Video-Model Wie tektonische Platten unsere Erde geformt haben - erklärt in 40 Sekunden

Geophysiker der Universität Sydney haben riesige Datensätze ausgewertet und zusammengeführt: Ihre Animation zeigt eine Milliarde Jahre Erdgeschichte, in der Landmassen über dem Weltmeer zu tanzen scheinen - um am Ende fünf Kontinente zu formen
Erde Globus

Nur weil der Blaue Planet ständig der Veränderung unterliegt, sich seine Platten immerfort bewegen, konnte er zur Heimat für komplexe Lebewesen werden. Die Abbildung zeigt die Erde aus dem Weltall - Mitarbeiter der NASA setzten hierfür viele Fotografien zusammen, die 2011 vom Satelliten Suomi NPP aus geschossen wurden

Aus dem Blickwinkel eines Menschenlebens ist die Erde eine unerschütterliche Konstante. Zwar lebt auf ihr die Veränderung, es entstehen Fluten oder Stürme, wachsen und sterben Pflanzen - die großen Landmassen selbst bleiben jedoch unverrückbar an ihrem Fleck.

Selten, wenn die Erde bebt zum Beispiel, wird uns bewusst, dass wir unser Dasein auf tektonischen Platten fristen, die sich bewegen. So entfernen sich zum Beispiel die europäische und nordamerikanische Platte jedes Jahr um rund drei bis vier Zentimeter voneinander.

Betrachtet man die Erde nun über einen Zeitraum, der ihr angemessen ist, ergibt sich ein ganz anderes, faszinierendes Bild. Große Landmassen schieben sich über die Erdoberfläche, reiben aneinander, verbinden sich, trennen sich, erfinden den Blauen Planeten wieder und wieder neu. Die Antarktis befand sich einst dort, wo wir heute den Äquator verorten. Noch vor rund 500 Millionen Jahren war die Nordhalbkugel ein riesiger Ozean.

Wissenschaftler pressen eine Milliarde Jahre Erdgeschichte in 40 Sekunden

Ein internationales Team aus Geophysikern hat diesen Prozess - zumindest für die vergangene Milliarde Jahre - umfassend rekonstruiert. Über vier Jahre lang hat die Arbeitsgruppe um Dr. Andrew Merdith Daten aus aller Welt gesammelt und sie in ein zusammenhängendes Model gespeist, erschienen ist die Arbeit im Fachmagazin Earth-Science Reviews.

Die komplexen Zusammenhänge der Analyse sind für diejenigen Erdbewohner, die sich nicht permanent um die Plattenbewegungen unter ihnen scheren, nur schwer zu begreifen. Sehr viel anschaulicher ist da die Animation, die aus den Datensätzen der Wissenschaftler entstanden ist und eine Milliarde Jahre Erdgeschichte in 40 Sekunden anschaulich zusammenfasst.

Dass Leben auf unserer Erde existieren kann, sei nur möglich, weil geologische Prozesse wie die der Plattentektonik ein lebensbejahendes System erschaffen, sagt Prof. Dr. Dietmar Müller, Co-Autor und akademischer Leiter der geowissenschaftlichen Forschungsgruppe Earthbyte. „Vereinfacht gesagt hat unser Team ein Model geschaffen, das erklärt, wie unser Planet der Lebensraum für komplexes Leben werde konnte. Ein solches Leben würde es ohne die Plattentektonik nicht geben.“