Hitlers Stellvertreter Verschwörungstheorie widerlegt: Rudolf Heß hatte keinen Doppelgänger

Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß starb 1987 in einem Gefängnis in Berlin-Spandau. Oder war es – so eine hartnäckige Hypothese – ein Doppelgänger? Ein Forscherteam um den Molekulargenetiker Jan Cemper-Kiesslich von der Universität Salzburg konnte diese Theorie nun widerlegen – anhand einer alten Blutprobe
Rudolf Hess

Glühender Hitler-Verehrer: Rudolf Heß bei einer Rundfunk-Ansprache zu Weihnachten 1937

GEO.de: Warum war es überhaupt notwendig, die Identität Rudolf Heß‘ zu klären?

Jan Cemper-Kiesslich: Die Doppelgängerhypothese kursierte schon zur Zeit der Nürnberger Prozesse und wurde auch von prominenten Herrschaften vertreten, etwa dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt oder dem späteren CIA-Direktor Allan Dulles. Nach 2011, als die Grabstätte Rudolf Heß‘ in Wunsiedel aufgelöst und die Gebeine eingeäschert worden waren, hatte sich die Doppelgängerhypothese verselbständigt.

Denn nun gab es keine Möglichkeit mehr, die Identität des Toten zweifelsfrei zu klären ...

... Bis Sherman McCall, der Erstautor der Studie, durch verschiedene Zufälle auf eine Blutprobe auf einem Objektträger aus Glas aufmerksam wurde. Er erkannte sofort, welches Potenzial seine Entdeckung hatte, und fragte mich, ob wir einen DNA-Test machen könnten.

Blutprobe von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess

Diese Blutprobe von 1982 lieferte den Beweis, dass der Häftling "Spandau #7" tatsächlich Rudolf Heß war

Was waren die Herausforderungen?

Die Probe war relativ alt und durch viele Hände gegangen. Aber mit entsprechenden Erfahrungen im Bereich forensischer Spurenanalyse war das aus technischer Sicht ein nicht allzu großes Problem. Wir brauchten allerdings eine Vergleichsprobe. Und die wurde uns von einem Angehörigen der Familie Heß zur Verfügung gestellt, der in ungebrochener männlicher Linie mit Rudolf Heß verwandt ist.

Woher wissen Sie denn, dass die Proben echt sind?

Natürlich steht und fällt die Geschichte mit der Provenienz der Proben. Die Referenzprobe stammt von der Familie Rudolf Heß‘, und wir haben uns doppelt und dreifach abgesichert, dass die Angaben zutreffen. Das andere ist die Herkunft des Objektträgers. Einer der Co-Autoren der Studie war Militärarzt in Spandau – und hat die Probe für einen medizinischen Routinecheck eigenhändig entnommen, präpariert und in das Armeelabor nach Amerika gebracht.

Und was ist das Ergebnis Ihrer Analyse?

Wir haben die Y-chromosomale DNA untersucht und haben eine komplette Übereinstimmung zwischen der Blutprobe von „Häftling Spandau #7“ und der Referenzprobe bekommen. Das bedeutet, dass die beiden Probengeber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit derselben männlichen Linie angehören. Damit ist die Doppelgängerhypothese widerlegt.