Reisespecial Indien: Tipps für die erste Reise

Jenseits von Bollywood. Das Reich der magischen Farben und Geschichten lässt niemanden unberührt. Und der Zugang ist leichter als gedacht: GEO-Redakteur Florian Hanig kennt Indien von vielen Reisen und verrät seine Tipps

Für viele Reisende ist der erste Indien-Besuch eine Erfahrung, die ihr Leben verändert: Die Lebensfreude der Menschen, der sinnliche Glaube der Hindus, die tief verwurzelte Toleranz, der Rausch an Farben und Gerüchen - Indien ist intensiv und voller starker Erlebnisse – erst recht, seit sich das Land vom Sozialismus mit seinen zum Teil absurden Vorschriften und Einschränkungen verabschiedet hat. Durch Indien zu reisen kann heute ein Vergnügen sein, wenn Sie ein paar Ratschläge berücksichtigen:

Wohin in Indien?

Ich rate Freunden gern, mit dem Süden anzufangen: Die Kultur ist sanfter, die Städte sind moderner und sauberer, mehr Leute sprechen Englisch. Besonders Frauen fühlen sich im Süden wohler als im stärker muslimisch geprägten Norden.

Reisezeit

Statt vier Jahreszeiten werden in Indien nur drei unterschieden: die trockene, die heiße und die Regenzeit. Als beste Reisezeit gilt die dry season von Oktober bis Februar, mit Tagestemperaturen zwischen 20 und 30 Grad im Süden. Im Norden

herrscht meist T-Shirt-Wetter, nachts kühlt es ab. Indienflüge für Weihnachten und Neujahr sind meist schon Monate vorher ausgebucht.

Indien: Tipps für die erste Reise

Eine Reise nach Indien ist ein Abenteuer - doch mit ein paar Tipps findet sich jeder schnell zurecht

Buchungen

Hotels und innerindische Flüge bucht man am besten vor der Reise online, über ein Reiseportal oder direkt über die Websites der Hotels und Fluglinien (oder natürlich auch beim Reisebüro): Lassen Sie sich die Hotelreservierungen eine oder zwei Wochen vor Reiseantritt per E-Mail von den Hotels bestätigen und nehmen Sie die ausgedruckten Bestätigungen mit.

Unterwegs in Indien

Mietwagen gibt es, doch versuchen Sie lieber nicht, sich selbst hinters Steuer zu setzen. Sie würden um Jahre altern - in Minuten. Für einen chauffeur driven car zahlen Sie kaum mehr als für einen Wagen ohne Fahrer. In den Großstädten kosten acht Stunden um die 20 Euro. Für weite Distanzen ziehe ich die Bahn dem Bus oder Auto vor. Das indische Schienennetz ist eines der längsten der Welt. Die schnellsten Züge, vergleichbar unseren IC, heißen Shatabdi und Rajdhani Express und sind klimatisiert. In langsameren Zügen buche ich gern 2. Klasse non a/c, dann kann ich die Fenster hochschieben und zuschauen, wie die Landschaft vorbeiruckelt. Fahrkarten müssen im Voraus gebucht werden, entweder online bei www.irctc.co.in

oder über ein Reisebüro. Flugtickets kosten ungefähr so viel wie in Europa, werden nur als E-Tickets ausgestellt und können leicht am Telefon umgebucht werden. Wichtig: Drucken Sie Ihren Flugplan aus, sonst lassen die Sicherheitsleute Sie nicht in die Schalterhalle. Nicht mitfliegende Begleiter werden am Eingang ohnehin konsequent abgewiesen.

Küche

Die meisten indischen Restaurants in Deutschland servieren ölige nordindische Küche. Ich vermute, dass die Köche wegen miserabler Leistung vertrieben wurden und als kulinarisch Verfolgte in Deutschland Asyl erhalten haben. Die richtige indische Küche ist viel raffinierter, gesünder und besser. Inder gehen oft zum Essen aus und reden dabei am liebsten darüber, welches neue Restaurant sie gestern entdeckt haben. Viele Fünf-Sterne-Hotels verfügen über hervorragende Restaurants, mit Preisen, die sich an der örtlichen Klientel orientieren, weshalb ein Dinner für zwei meist zwischen 20 und 30 Euro kostet. Mehr Spaß machen aber kleine Spezialitäten-Restaurants:

Trishna. Ein winziges Fischrestaurant in Mumbai, das für seine Chili- und Knoblauch-Krabben berühmt ist und in dem Bollywood-Stars genauso gern essen wie alte Parsen und Juden aus der Nachbarschaft. Sai Baba Marg (next to Commerce House), Kala Ghoda, Fort, Tel. 022-22 70 32 13

Mavalli Tiffin Rooms in Bengaluru, in denen die besten Dosas Südindiens zubereitet werden, eine Art Crêpe aus Reis und Linsen. 14 Lalbagh Rd., vor dem Haupteingang zum Lalbagh Park, Tel. 080-22 22 00 22; montags geschlossen.

Hygienetipp

Den gefürchteten Delhi belly (Durchfall) kann man vermeiden oder zumindest abschwächen. Meine wichtigste Empfehlung: Werden Sie kurzfristig Vegetarier. Eine Fleisch- oder Fischvergiftung legt Sie für eine Woche lahm, Durchfall aufgrund von verdorbenem Gemüse oder unreinem Wasser haben Sie meist nach zwei Tagen hinter sich. Ich hab mir angewöhnt, in Indien nur fleischlos zu essen. Was nicht schwer ist: Die große Mehrheit der Hindus ist Vegetarier.

Kommunikation

Als Ausländer können Sie, zum Beispiel bei Airtel oder Vodafone, eine Prepaid-SIM-Karte kaufen, wenn Sie ein Passbild und eine Kopie Ihres Passes abgeben. Kosten: 495 Rupien für die SIM-Karte, wovon 396 Rupien als Gesprächsguthaben gelten. Das sind keine 5 Euro - und damit kann man gut zwei, drei Wochen lang telefonieren und SMS schicken.

Etikette

Inder sind ein ausgesprochen freundliches und tolerantes Volk. Frauen sollten aber nicht zu viel nackte Haut zeigen; oben ohne zu baden ist verpönt. Wenn Sie Freunde oder Geschäftspartner besuchen, bringen Sie ein Präsent mit. Ich versorge mich dafür im Duty-free-Shop immer mit Schweizer Schokolade. Wenn Inder den Kopf hin- und herwiegen und mit dem Kinn eine liegende Acht in die Luft malen, meinen sie "ja". Ein "Nein" ist ein kurzes angedeutetes Kopfschütteln. Wenn jemand erklärt, etwas könnte schwierig sein, ist er meist zu höflich, geradeheraus "Nein" zu sagen. Generell gilt: Auch wenn das Land sich oft mit einer modernen Benutzeroberfläche präsentiert – das Betriebssystem darunter ist mehr als 2500 Jahre alt. Vieles funktioniert in Indien einfach anders. Lassen Sie sich darauf ein. Wenn Sie versuchen, dem Land Ihre eigenen Regeln aufzuzwingen, denken Sie daran: Generationen britischer Kolonialbeamter sind vor Ihnen an dieser Aufgabe gescheitert.

GEO SAISON Nr. 01/2008 - China
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