Argentinien Im tiefsten Süden Patagoniens

Feuerland: Wo alle Straßen enden. Nichts mehr als Weite. Nichts mehr als Einsamkeit. Der Freiraum für Träume. Und Träumer. Und Besucher, die gerade hier manchmal merken, wie klein die Welt ist
Im tiefsten Süden Patagoniens

Ein paar Berge noch und dann kein Festland mehr bis zur Antarktis: Von der zu Chile gehörenden Insel Navarino sieht man über den Beaglekanal auf die Ausläufer der Anden an Argentiniens Südküste

Ich stehe vor einer Holztafel. Sie erklärt, dass direkt vor uns Argentiniens Ruta Nacional 3 endet, von hier führt keine Straße weiter. "Das Ende der Welt", sagt Marco und lässt den Motor seiner schweren Yamaha, mit der er die über 3000 Kilometer von Buenos Aires nach Feuerland in Rekordzeit absolviert hat, noch einmal aufjaulen. Das Ende der Welt? Eher das Ende einer Illusion. Feuerland? War das nicht jene eisige, stürmische, menschenfeindliche Gegend am Südausläufer Patagoniens? Jene Wildnis, in die sich nur Glücksritter und Desperados wagen? "So ’n Zufall!", ruft Marco, Pferdeschwanz, Lederklamotten, die norddeutsche Haut krebsrot. "Du kommst auch aus Lippe?" Lippe, meine alte Heimat am Teutoburger Wald! Recht einsam war es da früher, selten kam einer von uns weiter als bis nach Bielefeld.

Eine Landschaft wie bei Mary Poppins

Und jetzt stehen gleich zwei Lipper unter der strahlenden Sonne eines patagonischen Hochsommertags auf dem Parkplatz des Nationalparks Tierra del Fuego. Vielleicht sind es sogar noch mehr. Lange Reihen von Reisebussen warten in der Nähe, daneben eine Flotte Taxis aus dem rund 20 Kilometer entfernten Ushuaia. Touristen drängeln in Grüppchen vor die Holztafel, um ihr Dagewesensein am Ende der Welt fotografisch zu dokumentieren

"Da lang", sagt Marco und parkt die Yamaha. Wir folgen einem schmalen Laufsteg durch eine beschauliche Landschaft, die so gemalt wirkt wie jene, in die Mary Poppins mit einem Zaubersprung hüpft. Unter den Planken des Laufstegs plätschert ein kristallklarer Bach, um uns herum duften die Gänseblümchen einer Wiese, an deren Rändern Berge in die Höhe schießen. Nach drei Minuten erreichen wir eine Aussichtsplattform. Ab hier darf nur der Blick weiter: bis ans Ufer einer Bucht, die in den Beaglekanal übergeht. "Nimmst du mich mit in die Stadt?", frage ich Marco.

Ushuaia, die "südlichste Stadt der Welt", ist rapide gewachsen. Vor 30 Jahren wohnten hier nicht einmal 6000 Menschen, heute sind es 60 000. Wobei die Geschichte dieser Bevölkerungsexplosion ihren Anfang in einem Krieg nahm, der gar nicht stattfand: 1978 ließen Argentinien und Chile ihre Kriegsflotten vor Ushuaia auffahren, um die Hoheit über drei winzige Inseln im Beaglekanal auszufechten. Zum Glück waren die Diktatoren beider Länder gute Katholiken, ein Appell des Papstes konnte das Gemetzel in letzter Minute verhindern.

Immerhin wurde durch den Beinahe-Krieg der damals regierenden Militärjunta in Buenos Aires klar, wie erschreckend leer Argentiniens Süden doch war: Weniger als 20 000 Menschen siedelten auf über 20.000 Quadratkilometern! Also lockte die Junta mit massiver Förderung eine zivile Armee von Arbeitern und Beamten nach Feuerland, damit dieses endlich zu patria würde: einer im militärischen Sinne verteidigungswürdigen Heimat. Heute leben mehr als 120 000 Menschen in der Provinz Tierra del Fuego.

Auf Schotterpisten in die Einsamkeit

In der Calle San Martín, dem Zentrum der Hauptstadt Ushuaia, fügen sich Restaurants an Boutiquen, Hotels an Herbergen, Reiseagenturen an Internetcafés. Sträflinge und Indianer sind auf die Fassade des Postamts gemalt. Sonst ist von den Indianern nichts geblieben, außer Spuren in den Gesichtszügen einiger Einwohner und das Denkmal Al Indio, "dem Indianer gewidmet". Das Elend der Sträflinge hingegen lässt sich noch besichtigen: im El Presidio. Der berüchtigten Strafanstalt, die für Argentinien jahrzehntelang dasselbe war wie der Gulag für Russland: die totale Abschreckung, eine Todesstrafe auf Raten. Heute verläuft ein beschilderter Gang durch die Gefängnistrakte. Nicht anders als bei einer Führung im Louvre bleiben Besuchergruppen vor ausgewählten Zellen stehen und knipsen. Die Mona Lisa von El Presidio ist eindeutig die Zelle des Polizistenmörders Simon Radowitzky, der 1909 den Polizeichef von Buenos Aires in die Luft sprengte. Er gilt als der Einzige, dem jemals die Flucht aus Ushuaia gelang. Allerdings wurde Radowitzky eingefangen und musste weiter leiden. Und nun sitze ich im einstigen Gefängnishof und lasse mir von einer Bardame in schwarz-gelb gestreifter Häftlingskleidung Tequila Sunrise und Erdnüsse servieren.

Administrativ ist Tierra del Fuego in drei Städte (Ushuaia, Río Grande, Tolhuin) und 62 Estancias unterteilt. Dörfer gibt es nicht. Nur eine einzige geteerte Überlandstraße, die Ruta Nacional 3, durchquert die Provinz. Zweigen Schotterwege von ihr ab, weiß man, sie führen zwangsläufig zu einer Estancia. Warum sonst hätte sich jemand die Mühe machen sollen, eine Schneise in die Wildnis zu fräsen? Die wahrhaftigste Art, Feuerland zu begegnen, führt noch immer über diese Schotterpisten. Über sie gelangt man zu Menschen, die tatsächlich noch ein Rezept für den Umgang mit der Einsamkeit haben. Das Rezept von Rachel Apolinaire zum Beispiel hat offenkundig mit ihrer Herkunft zu tun. Sie ist in Argentinien geboren, doch Vorfahren wie Vorlieben stammen aus dem englischen Nottinghamshire: Apolinaire schickt Rezepte an "Reader’s Digest", kreiert Konfitüren und backt Kekse, die sie zum Five o’Clock Tea serviert.

Als ich sie von Ushuaia aus anrief, beschrieb sie mir den Weg zu ihrer Estancia Cabo San Pablo. "Von der Ruta Nacional zweigt nach ungefähr 70 bis 100 Kilometern eine Schotterpiste ab, durchquert hügeliges Weideland" - und endet jetzt abrupt vor einem verriegelten Tor. Hier stoße ich zum ersten Mal auf eine Herde Guanakos. Als die Tiere Motorgeräusche vernehmen, heben sie den Kopf und erstarren. Völlig bewegungslos glotzen sie auf mich und mein Mietauto, das ich angehalten habe, um zurückzustarren. 20 Minuten lang geht das so, dann bin ich Verlierer und klettere über das Tor. Eine halbstündige Wanderung später finde ich Rachel Apolinaire. "Ist das nicht herrlich? Freunde schicken mir oft Blumensamen", sagt sie zur Begrüßung und zeigt mir stolz den Garten neben einem der Farmhäuser. Da blühen Rosen aus Straßburg neben welchen aus Schottland, vermischen sich gelbe mit orangefarbenen Mohnblumen aus Island. Doch nichts wächst näher an Apolinaires Herzen als die Lupinen, die kerzengerade bis zu dem Sims des weißen Küchenfensters hinaufragen: "Sie erinnern mich an England." Es duftet nach blühendem Klee, ein farbenfroher Schmetterling flattert um die blonde Gärtnerin. Von einer sumpfigen Wiese her nähert sich ein Reiter, ein Gewehr über der Schulter, drei Hunde laufen neben seinem Pferd: Rachels Ehemann.

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Das Gutsbesitzerpaar Rachel und Juan Apolinaire liet die Abgeschiedenheit. "Freunde aus Buenos Aires", sagen die beiden, "beneiden uns um das Leben hier." Ihre Existenz ist gesichert. Die Preise für Grund und Boden haben sich in 20 Jahren verzehnfacht

Juan Apolinaire war auf den äußeren Weiden der Estancia beschäftigt, einen halben Tagesritt vom Herrenhaus entfernt. "Vor 20 Jahren", sagt er, "haben wir zehn Dollar für den Hektar Land gezahlt. Jetzt kostet er glatt das Zehnfache!" Und die Preise steigen weiter. Weil Argentinien anfällig für Finanzkrisen ist, wollen die Reichen ihr Geld nicht mehr gern zur Bank bringen und investieren lieber in Boden. "Hier eine Estancia zu haben, ist very fashionable", sagt Rachel Apolinaire. "Unsere Freunde in Buenos Aires beneiden uns." Ein anderer Schotterweg führt zu Pedro Cárcamo auf die Estancia José Menéndez. Es ist ein seltsamer Tag für den alten Mann: Seine Kollegen sind draußen, scheren Schafe, jedes verfügbare Paar Hände wird gebraucht. Und Don Pedro, der erfahrenste Arbeiter von allen, sitzt auf seinem Bett und schaut vor sich hin.

Ein Zaun, der bis in die Hauptstadt reicht

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Eine Kolonie von Magellanpinguinen brütet im Reservat auf der Isla Magdalena. An Land haben die flugunfähigen Vögel kaum natürliche Feinde. Nur Raubmöwen machen Jagd auf Eier und Küken. Die Jungen werden deshalb pausenlos von einem Elternteil bewacht, während das andere nach Nahrung sucht

"Sein letzter Sommer", sagt der Manager der Estancia, als er mich kurz zur Seite nimmt. "Krebs!" Das Wort klingt fast unanständig, weil es zuvor nur um technische Daten ging. Darum, dass sich die Farm über 50 000 Hektar erstreckt. Dass die Gesamtlänge der Zäune 3000 Kilometer beträgt. "Aneinander gereiht würden sie bis nach Buenos Aires reichen", sagt der Manager. Und gleichzeitig stehen wir vor Pedro Cárcamo: 66 Jahre, davon 47 als Schäfer. Wie geht es? Gut, meint er. Ich frage, was ihn in seinem Leben am meisten gestört hat? Das Sturmgetöse im Frühling? Das Schneegestöber im Winter? Die Sehnsucht nach den Frauen? Nein, sagt Cárcamo: "Uno se acostumbre." Man gewöhnt sich an alles. Die Einsamkeit existiert nur für jene, die sie fühlen. Und Pedro Cárcamo fühlt nicht, dass ihm etwas fehlen könnte. Wenn er sich etwas wünschen dürfte? "Seguir delante", sagt er. Weitermachen wie bisher. Bis zum Ende.

Das erfolgreichste Rezept, mit der Einsamkeit umzugehen, scheint Emilio Saez zu haben: Er hat sich eine eigene Welt geschaffen. "Das war ganz einfach", sagt Saez, der vor 22 Jahren aus Sevilla einwanderte. "Als ich Tolhuin zum ersten Mal sah, dachte ich: Heimat!" Tolhuin, auf halber Strecke zwischen Río Grande und Ushuaia gelegen, markiert jenen Punkt, an dem Patagoniens Öde den Reizen Feuerlands weicht: grüne Hügel, duftender Wald, ein lang gestreckter See, der sich nach Süden hin zwischen hohen Bergen verliert. Dennoch: Wie konnte Feuerlands größte Bäckerei, die Panadería La Unión, ausgerechnet in einem Nest entstehen, wo sich die erste Kundschaft aus den letzten Angestellten eines maroden Sägewerks zusammensetzte? Ich schaue mich in der Bäckerei um. Emilio, wie ist das nur möglich? "Damals gab es hier nichts", beginnt Saez zu antworten, während sich neugierige Kunden um unseren Tisch scharen und jeden Satz des Bäckers mit einem "Oh" quittieren. Als wäre das erwähnte "Nichts" angesichts der Tolhuin’schen Gegenwart nicht mehr vorstellbar: Zwar sind die meisten Wege noch ungeteert, im Sommer wirbelt jedes fahrende Auto Staub auf, im Winter Schneematsch. Aber offiziell ist Tolhuin mittlerweile die drittgrößte "Stadt" Feuerlands. Mit fast 1200 Einwohnern.

Der tiefe Süden galt einst als Fabelwelt

"Ich habe", erzählt Saez weiter, "in Ushuaia einen Ofen und einen Sack Mehl geliehen. Und als meine ersten sechs Brotlaibe am Holzbrett festklebten, stellte ich das Missgeschick einfach als Reklame vor meine Tür." Von jenem historischen Augenblick an war der Fortschritt in Tolhuin offenbar nicht mehr aufzuhalten. Lastwagenfahrer, die gewöhnlich achtlos vorüberdonnerten, hielten nun an, um Brot und Brötchen zu laden. Saez bekam immer mehr Nachbarn und geriet seit 1998 in den Sog einer ungeahnten Kaufkraft, weil die Piste von Río Grande nach Ushuaia asphaltiert wurde und Tausende sie seither befahren. Zur Bäckerei kamen eine Konditorei samt Cafeteria, zwei Nescafé-Automaten, ein Lottostand, sechs Telefonboxen, ein Internetcafé, ein Ersatzteillager für Maschinen.

Mittlerweile sähe es die Regierung gern, wenn Saez am Seeufer ein größeres Hotel eröffnen würde. Und eine politische Partei möchte seinen Namen ganz oben auf ihre Kandidatenliste setzen, um den Bäcker womöglich als Senator nach Buenos Aires zu holen. Doch Emilio Saez sagt: "Negocios hay muchos, vida hay una sola" - Es gibt viele Geschäfte, aber nur ein Leben. Und einmal im Leben, so dachte ich immer, sollte man Kap Hoorn sehen, den legendären südlichsten Punkt des Kontinents, an dem so viele Seeleute ihr Leben ließen. Noch fünf Minuten bis zum Kap, verkündet ein Steward an Bord der "Mare Australis", des chilenischen Kreuzfahrtschiffs, mit dem ich seit zwei Tagen unterwegs bin. Bis zur ersten Kap-Hoorn-Umsegelung, die 1616 gelang, wurde in dieser Gegend "Antichton" vermutet: eine umgekehrte Welt, in der Schneeflocken von unten nach oben fallen und eine schwarze Sonne am Himmel steht. Auch sollte es ein Volk von "Antipodianern" geben, Wesen mit 16 Fingern. Von der Brücke des Schiffs ich nichts: Regen, Wind, fünf Grad. Würde der Himmel noch ein wenig tiefer sinken, ertränke er im Meer.

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Die "Desdemona" am Kap San Pablo wurde angeblich mit Absicht auf Grund gesetzt. Versicherungsbetrug?

Wie die anderen 160 Passagiere ziehe ich mir eine leuchtend orangefarbene Rettungsweste über. Der Wind zerrt heftig an unseren Haaren. Die meisten von uns sind seit fünf Uhr auf den Beinen. Jetzt ist es sieben Uhr, und ich halte mit verquollenen Augen Ausschau nach Frühstück. "Desayuno?", frage ich. "Después de la visita!", entgegnet der Steward: Frühstück erst nach dem Landgang. Also lassen wir uns in den schon auf dem Wasser schaukelnden Schlauchbooten verstauen. Über unseren Köpfen kreist ein Albatros. "Auf zum Kap Hoorn!", ruft Ryan Baker. Mit ihm habe ich mich gleich nach der Abfahrt angefreundet. Vor 28 Jahren in Utah als Sohn eines Mormonen geboren, wuchs er in dem Glauben auf, dass gute Menschen weder rauchen noch trinken noch vorehelichen Sex haben. Mit 20 Jahren wurde er Missionar, predigte seine Überzeugungen in verschiedenen Teilen der Welt - und bekehrte niemanden. Entmutigt setzte er sich eines Abends in eine Kneipe in Laos, bestellte das erste Bier seines Lebens und beschloss, Anwalt in Kalifornien zu werden. Nach einem unspektakulären Landgang treffen wir beim Frühstück Luís Calderón. Er ist Küchenhilfe auf der "Mare Australis" und Sohn von Cristina Calderón, wie er mir bestätigt. Cristina Calderón wiederum ist eine feuerländische Berühmtheit: die "letzte reinrassige Yamana", die letzte Angehörige jenes aussterbenden Volkes also, dessen Angehörige hier einst als Seenomaden lebten. In ihren Kanus fuhren die Yamana den Beaglekanal auf und ab, stets auf der Suche nach Windschutz und Muscheln. Sie lebten nackt, Kleidung ersetzten sie durch eine dicke Schicht Tierfett.

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Kreuzfahrtpassagiere besichen einen Wasserfall in der Nähe des Gunther-Pluschow-Gletschers. Lange bevor niederländische Seefahrer 1616 die Passage um Kap Hoorn entdeckten, vermutete man hier eine Antiwelt mit schwarzer Sonne. Heute kreuzen Touristen ums Kap. Ihre Abenteuerlust kurbelt Feuerlands Wirtschaft an

Wärme spendeten ihnen auch die vielen kleinen fuegos, die Lagerfeuer, die der portugiesische Entdecker Ferdinand Magellan 1520 an diesen Ufern brennen sah. Als ich vor zwei Wochen in Ushuaia eintraf, hatte ich mich gleich auf die Suche nach Cristina Calderón gemacht. Ich fand sie in Puerto Williams, am chilenischen Ufer des Beaglekanals: eine alte Frau, die Souvenirs bastelt, um sie an Touristen zu verkaufen. Sie sagte mir, dass sie sehr stolz auf ihren Sohn sei, der auf der "Mare Australis", "dem schönsten aller Schiffe", Geschirr abwäscht. Ryan Baker schaut plötzlich sehr traurig, er befürchtet, dass auch das Aussterben dieser Indianer mit der Ankunft von Missionaren zu tun haben könnte. Ich beruhige ihn: 1884 richtete die argentinische Regierung im heutigen Ushuaia einen Flottenstützpunkt ein, kurz darauf starb ein Großteil der über 1000 Indianer an eingeschleppten Krankheiten wie Masern oder Typhus. Zwei weitere Jahre später zählte der britische Missionar Thomas Bridges noch 397 überlebende Yamana.

Bridges war ein guter Missionar, denn er nutzte die Zeit, um ein dickes Wörterbuch der aussterbenden Yamana-S prache zu erstellen. Als Quelle dienten wenige Indianer, die jedoch über ein unglaubliches Vokabular von 32 000 Worten verfügten. In Harberton, Bridges einstiger Missionsstation unweit von Ushuaia, habe ich in dem Wälzer geblättert. Das erste Wort, auf das ich stieß, war: taiyi-alagöna. Ins Englische übertragen: "To try to call as to see whether one will hear or come." Also besaßen die Yamana einen speziellen Begriff für das Rufen in die Einsamkeit - um zu sehen, ob jemand es hört und sich auf den Weg macht. Noch so ein Rezept.

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