Forschung Wo die Jugend der Welt am glücklichsten ist

Nirgendwo sind junge Menschen mit ihrem Leben so zufrieden wie in Europa, mehr Freude haben sie allerdings in Lateinamerika. In Afrika und im Nahen Osten wachsen vielerorts Sorge und Wut
Glückliche Jugend

Wo sind die 15- bis 29-Jährigen am glücklichsten? Unter 136 Ländern, für die in dieser Altersgruppe ausreichend Daten vorliegen, besetzen Tschechen, Dänen und Österreicher die höchsten Ränge

Dass die glücklichsten Menschen in Skandinavien leben, ist weithin bekannt: Schließlich führen sie jedes Jahr die Rangliste des von der UNO geförderten World Happiness Report an. Denn auf die Bitte, ihre persönliche Lebensqualität auf einer „Leiter“ von null bis zehn einzustufen, geben sie die höchsten Werte an. Aktuell führen die Finnen. 

Die Daten stammen von Gallup: Das Sozialforschungsinstitut befragt jedes Jahr über 150 000 Menschen in mehr als 140 Ländern. Für GEO Perspektive hat Gallup eigens die Antworten der 15- bis 29-Jährigen ausgewertet.

Unter den 136 Ländern, für die in dieser Altersgruppe ausreichend Daten vorliegen, besetzen Tschechen, Dänen und Österreicher die höchsten Glücksränge. In den Top Ten finden sich mit Ausnahme von Costa Rica nur europäische Länder, denn die generelle Lebenszufriedenheit von Menschen hängt stark ab von Bildung und Wohlstand.

Wo die Jugend der Welt am glücklichsten ist

Wenn 15- bis 29-Jährige ihre Lebensqualität auf einer Leiter von 0 bis 10 einstufen sollen, führen Europäer; Afghanen haben die niedrigsten Werte. Auf dieser Glücksleiter beruht auch der von der UNO geförderte World Happiness Report.

Doch der Einfluss des Geldes hat Grenzen: Wie der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman mit seinem Kollegen Angus Deaton anhand von Gallup-Daten aus den USA gezeigt hat, steigt das persönliche Wohlbefinden ab einem Einkommen von 75 000 US-Dollar nicht weiter an.

Für viele Glücksforscher ist deshalb die emotionale Qualität des Alltags ebenso wichtig. Diese erhebt Gallup mit Fragen nach positiven Erlebnissen am Vortag. So betrachtet, sind nicht mehr Skandinavier, sondern Südamerikaner besonders glücklich: Wirtschaftlichen und sozialen Problemen zum Trotz lachen und freuen sich junge Menschen dort häufiger als in allen anderen Weltregionen, fühlen sich mit Respekt behandelt und geben an, fast täglich Neues zu lernen. Gemessen an der Freude im Alltag leben in Panama und El Salvador die glücklichsten Jugendlichen der Welt, gefolgt von Paraguay und Guatemala.

Der mexikanische Soziologe Mariano Rojas erklärt das mit einer Kultur, in der sich indigene und europäische Einflüsse mischen: Die sozialen Beziehungen seien hier besonders stark, Gefühle allgemein sehr wichtig – und materielle Werte weniger.

Wo die Jugend der Welt am glücklichsten ist

Die generelle Lebenszufriedenheit von Menschen hängt stark ab von Bildung und Wohlstand. Doch für viele Glücksforscher ist die emotionale Qualität des Alltags ebenso wichtig.

Wut in Marokko, Palästina, Iran und Irak besonders groß

Nichts trübt die Lebensqualität mehr als negative Emotionen. Und die nehmen seit 2017 zu. Zuletzt litt weltweit jeder dritte junge Mensch unter Stress oder Sorgen, jeder fünfte war traurig oder wütend. Die unglücklichsten Länder liegen alle in Afrika und den Konfliktgebieten des Nahen Ostens. Teils haben sich dort die negativen Erlebnisse junger Menschen seit 2006 mehr als verdoppelt.

Dabei ist ihre Wut in Marokko, Palästina, Iran und Irak besonders groß. Aber nirgendwo fühlen sich Jugendliche so gestresst wie in den USA: 64 Prozent. Darunter sind viele aus armen Verhältnissen – und Trump-Kritiker. Deutlich entspannter sind die über 50-Jährigen.

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Normalerweise gilt aber fast überall: Junge Menschen empfinden seltener Negatives und häufiger Positives als ältere Menschen. Sie sind eben noch in jener Lebensphase, wo vieles neu ist und die Zuversicht besonders groß: Die große Mehrheit der Befragten ist davon überzeugt, dass sie in den nächsten fünf Jahren auf ihrer imaginären „Leiter“ deutlich aufsteigen werden – insbesondere in den ärmsten Regionen der Welt. So erwarten 15- bis 24-jährige Afrikaner eine Verbesserung ihrer Lebensqualität von im Schnitt etwa 50 Prozent.

Studien aus der „Positiven Psychologie“ zeigen: Dieser Optimismus ist gesund. Er motiviert, Herausforderungen anzupacken, und sollten diese doch größer sein als gedacht, setzt er extra Kräfte frei. So hilft die Zuversicht jungen Menschen, in das hineinzuwachsen, was sie sich vornehmen.

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GEO Perspektive Nr. 2
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