Sprache Dieser Satz zeigt: Deutsch ist seit eh und je ein Kauderwelsch

Auch wenn Sprachpuristen über Anglizismen stöhnen: Ihr Anteil im Duden liegt unter vier Prozent. Aus dem Griechischen sind mehr Wörter eingewandert (vier Prozent), aus dem Lateinischen erst recht (sechs Prozent). An nur einem Satz zeigen wir beispielhaft, wie vielfältig und verzweigt die Herkunft unseres Wortschatzes ist
Dieser Satz zeigt: Deutsch ist seit eh und je ein Kauderwelsch

1) Im 20. Jahrhundert aus dem Englischen entlehnt (to check), dorthin aus dem Altfranzösischen einge­wandert, wo es „Schach spielen“ bedeutete (eschaquier, echecquier).

2) Seit etwa 1800 übernommen aus dem Französischen. Die gastronomía findet sich aber auch schon im Griechischen, und zwar im Titel eines Gedichts, das Archestratos von Gela um 330 v. Chr. als literarische Weltreise für Feinschmecker verfasste.

3) Ursprünglich ist das Wort gar kein Anglizismus, es kommt auch im Mittelhochdeutschen vor, als trendel (für „Kugel“, „Kreisel“). In der Bedeutung von „Mode­erscheinung“ wird es dann aber in den 1920er Jahren aus dem Englischen importiert.

4) Im Französischen wird der Begriff restaurant am Anfang des 19. Jahrhunderts eigentlich für „kräftige Kost“, besonders „Fleischbrühe“ verwendet. Abgeleitet ist er von restaurer – „Kräfte wiederherstellen“ oder eben auch: „restaurieren“.

5) Aus dem Arabischen übernommen (al-kuhl, unter anderem für aus Destillation gewonnene Substanzen), dann ins Spanische ein­gewandert (alcohol). Der alpenländische Heilkundige Paracelsus verwendet 1526/27 das Wort alcool vini speziell auf Weingeist bezogen, woraus die heutige Bedeutung resultiert.

6) Zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Französischen (carafe) oder aus dem Italienischen (caraffa) entlehnt. Das Wort geht möglicherweise ursprünglich auf das arabische garrafa (für „bauchige Flasche“) zurück.

7) Übernahme aus dem Lateinischen (aroma) beziehungsweise aus dem Griechischen (für „wohlriechendes Kraut“ oder „Gewürz“).

8) Entlehnt ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus dem italienischen citrone, regional wohl auch aus dem Mittelfranzösischen, wohin es aus dem Griechischen gelangte (kédros).

9) Minza gibt es schon im 8./9. Jahrhundert im Althochdeutschen, allerdings als Entlehnung aus dem latei­nischen ment(h)a und dem griechischen mínthe.

10) Das althochdeutsche munizza (um 800) ist eine frühe Entlehnung aus dem Lateinischen: Officina Monetae war die Bezeichnung der im Tempel der Göttin Juno befindlichen römischen Münzstätte.

11) Im Mittelhochdeutschen hieß der Verwalter der Weinberge kelner; der Begriff stammt aus dem Lateinischen: cellenarius für „Keller-“ oder „Küchenmeister“. Die moderne Bedeutung „Ober in einem Restaurant“ entsteht erst im 18. Jahrhundert. Und bis ins 19. Jahrhundert gibt es noch die „Kellerin“ – in der Bedeutung als „Servie­rerin“ und „Hausmagd“.

12) Entlehnt aus dem Lateinischen (von summa, für „Zahl“ oder „höchste Stelle“). In der Bedeutung „Geld­betrag“ wird der Begriff seit Mitte des 14. Jahrhunderts im Deutschen verwendet.

13) Im 15. Jahrhundert aus dem Italienischen (credito) entlehnt, das damals die Sprache der Banken und des Handels war; allerdings auch schon früh in der Bedeutung „Ansehen“ oder „Achtung“ („Kredit haben“). Geht auf das lateinische creditum zurück.

14) Im 14. Jahrhundert aus dem Französischen über­nommen. Zunächst vor allem für „Spielkarte“ oder „Landkarte“; beruht auf meh­r- facher Entlehnung, vor allem wohl aus dem italienischen carta, das auf die lateinische charta zurückgeht, die wiederum griechische Vorläufer hat. In 18. Jahr­hundert entwickelt sich aus dem Wort die „Kartei“, der „Zettelkasten“.

15) Entlehnt (um 1400) aus dem Lateinischen (acceptare). „Akzeptabel“ kommt gegen Ende des 17. Jahr­hunderts aus dem Französischen respektive dem Lateinischen hinzu.