Älteste Felsmalerei Australiens Dieses Känguru wurde vor 17.000 Jahren gezeichnet

Schon vor Jahrtausenden malten die indigenen Bewohner Australiens Tiere, Menschen oder geometrische Figuren auf den Fels. Die genaue Altersbestimmung der Kunstwerke ist nicht immer einfach - aber wichtig, um die Lebensumstände der Menschen verstehen zu können.
Australiens älteste Felsmalerei zeigt ein Känguru

Etwa 17.300 Jahre alt ist diese Felsmalerei eines Kängurus

Australiens älteste, sicher datierte Felsmalerei wurde vor etwa 17.300 Jahren geschaffen und zeigt eines der für den Kontinent charakteristischen Tiere: ein Känguru. Das gesamte Bild hat eine Länge von rund zwei Metern - in etwa die Lebensgröße einer größeren Känguru-Art.  

Zur Altersbestimmung nutzten die Wissenschaftler um Damien Finch von der University of Melbourne (Australien) Wespennester, die auf oder unter der Malerei am Fels kleben. Die Forscher stellen ihre Untersuchung im Fachmagazin Nature Human Behaviour vor.

Die Altersbestimmung von Felskunstwerken ist nicht einfach, wenn dafür nötige organische Materialien nicht erhalten sind oder andere Relikte, etwa Werkzeuge, aus der gleichen Zeit fehlen. Wissenschaftler behelfen sich dann oft damit, verschiedene Malerei-Stile zeitlich voneinander abzugrenzen oder die Erhaltungsqualität des Kunstwerks als Maß für das Alter zu nehmen.

Nester von Schlammwespen zur Hilfe der Altersbestimmung

Das Team um Finch wählte nun einen anderen Weg: Die Forscher nutzten Nester von Schlammwespen, die entweder von den Malereien überdeckt oder darauf gebaut wurden, als Altersbestimmungshilfen. Denn das organische Material der Nester konnten sie mit Hilfe der Radiokarbonmethode datieren. Insgesamt untersuchten sie 75 Schlammwespen-Nester in der Umgebung von 16 Felsenbildern in Westaustralien, in der Region Kimberley.  

Die dortige Felskunst zeigt etliche Tiermotive, darunter viele, die in der stilistisch ältesten Technik gemalt wurden. Diese zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Körper der dargestellten Tiere mit einzelnen Strichen, Kopf, Schwanz oder Gliedmaßen hingegen fast vollständig gefüllt werden. Der Studie zufolge hatten die untersuchten Felsbilder ein Alter zwischen rund 13.000 und 17.000 Jahren.

Australiens älteste Felsmalerei zeigt ein Känguru

Diese seltene Darstellung einer menschlichen Figur aus der australischen Region Kimberley konnte auf Grund eines Wespennestes oberhalb der Finger (links) von den Forschern auf ein Alter von über 9.000 Jahren datiert werden

Die Känguru-Malerei ließ sich am genauesten datieren, weil sie drei Wespennester teils überdeckte und wiederum drei Nester darauf gebaut wurden. Die Forscher ermittelten ein Alter zwischen 17.100 und 17.500 Jahren, am wahrscheinlichsten 17.300 Jahre. Es sei damit das älteste in Australien radiometrisch datierte Felsbild, schreiben die Forscher.  

"Dies ist ein bedeutender Fund, da wir durch diese ersten Schätzungen etwas von der Welt verstehen können, in der diese alten Künstler lebten", erklärte Finch. "Wir werden nie wissen, was der Künstler dachte, als er oder sie dieses Werk vor mehr als 600 Generationen malte, aber wir wissen, dass die naturalistische Periode bis in die letzte Eiszeit zurückreicht, so dass die Umgebung kühler und trockener war als heute."

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Sven Ouzman von der University of Western Australia ergänzt: "Das ikonische Känguru-Bild ähnelt visuell Felsmalereien von Inseln in Südostasien, die vor mehr als 40.000 Jahren entstanden sind, was auf eine kulturelle Verbindung hindeutet - und auf eine noch ältere Felsenkunst in Australien hinweist".  

Grundsätzliche erlaube es eine genaue Altersbestimmung der Kunstwerke, die dargestellten Motive mit der Umwelt in Verbindung zu bringen, etwa Klimaveränderungen. Vor 14.000 bis vor 13.000 Jahren etwa habe sich das Klima in der Region verbessert, nennen die Forscher ein Beispiel. Einige Zeit danach sei auch ein Wechsel im Malerei-Stil festzustellen - statt Tiere seien vermehrt Menschen dargestellt worden. Das weise möglicherweise auf soziale und kulturelle Veränderungen hin, die mit den klimatischen womöglich einhergegangen sind, ein Bevölkerungswachstum zum Beispiel.

Anja Garms, dpa