Blanka von Kastilien Die Kriegerin in Weiß

1226 überträgt der sterbende König von Frankreich seiner Gemahlin Blanka von Kastilien die Regierung. Sie trotzt allen Intrigen und Verschwörungen – und triumphiert dank ritterlicher Tugenden
Blanka von Kastilien

Blanka von Kastilien (1188-1252)

Sie reitet an der Spitze Hunderter Ritter in den Kampf, nimmt Burgen ein, rekrutiert Truppen, ist taktisch versiert und willensstark: Auch wenn das Rittertum eine Domäne der Männer ist, gibt es Frauen, die dem Ideal der Panzerreiter nacheifern – und kaum eine kommt ihm so nah wie Blanka von Kastilien.

Bereits als Zwölfjährige wird die Tochter des Königs von Kastilien (und Nichte des englischen Königs) 1200 mit dem französischen Thronfolger verheiratet, um so einen Friedensschluss zwischen England und Frankreich zu besiegeln.

In den ersten Jahren nachder Hochzeit scheint Blanka allen Erwartungen des Hofes zu entsprechen: Sie gebiert 1209 einen männlichen Thronfolger, gilt als fromm und tugendhaft, gibt Almosen an die Armen und Spenden an die Kirche.

Doch mit der Zeit überschreitet sie die Grenzen, die ihr die Moralvorstellungen der Zeit als Frau setzen: Die sittsame und gottesfürchtige Mutter wird nun auch eine machtbewusste Politikerin. Und eine Kriegerin.

Blanka soll das Land bis zur Volljährigkeit des Kronprinzen verwalten

Was genau sie zu ihrem Rollenwechsel bewegt, vermag heute niemand mehr zu sagen – jedenfalls unterstützt sie ihren Mann, der sich ab 1216 einen Adelsaufstand in England zunutze machen will, um nach der englischen Krone zu greifen: Blanka hebt in Nordfrankreich Truppen aus, stellt eine Invasionsflotte zusammen, wirbt dabei auch einen gefürchteten Piraten als deren Befehlshaber an.

Zwar unterliegen die Angreifer in einer Seeschlacht, und der Griff nach der englischen Krone scheitert, doch Blanka hat bewiesen, dass sie ebenso hart und entschlossen ist, wie es von einem männlichen Herrscher erwartet wird.

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1223 besteigt ihr Gemahl als Ludwig VIII. Frankreichs Thron, doch schon drei Jahre später stirbt er, wohl an der Ruhr. Kurz vor seinem Tod verfügt der König, dass seine Gattin das Land bis zur Volljährigkeit des Kronprinzen verwalten soll – und zwar ohne sich die Macht mit einem hohen Kleriker zu teilen, wie sonst üblich.

Eine Sensation. Zwar ist es üblich, dass Frauen vorübergehend als Vormund für minderjährige Monarchen herrschen, doch in Frankreich gab es noch nie eine Königin, die ohne männlichen Beistand regiert hat.

Blanka versteht es, zu taktieren und zu kämpfen

Blanka aber versteht es, zu taktieren und zu kämpfen. Und zu beidem ist sie schon bald gezwungen.

Denn Frankreichs Provinzen werden von Aristokraten regiert, die stets nach mehr Unabhängigkeit von Paris streben. Und mit einem Kind als König und einer Frau als Regentin sehen sie nun ihre Chance gekommen.

Der Graf der Bretagne ist Anführer der Verschwörung. Zwischen 1227 und 1230 verbündet er sich immer wieder mit anderen Adeligen und zieht Truppen zusammen, um die Macht im Königreich an sich zu reißen.

Doch Blanka manövriert die Rebellen rasch aus: Sie wendet sich an den Grafen der Champagne, der ihr angeblich hoffnungslos verfallen ist. Und der Verliebte schickt ihr 800 Ritter zur Hilfe.

Im Januar 1229 greift die Regentin gemeinsam mit ihrem Sohn die adeligen Meuterer in einer von deren Burgen an. Mit einer Attacke mitten im Winter haben die Aufrührer wohl nicht gerechnet. Ganz in Weiß gekleidet und auf einem weiß geschmückten Pferd reitet Blanka den Truppen voran – so berichten es Chronisten. Zwar kämpft sie selbst nicht mit dem Schwert, führt aber persönlich das Kommando über ihre Armee, sammelt dem Vernehmen nach sogar Feuerholz für die Männer. Schließlich erstürmen Blankas Ritter die Burg, die Rebellen sind bezwungen. So kann sie die Königsherrschaft sichern, bis ihr Sohn als Ludwig IX. den Thron offiziell besteigt.

Auch später ist sie ihm eine wichtige Beraterin – und als sich der Monarch 1248 auf einen Kreuzzug begibt, vertraut er ihr abermals die Regierungsgewalt an, vier Jahre lang, bis sie 1252 plötzlich erkrankt und im Alter von 64 Jahren stirbt.

„So sagte die edle Dame Blanka, dem Geschlecht nach eine Frau, in ihren Ratschlägen aber ein Mann, der Welt Lebewohl“, notiert der Chronist Matthäus von Paris über jene Frau, die fromm war und eine harte Kriegerin, kluge Herrscherin und demütige Dienerin – und die damit alle Tugenden eines Ritters in sich vereinigte.

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