"Als wäre es gestern gesunken" Archäologen filmen perfekt erhaltenes Wrack aus der Zeit Christoph Kolumbus'

In der schwedischen Ostsee haben Unterwasserarchäologen das verblüffend gut erhaltene Wrack eines Handelsschiffes entdeckt
Renaissance Schiffswrack

In der Ansicht von oben ist zu erkennen, dass die Rumpfstruktur in 120 Meter Tiefe fast unversehrt auf dem Grund liegt

Nicht nur im Mittelmeer – auch in der Ostsee machen Archäologen immer wieder spektakuläre Entdeckungen. Jetzt haben Archäologen südöstlich von Stockholm ein hölzernes Schiffswrack mit einem Tauchroboter untersucht. Und staunten nicht schlecht über die Bilder, die der Tauchroboter auf die Bordmonitore schickte.

Das 16 Meter lange Schiff – vermutlich ein Handelssegler aus dem späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert – ist in einem exzellenten Zustand. „Als sei es gestern erst gesunken“, kommentiert der Unterwasser-Archäologe Rodrigo Pacheco-Ruiz von der Universität Southampton, der die Expedition leitete, die Bilder. Das Schiff stamme aus der Zeit Christoph Kolumbus‘ und Leonardo da Vincis – und sei doch dank des kalten, sauerstoffarmen Brackwassers der Ostsee erstaunlich gut erhalten.

So ist etwa der komplette Rumpf intakt, Mast und Bugspriet stehen an Ort und Stelle. Und sogar das fast unversehrte Beiboot lehnt noch am Mast. „Ein wirklich erstaunlicher Anblick“, kommentiert Pacheco-Ruiz den Fund in einer Pressemitteilung. Es handelt sich möglicherweise um das am besten erhaltene Schiff aus dieser Zeit.

Zeuge politisch unruhiger Zeiten

Die zwei schwenkbaren Kanonen im hinteren Schiffsteil deuten an, dass das Gefährt in politisch unruhigen Zeiten im Einsatz war. So könnte das Schiff unter schwedischer oder dänischer Flagge in den schwedischen Befreiungskrieg (1521-1523) oder den Russisch-Schwedischen Krieg von 1554 bis 1557 verwickelt gewesen sein. Beschädigungen am Heck des Schiffes deuten möglicherweise auf eine Versenkung in einem Seegefecht hin.

Das Wrack wurde schon 2009 vom schwedischen Schifffahrtsamt in 120 Meter Tiefe entdeckt. Eine genauere Untersuchung stand bislang aber aus.