Mein Leben im Lockdown Corona-Krise in Japan: "Atemschutzmasken sind nur in den ersten drei Stunden nach Geschäftsöffnung zu kaufen"

In der Serie "Mein Leben im Lockdown" telefoniert GEO mit Menschen von Alaska bis Zimbabwe: 7,752 Milliarden Weltbürger sind von Corona betroffen. Wie gehen sie damit um? Unseren Fragebogen beantwortet heute der Physiker Jan-Erik Wichmann aus Japan. Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle ist noch relativ gering. Die Regierung hatte bereits Ende Februar Schulen geschlossen.
Jan-Erik Wichman aus Japan

Jan-Erik Wichmann, 29, Physiker, ist Doktorand an der Tohoku Universität im japanischen Sendai. Er lebt mit seiner vietnamesischen Frau und seiner vier Monate alten Tochter seit 2018 gut 300 km nördlich von Tokio.

Corona-Situation am 26.03.2020 in Japan: Die Zahl der bestätigten Corona-Infizierten ist mit 1307 Fällen erstaunlich niedrig. Die Schulen hatte die japanische Regierung bereits Ende Februar geschlossen. Großveranstaltungen und Sportwettkämpfe sind abgesagt, Restaurants aber nach wie vor geöffnet. Um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen, erklärte die Regierung zunächst die Visa von Südkoreanern und Chinesen, und inzwischen auch die von Reisenden aus dem Schengenraum für ungültig. Der Gouverneur von Tokio forderte die Hauptstädter auf, kommendes Wochenende möglichst nicht das Haus zu verlassen, nachdem sich die Fallzahlen innerhalb von zwei Tagen verdoppelt hatten.

Herrscht in Japan eine ähnliche Krisenstimmung wie bei uns? 

Nein, das reguläre tägliche Leben im kleinen Rahmen findet noch statt. Großveranstaltungen wurden abgesagt und auch Kirschblütenfeiern, zu denen in den nächsten Wochen viele Menschen zusammengekommen wären. In den Läden sind die Regale normal gefüllt. Allein Atemschutzmasken sind nur in den ersten drei Stunden nach Geschäftsöffnung zu kaufen. Viele Menschen machen sich aber mehr Gedanken um die Olympischen Spiele. Es gibt immer noch einige, die sich nicht damit abfinden können, dass das nichts mehr wird. 

Bist Du in Deiner Arbeit eingeschränkt durch die Pandemie? 

Ich gehe wie immer ins Institut. Die Studenten haben derzeit Semesterferien. Die Vorlesungen sollten am 6. April wieder beginnen, aber das ist auf den 20. April verschoben worden. Auf Konferenzen hat sich das Corona-Virus ausgewirkt. Bei Tagungen, die wir hier hatten, haben einige Teilnehmer abgesagt. Ansonsten erleben wir keine Einschränkungen in der Forschung. 


Was bereitet Euch Sorgen?  

Wir sind auf der Insel eigentlich ganz gut vorbereitet und auch ein bisschen abgeschieden. Das hat Vorteile. 

Was gibt es bei Euch heute Abend zu essen?  

Reis mit Fisch.

Habt ihr Vorräte angelegt?  

Wir haben ohnehin immer Vorräte für eine Woche, weil wir in einer Erdbebenzone leben. Wenn bei einem Beben Straßen verschüttet werden, kann es sein, dass man ein paar Tage abgeschnitten ist. Vor einem knappen Monat hat es tatsächlich so gewackelt, dass ich den Helm aufgesetzt habe, der hier an jedem Arbeitsplatz liegt (er zeigt auf den Helm hinter sich im Regal).  

Wie wird die Welt nach Corona aussehen? 

Ich glaube nicht, dass es grundlegende Veränderungen geben wird.  

Wann hast Du zuletzt herzhaft gelacht? 

Am vergangenen Wochenende. Über unsere Tochter, wie sie immer an der Kordel am Pullover meiner Frau gezogen hat.

Interview: Klaus Bachmann

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