Sizilien Geschichte der Staufer - Machtkampf um Italien

Als Heinrich V., der letzte Salier, im Jahr 1125 stirbt, beginnen zwei Geschlechter um die römisch-deutsche Krone zu streiten. Die siegreichen Staufer werden schon bald nach Größerem streben: der Herrschaft über ganz Italien einschließlich des Südens
Friedrich II., 1194 - 1250

Im Alter von vier Jahren wurde er zum König von Sizilien gekrönt, dann zum römischdeutschen König, später zum Kaiser erhoben - als der 55-jährige Friedrich II. stirbt, läutet er das Ende des Staufergeschlechts ein

Seit Tagen sind bewaffnete Fremde in Palermo auf der Suche nach einem Waisenjungen: Friedrich, dem Sohn des Stauferherrschers Heinrich VI. und der Königin Konstanze von Sizilien. Sie wollen den Sechsjährigen in ihre Gewalt bringen: Denn wer immer sich zum „Wächter“ des Knaben erklärt, kann auch die Regentschaft über das Königreich Sizilien für sich reklamieren.

Seine bisherigen „Beschützer“ haben sich in der Burg am Hafen von Palermo verschanzt. Am 1. November 1201 jedoch gelingt es den Fremden, in das Castello a Mare einzudringen und den Knaben in ihre Gewalt zu nehmen. Der Junge, der sich den Bewaffneten zuvor wütend und furchtlos entgegengestellt haben soll, wird später zu einem der schillerndsten Kaiser in der Geschichte des römisch-deutschen Reiches: brillant, hochgebildet, schwer zu durchschauen.

„Stupor mundi“ werden ihn Zeitgenossen nennen, das „Staunen der Welt“. Der Aufstieg der nach ihrer Burg auf dem schwäbischen Hohenstaufen benannten Familie beginnt im 11. Jahrhundert, als einer aus ihrem Geschlecht von König Heinrich IV. zum Herzog von Schwaben ernannt wird und die Königstochter zur Frau bekommt. Der Herrscher braucht den Staufer als Getreuen, denn fast alle Großen seines Reiches haben sich gegen ihn verbündet. Unter den Rebellen ist auch die Dynastie der Welfen. Und mit dieser Familie werden die Staufer über Jahrzehnte um die Macht ringen.

Der Zweikampf beginnt, als Heinrich V. aus dem Geschlecht der Salier im Jahr 1125 ohne männliche Nachkommen stirbt. Der König hat einen Staufer zu seinem Nachfolger bestimmt, doch die deutschen Fürsten wählen einen von den Welfen unterstützten Kandidaten zum König. Erst nach dessen Tod küren sie 1138 einen Staufer zu ihrem Herrscher.

Als der 1152 stirbt und die Königswähler seinen Neffen erheben, scheint sich der Konflikt zu lösen. Denn mit Friedrich I. wird nun der Sohn eines Staufers und einer Welfin König. Und von Beginn an ist Barbarossa – wie ihn die Italiener wegen seiner Haarfarbe rufen, „Rotbart“ – um Ausgleich bemüht. So macht er wieder einen Welfen zum Herzog von Bayern: seinen Vetter Heinrich den Löwen. Denn Barbarossa muss alle Energien bündeln, will er sein Reich regieren, das sich von der Nordsee bis nach Mittelitalien erstreckt und von der Provence bis Böhmen.

Der 1155 zum Kaiser gekrönte Herrscher will vor allem seinen Einfluss in Norditalien stärken. Doch dagegen for­miert sich der lombardische Städtebund. Auch der Papst sieht sich und den Kir­chenstaat bedroht. Selbst in deutschen Landen hat Barbarossa Kämpfe auszu­stehen: Sein Vetter Heinrich der Löwe, der ihn bisher unterstützt hat, überzieht Gebiete im Norden mit Krieg, um seine eigene Macht auf Kosten anderer Reichs­fürsten auszubauen.

Als Barbarossa nun seinen Vetter erneut um Waffenhilfe bittet, versagt der Herzog sogar ihm die Unterstützung. Dieser Hochmut wird Heinrich zum Ver­hängnis: Seine Herzogtümer werden ihm aberkannt, er muss ins Exil. Auch nach seiner Rückkehr erreicht er nie wieder den Rang und Einfluss von einst.

Nach Jahrzehnten der Auseinander­setzungen schließt Barbarossa 1183 mit den norditalienischen Städten Frieden. Und zum Süden Italiens knüpft er fami­liäre Bande – durch die Ehe seines Sohnes Heinrich mit der sizilianischen Königstochter Konstanze. Doch dessen Krönung zum König jenes Reiches erlebt Barbarossa nicht mehr: Er kommt 1190 auf einem Kreuzzug zu Tode.

Der junge König von Sizilien wird zum Spielball selbst ernannter Regenten

Heinrichs Sohn, der spätere Kaiser Friedrich II., ist zwei Jahre alt, als sein Vater 1197 stirbt; er ist drei, als ihn seine Mutter zum König von Sizilien krönen lässt; und noch vor seinem vierten Geburtstag stirbt auch Konstanze. Kurz zuvor hat sie den Papst zu seinem Vormund bestimmt.

Doch der kann nur begrenzten Ein­fluss auf das Schicksal seines Mündels nehmen. Denn in stets wechselnden Koa­litionen versuchen sizilianische Adelige und aus dem Reichsgebiet stammende ehemalige Gefolgsleute von Friedrichs Vater immer wieder, die Herrschaft in Sizilien an sich zu reißen.

So kommt es gleich mehrfach zu Vorfällen wie jener Entführung im No­vember 1201, als der junge König von der einen Partei aus den Händen der anderen gerissen wird. Der Waisenknabe gerät zum Spielball selbst ernannter Regenten.

Friedrich wächst in Palermo zwi­schen Normannen, Griechen, Juden und Muslimen auf. Er erhält eine umfassende Bildung wie kein König vor ihm und be­herrscht mehrere Sprachen. Er ist natur­wissenschaftlich interessiert und wird in späteren Jahren einen Kreis von Dichtern um sich scharen.

Friedrich nimmt seinen Sohn gefangen und stellt sich sogar gegen den Papst

Mit 14 Jahren wird Friedrich 1208 mündig und tritt die Herrschaft über Sizilien an. Er reformiert das Königreich mit Hunderten neuer Gesetze. Die von ihm straff geführte Verwaltung ist schon bald so effizient wie nirgendwo sonst im Abendland. Ganz anders hingegen sind die Ver­hältnisse im Reich jenseits der Alpen. Dort ringen nach dem Tod von Friedrichs Vater die Söhne des Staufers Barbarossa und des Welfen Heinrich der Löwe um die Krone. 1198 werden beide in einer Doppelwahl zu Königen erhoben. Ihr Thronstreit endet erst, als der Staufer ermordet wird. Der (an der Tat unbetei­ligte) Welfe Otto IV. wird 1209 vom Papst zum Kaiser gekrönt – und greift nun auch nach dem Königreich Sizilien.

Dadurch sieht sich der Heilige Va­ter getäuscht. Mit seiner Unterstützung bestimmen die Fürsten 1211 kurzerhand Friedrich II. zum römisch­deutschen König. Friedrich bleibt acht Jahre im Norden. 1220 wird er in Rom zum Kai­ser erhoben und kehrt schließlich nach Süditalien zurück; zuvor hat er seinen Sohn Heinrich zum König in den deutschen Landen wählen lassen.

Erst 1235 erscheint Friedrich wieder nördlich der Alpen – diesmal, um seinen in Ungnade gefallenen Sohn abzusetzen. Er nimmt ihn gefangen, hält ihn bis zum Ende seines kurzen Lebens 1242 in Haft. Nun stellt sich Friedrich sogar ge­gen den Papst. Als König von Sizilien und Kaiser des Reiches nimmt er den Kirchenstaat von Süden und Norden in die Zange. Entscheidet eigenmächtig, wann er zu einem Kreuzzug aufbricht. Kämpft nicht gegen die Sarazenen, son­dern verhandelt mit ihnen um die Her­ausgabe Jerusalems. Zweimal wird Fried­rich exkommuniziert. Die päpstliche Propaganda verdammt ihn als Antichrist.

Mit Friedrichs Tod endet die Geschichte der Staufer

Als das "Staunen der Welt" 1250 im Alter von 55 Jahren stirbt, zerbricht die Macht der Staufer rasch: Nördlich der Alpen haben die Fürsten bereits einen der Ihren zum Gegenkönig erhoben.

Friedrichs Sohn Konrad IV. überlebt den Vater nur um vier Jahre; seine Herr­schaft im Reich kann er nicht durchset­zen. Konrads Halbbruder Manfred fällt 1266 im Kampf gegen den vom Papst zum König von Sizilien ernannten Karl von Anjou. Einmal noch versuchen die Staufer, ihr Reich im Süden zurückzugewinnen – vergebens. Friedrichs Enkel Konradin findet 1268 nach der Niederlage seiner Truppen in Neapel ein schmachvolles Ende: Er wird hingerichtet.

Damit endet die Geschichte jenes Geschlechts, das einst von Schwaben aus­ gezogen war, das Reich zu erobern.