Psychologie der Wahrnehmung Warum so viele ein tonloses GIF hören - das sagen Forscher

Dieses animierte GIF zeigt einen springenden Strommast - und ist vollkommen geräuschlos. Doch laut einer Umfrage können fast 70 Prozent aller Menschen es "hören". Dahinter steckt wohl ein psychologisches Phänomen

Eigentlich ist es nur ein Spaß, den der Grafiker HappyToast 2008 ausgeheckt hatte. In einem animierten GIF ließ er einen Strommast mit zwei anderen Springtau spielen. Während zwei Masten ihre Stromkabel durch die Luft schleudern, springt der mittlere Mast rhythmisch auf und ab. Der Clou: Jedes mal, wenn er den Boden berührt, wackelt das Bild wie bei einer großen Erschütterung.

Jetzt zeigt sich: Viele Betrachter können den Aufprall "hören" – als dumpfen Schlag oder als Krachen. Und das, obwohl es zu dem GIF keinen Sound gibt und die Lautsprecher ausgeschaltet sind. Das stellte sich heraus, als die Psychologin Lisa DeBriune von der Universität Schottland das GIF auf Twitter zeigte und mit einer Umfrage verknüpfte. Demnach können zwei Drittel von weit über 300.000 Umfrageteilnehmern ein dumpfes Aufschlagen hören, nur 20 Prozent aller Teilnehmer hört nichts.

Seither zerbricht sich die Netzgemeinde den Kopf: Wie ist es möglich, dass viele ein Geräusch hören, obwohl das GIF absolut stumm ist?

Die Strommasten sind perfekte Synästhesie-Auslöser

Eine der plausibelsten Erklärungen dürfte aus dem Bereich der Wahrnehmungspsychologie stammen. Die Psychologin Julia Simner von der Universität Sussex erklärte im Online-Magazin alphr: "Diejenigen, die den Ton hören, erleben eine Bild-Ton-Synästhesie. Gerade rhythmische Bewegungen von Bildern können Ton-Assoziationen auslösen." Allerdings hat nur ein kleiner Teil der Bevölkerung diese besondere Fähigkeit, sagt die Wissenschaftlerin, die im Rahmen eines Forschungsprojekts die menschliche Synästhesie erforscht.

Warum das Strommasten-GIF dennoch bei so vielen Menschen eine synästhetische Wahrnehmung hervorruft, erklärt Simner so: Offenbar sei das GIF ein guter Auslöser – dank seiner rhythmischen Wiederholung. Und weil es einen Vorgang zeigt, der in der Wirklichkeit tatsächlich einen gewaltigen Krach machen würde.

Auch Simners Kollege Elliot Freeman von der Univeristät London geht davon aus, dass es sich um Synästhesie handelt: "Der Anblick von etwas, das fällt, triggert den auditorischen Cortex - also die Hirnregion, in der Geräusche verarbeitet werden. Das erklärt, warum so viele Leute den 'Aufprall' hören."