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Verlängertes Wochenende Ein Reiseführer zum Hören und Appetit bekommen

Die drei gastronomischen Tausendsassas und Podcasts-Hosts: Matten Kersten, Olaf Deharde und Fabio Haebel
Die drei gastronomischen Tausendsassas und Podcasts-Hosts: Matten Kersten, Olaf Deharde und Fabio Haebel
© Jonas Holthaus
Ein Gespräch übers Reisen, verdorbene Mägen, die strukturierte Suche nach guten Tipps und über den GEO-Saison-Podcast "Verlängertes Wochenende" mit drei gastronomischen Tausendsassas als Hosts.

Die Hosts vom GEO-Saison-Podcast "Verlängertes Wochenende" Matten Kersten, Olaf Deharde und Fabio Haebel verbindet neben einer langjährigen Freundschaft ihre Begeisterung für kulinarische Hotspots sowie das feine Gespür für die besonderen Momente im Leben. Wir haben mit ihnen übers Reisen, ungenießbare Spezialitäten und das Geheimnis ihrer kulinarischen Tipps gesprochen:

GEO: Warum passen Reisen und Essen so sensationell zusammen?

Olaf: Es gibt keinen simpleren Weg, in eine Kultur einzutauchen. Essen verbindet… Egal wo! 

Fabio: Der Faktor Zeit ist entscheidend. In unserem Alltag finden wir oft nicht die Zeit, genüsslich essen zu gehen. Sind wir dann unterwegs, holen wir eine Menge nach, was uns im Alltag flöten gegangen ist.

Matten: Das ist einfach eine ganz tolle Kombi, um Momente intensiver zu erleben. Fisch schmeckt am Meer besser. Und ein Raki in Istanbul begleitend zum Schafskäse knackt Deine Synapsen ganz anders auf als im heimischen Esszimmer.

Was macht Eure Tipps aus?

Fabio: Sie sind brandaktuell, oft noch nicht anderswo zu finden und abseits der üblichen Routen.

Matten: Zwei Punkte: Orientierung und Genuss! Ich finde es immer sehr unangenehm, in eine Stadt zu kommen und von deren Möglichkeiten erschlagen zu werden. Wir lassen vorab schonmal eintauchen. Der kulinarische Reinfall wird so quasi vom Reiseprogramm gestrichen.  

Olaf: Unsere Tipps kommen straight aus unseren Herzen beziehungsweise Bäuchen. Das, was wir empfehlen, haben wir nicht irgendwo mal gehört oder gelesen. Wir waren vor Ort und wissen, worüber wir sprechen. 

Wie findet Ihr das ultimativ beste Fischbrötchen, die besten Köfte, den besten Italiener?

Fabio: Mit der Zeit entwickelt man dafür Antennen, folgt den richtigen Leuten über die sozialen Netzwerke oder wird von Freunden zu den versteckten Juwelen geführt.

Olaf: Die Läden finden mich. Da sind irgendwelche unerklärlichen magnetischen Schwingungen verantwortlich. Dazu kommen Erfahrung und natürlich ein gutes und hungriges Netzwerk.

Matten: Gaaaanz viel Leidenschaft für tolle Spots. Ich habe bei Google Maps weltweit Tausende Pins gesetzt. Da fließt bei meinen Urlaubsplanungen viel Zeit rein.

Warum packt Ihr sie in einen Tagesablauf? Freitag bis Sonntag?

Matten: Da sind wir wieder beim Thema Orientierung. Wir finden es smart, einen kleinen Rahmen vorzugeben: einen entspannten Fr-So-Plan.

Olaf: Wir wollen nicht einfach ein paar Tipps runterrattern, sondern mit unseren Zuhörer:innen ein verlängertes Wochenende verbringen. Denn wir sind mehr als nur eine Restaurant-Empfehlungs-Maschine. Wir tauchen ein in eine Stadt und geben dieses Gefühl auch wieder.

Fabio: Ein gute Struktur ist im Urlaub wichtig. Unsere Touren funktionieren. Nichts ist dämlicher, als Zeit zu vertändeln, weil man so schlecht von Tipp A nach B kommt. 

Habt Ihr Euch da tatsächlich überall durchgegessen?

Olaf: Thats the Deal… Wir empfehlen nix, wo nicht mindestens einer von uns war!

Fabio: Ja, einer von uns war immer in den Läden.

Matten: In der Tat. Mindestens einer hat’s getestet. Faule Eier findet man im Verlängerten Wochenende nicht.

Schon mal den Magen verdorben?

Olaf: Muschel-Vergiftung! Ich kann Euch sagen… Da macht alles auf! Ich bin seit 2008 mit all meinen Poren »per Du«. 

Fabio: Nein, bisher noch nicht.

Matten: Ich dachte in Dublin. Freitag zum Start gab es tolle Austern, ab Samstag war ich dann komplett out of order. Das verlängerte Wochenende samt Guinness Brewery Tour war dahin. War aber dann nur ein Infekt. Austern liebe ich nach wie vor.

Bei welcher Spezialität seid Ihr raus?

Fabio: Bei geschützten Tierarten.

Matten: Bei mir ist Kugelfisch raus. Der muss korrekt zubereitet werden, sonst kann das tödlich enden. Diesen Nervenkitzel brauche ich nicht. Ansonsten probiere ich eigentlich alles, quasi als Horizonterweiterung.

Olaf: Ich war mal bei den San in Namibia, die sind ziemlich gute Jäger und haben für uns einen »Springhasen« gefangen. Dieser hing dann den ganzen Tag unausgenommen und bei starker Hitze an einem Baum. Abends kam das Tier dann einfach in die Glut. Mit Haaren, Innereien und vollem Darm. Da war ich raus. Ansonsten habe ich schon viel Stranges gegessen. Das meiste davon auf Island.

Letzte Runde: Das Beste, das Ihr auf Reisen je zwischen die Zähne bekommen habt?

Fabio: Rotbarsch mit Kokosmilch von »Okala« in einer Palmblatt-Hütte am Strand von Sansibar.

Matten: Im Südafrikanischen Stellenbosch hat uns der Kellner eine auf den ersten Blick normale Kerze auf den Tisch gestellt. Das geschmolzene Wachs der Kerze war dann der Aufstrich für ein erstes Geschmackserlebnis, Schmalzbrot 2.0 quasi. Und so ging der Abend im »Eike« von Bertus Basson auch weiter.

Olaf: Bei den sensationell frischen Jakobsmuscheln von Ezequiel Hernández im »Campobaja« in Mexiko-City kamen mir fast die Tränen. Keine Zitrone, kein Schäumchen. So liebe ich das: Seafood ohne Chichi. Ich komme von der Nordsee, und da ist dieser Geschmack einfach einprogrammiert. 


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