Ungewöhnliches Thanksgiving-Essen Präsidenten-Haustier Rebecca: Der Waschbär, der adoptiert, statt verspeist wurde

Thanksgiving 1926: Die Waschbär-Dame Rebecca soll dem US-Präsidenten zum Thanksgiving-Dinner gereicht werden. Doch statt auf dem Teller von Calvin Coolige, landet das Tier in einem Baumhaus - im Vorgarten des Weißen Hauses
Mrs. Coolidge und der Waschbär Rebecca

Die First Lady Grace Coolidge mit der Waschbär-Dame Rebecca auf dem traditionellen Osterfest des Weißen Hauses

An Thanksgiving Truthähne zu begnadigen, hat bei US-Präsidenten gute Tradition – bringt das Ritual doch alljährlich nette Fotos auf den Titelseiten ein. Doch das Tier, dem Calvin Coolidge im November 1926 das Leben schenkte, sorgte für Schlagzeilen, über die man sich zumindest aus heutiger Sicht wundern darf.

Pünktlich zum amerikanischen Erntedankfest bekam der 30. Präsident der Vereinigten Staaten von einem Mann aus Mississippi einen lebendigen und besonders prallen Waschbären zugesandt. Ein schlechter Scherz? Keineswegs. Das Geschenk sollte beim offiziellen Thanksgiving-Dinner gereicht werden.

Calvin Coolidge wollte den Waschbären nicht kochen lassen

Tatsächlich war Waschbären-Fleisch zu dieser Zeit in weiten Teilen der USA und besonders im Mittleren Westen und in den Südstaaten sehr beliebt. Schon Mark Twain hatte es auf einer Liste amerikanischer Lebensmittel geführt, die er während seiner Europareise in den 1870er Jahren vermisste.

Dennoch entschied sich Calvin Coolidge dagegen, das Tier kochen zu lassen. Stattdessen baute die tierliebende Präsidentenfamilie der Waschbär-Dame, ein Baumhaus auf dem berühmten Südrasen (South Lawn) des Weißen Hauses, tauften sie Rebecca und führten sie von nun an zu regelmäßigen Spaziergängen an der Leine aus.

U.S. Präsident Calvin Coolidge mit seinem Hund

Calvin Coolidge war bekannt als Tierfreund. So hielt die Familie neben Rebecca auch zahlreiche Hunde

Sogar beim traditionellen Ostereier-Rollen im Garten des Weißen Hauses und auf Urlauben war der Vierbeiner dabei – bis zum Jahr 1928. Dann nämlich gaben die Cooliges Rebecca – die wohl einmal zu oft auf eigene Faust in der Nachbarschaft auf Entdeckungstour gegangen war – in den Zoo, wo sie kurze Zeit später starb.

Bis heute ist das kulinarische Erbe von Waschbärenfleisch in manchen Regionen  Amerikas anzutreffen. Auf dem Soulard Market in St. Louis kann es bis heute gekauft werden. Und auf dem „Coon Feed“ – ein Fest, dass seit 92 Jahren in Delafield, Wisconsin stattfindet – werden alljährlich Hunderte Portionen Waschbär verkauft.