unterscheiden zwischen einer leichten, einer mittelgradigen und einer schweren Depression. Bei der leichten Form zeigen sich nur wenige der Symptome – und die auch nur so schwer, dass Betroffene ihren Alltag noch weitgehend meistern können. Menschen mit einer mittelgradigen Depression können alltägliche Aktivitäten wie arbeiten, Sport treiben, Freunde treffen, nur unter großen Schwierigkeiten aufrechterhalten. Wer dagegen schwer erkrankt ist, verliert oft auch noch jedes Selbstwertgefühl. Selbstmordgedanken sind nicht selten.

Der Verlauf der Krankheit ist individuell sehr verschieden. Manche Betroffene überfällt sie von einem Tag auf den anderen. Sie fühlen sich in ein tiefes, schwarzes Loch gestürzt. Bei anderen tritt sie schleichend auf.

Wer sollte zum Arzt?

Nicht jeder, der nach einem schlimmen Ereignis länger traurig ist, etwa nach dem Verlust eines geliebten Menschen, ist auch krank. Doch wenn der Zustand der tiefen Traurigkeit, der Interesselosigkeit und des Energieverlusts länger als zwei Wochen anhält und dazu führt, dass Betroffene ihren Alltag nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr meistern können, sollten sie sich Hilfe suchen. Vor allem dann, wenn sie das Gefühl haben, aus eigener Kraft nicht mehr aus dem seelischen Tief herauszukommen. Je eher sie diesen Schritt tun, desto besser. Denn frühzeitig erkannte Depressionen lassen sich oft gut behandeln und verkürzen. Auch spätere „Rückfälle“ verlaufen dann kürzer und weniger belastend.

Was hilft gegen Depressionen?

Wichtig ist in jedem Fall, dass Betroffene sich ihre Hilfsbedürftigkeit eingestehen und den ersten Schritt wagen. Das kann das persönliche Gespräch mit dem Partner oder einem nahestehenden Menschen sein. Denn eine Depression muss behandelt werden. In jedem Fall sollten Betroffene sich auch ihrem Hausarzt oder einem Psychologen anvertrauen.

Die Deutsche Depressionshilfe listet zahlreiche Hilfs– und Informationsangebote auf – vom Sozialpsychiatrischen Dienst bis zu Info-Telefonen und Selbsthilfegruppen. Wer sogar schon Selbstmordgedanken hegt, ist ein Notfall – und darf nicht zögern, sich unmittelbar an die nächste psychiatrische Klinik zu wenden oder einfach 112 zu wählen.

Was in jedem Fall hilft – und nichts kostet, außer etwas Überwindung – ist regelmäßige Bewegung. Wer mehrmals in der Woche Sport treibt, am besten zusammen mit anderen, oder einfach nur spazieren geht, kann die Symptome einer Depression deutlich lindern – ganz ohne Nebenwirkungen. Oft allerdings werden zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein.

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Gut erprobt: Psychotherapien

Da Depression eine Krankheit ist, die sich sowohl auf der psychischen Ebene als auch auf der neurobiologischen Ebene zeigt, kann sie auch von zwei Seiten therapeutisch angegangen werden – nämlich mit einer Psychotherapie und mit Medikamenten.

Psychotherapeutische Verfahren wie Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische Behandlung haben den Vorteil, dass sie das Leiden nachhaltig verringern können. Unterstützend können auch Kreativtherapien wie Kunst- und Tanztherapie sowie Ergo- und Sporttherapie sinnvoll sein. Doch leider gibt es nicht den einen Weg zur Heilung. Welche Therapieformen angeboten werden und wie man einen Therapeuten findet, mit dem man arbeiten möchte, darüber informiert die Bundespsychotherapeutenkammer in ihrem Ratgeber „Wege zur Psychotherapie“.

Antidepressiva können Therapien unterstützen

Früher wurden depressive Menschen oft mit Beruhigungsmitteln „behandelt“. Oder besser gesagt: ruhiggestellt – oft um den Preis der Abhängigkeit. Moderne Antidepressiva dagegen haben zwar Nebenwirkungen, verändern aber weder die Persönlichkeit noch machen sie abhängig. Bei mittelgradigen und schweren Depressionen werden sie oft verschrieben, um Psychotherapien zu unterstützen. Gerade bei schweren Depressionen müssen oft als erstes Antidepressiva eingesetzt werden, um Betroffene überhaupt in die Lage zu versetzen, von einer Psychotherapie zu profitieren.

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Was können Angehörige von Menschen mit Depressionen tun?

Auch für Angehörige ist die Krankheit eines Familienmitglieds oder Partners eine Herausforderung und eine Belastung. Sie sollten sich aber bewusst machen, dass eine Depression eine vorübergehende – und heilbare – Krankheit ist. Seien Sie nachsichtig und versuchen Sie nicht, Erkrankten die objektive Grundlosigkeit ihres Leidens zu erklären.

Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, finden oft nicht die Kraft, zum Arzt zu gehen. Hier können Angehörige ermuntern und unterstützen.

Wichtig ist aber, dass Angehörige trotz der oft belastenden Situation weiter gut für sich selbst sorgen. Denn nur wer gesund ist, kann auch gut unterstützen. Überfordern Sie sich nicht und suchen Sie den Kontakt zu anderen Menschen in einer ähnlichen Situation: Auch für Angehörige gibt es Selbsthilfegruppen.

Besonders herausfordernd ist natürlich der Umgang mit Selbstmordgedanken – vor allem, wenn es sich um einen geliebten Menschen handelt. Auch dazu hält die Deutsche Depressionshilfe fundierte Ratschläge bereit.