VG-Wort Pixel

Kahlbutz: Die Mumie des Ritters

Bei Kyritz, unweit nördlich vor den Toren Berlins, liegt der Leichnam des 1702 verstorbenen Ritters Christian Friedrich von Kahlbutz und will nicht verwesen. Warum ist bis heute auch nach etlichen Untersuchungen nicht geklärt. Er wurde weder vergiftet noch einbalsamiert. Jenseits der Wissenschaft weiß man besser Bescheid:

Kahlbutz forderte zu Lebzeiten gerne das "Recht der ersten Nacht" ein, wovon seine 11 ehelichen und an die 30 unehelichen Kinder zeugen. Dass dem cholerischen Ritter dieses Recht nicht immer gerne gewährt wurde, wird an der folgenden Geschichte deutlich und gilt als Grund seines jetzigen Zustands: Ein Schäfer verweigerte ihm den Beischlaf mit seiner Frau und wurde kurz darauf tot aufgefunden. Zeugen hatten beobachtet, dass der Ritter eigenhändig den Schäfer niedergestreckt hatte. Der Ritter aber schwor vor Gericht, dass er es nicht gewesen sei und fügte freimütig hinzu: "Gott soll doch bitte verhindern, dass ich jemals die Erde verlasse, falls ich lüge."

Er verrottet nicht, der tote Kahlbutz
Er verrottet nicht, der tote Kahlbutz
© Michaela Vieser, Reto Wettach

Kahlbutz wurde freigesprochen und lebte noch etliche Jahre, bis er eines natürlichen Todes starb und in der Gruft der Kapelle zu Kyritz-Kampehl beigesetzt wurde. Zirka einhundert Jahre später wollte man dort die Särge umlagern und machte eine schauerliche Entdeckung: Alle Toten bis auf einen waren verwest. Ritter Kahlbutz lag wie eh und je in seinem Sarg. Man entsann sich des Schwurs von Kahlbutz vor Gericht, und bald rankten sich viele Gruselgeschichten um den Toten. Kahlbutz´s Schicksal wurde weltberühmt und der Besuch seiner Leiche wurde zu DDR Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel.

1936, während der Olympiade zu Berlin, boten Amerikaner und Japaner 250 000 Dollar für den Kauf der damals 250 Jahre alten Leiche von Ritter Kahlbutz.


Mehr zum Thema