Streit um Audiodatei Endlich erklärt: Warum manche "yanny", andere "laurel" hören

In den sozialen Medien wird derzeit eifrig über eine computergenerierte Audiodatei diskutiert: Die einen hören "yanny", die anderen "laurel". Was wie ein simpler Internet-Gag wirkt, verrät in Wahrheit einiges darüber, wie wir hören
Endlich erklärt: Warum manche "yanny", andere "laurel" hören

Richtig gehört? So mancher zweifelt beim Hören der Audiodatei an seiner Wahrnehmung

Seit Tagen teilt eine kleine Audiodatei das Internet in zwei Lager, wie es zuletzt die hitzige Debatte um #TheDress vermochte: In dem Streit ging es damals um ein Foto von einem Kleid, das manche als weiß-gold wahrnahmen, andere jedoch als blau-schwarz.

Nun gibt es also neuen Zoff: Ein Schüler aus dem US-Bundesstaat Georgia stieß auf einem Vokabel-Portal, auf dem eine Computerstimme Begriffe erklärt, auf das Wort "laurel", zu Deutsch "Lorbeer". Er spielte die Aussprache seinen Freunden vor - und die wurden sich nicht einig: Sagt die Stimme "laurel" oder "yanny"? Über die sozialen Medien macht die Sache inzwischen gehörig die Runde, probieren Sie es gerne selbst mit ihren Freunden und Kollegen - aber sagen Sie hinterher nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

Was hören Sie: "yanny" oder "laurel"?

Na, was haben Sie gehört? Dass es bei manchen eine Sache der Konzentration ist, andere wiederum niemals etwas anderes als "yanny" - oder eben "laurel" - verstehen, ist völlig normal und hat mit unserer Hörwahrnehmung zu tun. Die hängt nämlich von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Können wir unseren Ohren trauen?

Die New York Times zeigt mit einem Spektogramm, dass sich Umgebungsgeräusche und höhere Frequenzen in die Aufnahme geschlichen haben. Die können zur Wahrnehmung des Wortes "yanny" führen. Gestützt wird dieser Ansatz übrigens auch von Brad Story, Professor an der University of Arizona. Wer in den Genuss beider Worte kommen möchte, kann sogar mittels digitalem Schieberegler die Frequenzen nach Bedarf einstellen.

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Die Wissenschaftsbloggerin Mai Thi Nguyen-Kim liefert auf ihrem Youtube-Channel mailab noch weitere mögliche Ursachen für die akustische Zwietracht: Im Alter verlieren Menschen häufig die Fähigkeit, höhere Frequenzen zuverlässig wahrzunehmen. Das könnte dazu führen, dass diese eher das tieftönige "laurel" hören. Die Audiodatei beinhaltet jedenfalls Frequenzen für beide Worte, wie ein Youtube-Video oder die vom Bostoner Software-Ingenieur Steve Pomeroy hochgeladenen Tonschnipsel anschaulich aufdröseln.

Unabhängig davon, ob ein Klang tief oder hoch erscheint: Die Wahrnehmung von Tonhöhen wiederum ist höchst subjektiv, Menschen kommen regelmäßig zu verschiedenen Meinungen, welcher von zwei Klängen der tiefere ist.

Hat Sie ein Bekannter zuvor mit seiner Wahrnehmung konfrontiert? Kennen Sie jemanden namens Laurel? Das könnte Sie ebenfalls beeinflusst haben: Die verschiedenen Frequenzen in der Aufnahme verlangen von uns, unbewusst zu selektieren, was wir hören. Manchen gelingt es, die Konzentration zu verlagern. So ähnlich, als würde man im Café dem Gespräch am Nebentisch lauschen, statt dem Gegenüber. So bleibt vom ganzen Aufruhr die erfreuliche Erkenntnis: Schon ein kleiner Tonschnipsel kann dazu führen, dass sich Tausende Menschen mit der Faszination des Hörens beschäftigen.

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