Städtereise Städtereise: Münchens Biergärten

Unser Autor hat sich maßvoll durch seine bayerische Heimatstadt getrunken. Und für seine Hitliste der schönsten Biergärten die Verkehrsanbindungen und Preise gleich mit recherchiert. Ein launiger Städtetrip

Für Einsteiger: "Bierdimpfl" - so nennt man in Bayern gewohnheitsmäßige Biertrinker -, dazu Tagesgäste in Trachten aus dem Oberland, junge Backpacker vom Bahnhof und die halbe Belegschaft des Bayerischen Rundfunks, der gleich nebenan sendet, ergeben den bunten Publikumsmix im Augustiner-Keller. Seit 1812 lagert im Keller das Bier, darüber pflanzte man schattenspendende Kastanien – fertig war der Biergarten. Grün umrahmt lässt sich mit bis zu 5000 Gleichgesinnten die bayerische Lebensart bei Obatzm (Käse), Radi (gesalzenem Rettich), Steckerlfisch (gegrillter Makrele) und einer großen Brezn genießen. Sogar bis Mitternacht, was lange ist, denn die Münchener gehen meist schon um 16 Uhr in ihre Freiluft-Kneipen - und gegen 22 Uhr nach Hause (Arnulfstr. 52, S- und U-Bahn Hauptbahnhof,

www.augustinerkeller.de ; Maß 7,20 Euro).

Für Zugereiste: Der Biergarten am Chinesischen Turm mit seinen 7000 Plätzen im Englischen Garten gibt sich weltoffen: Vom 25 Meter hohen hölzernen Turm klingt Blasmusik, ringsum praktizieren Bayern Völkerverständigung mit Japanern, Amerikanern, EUNachbarn und dem Rest der Republik. Sehr gut: frischer Apfelstrudel mit Vanillesauce am Nachmittag. Danach kann, wer mag, mit den Nackerten auf den Wiesen ein Sonnenbad nehmen oder den City-Surfern im Eisbach am Haus der Kunst zusehen (U-Bahn Universität, www.chinaturm.de ; Maß Hofbräu 7 Euro).

Für Traditionalisten: Mit 8000 Plätzen ist der Königliche Hirschgarten Münchens größter Biergarten. Hier gibt es das traditionsreiche Augustiner-Bier der ältesten Brauerei der Stadt - und der letzten in Familienbesitz. Gezapft wird traditionell aus dem Holzfass. Man holt sich aus den Regalen einen Krug, spült und kühlt ihn in den Becken und lässt sich an den Zapfstellen das Bier einfüllen. Die schönsten Plätze liegen im hinteren Teil des weitläufigen Parks, wo ein Gehege mit Hirschen an die Tische angrenzt. Dort züchtete man früher Jagdwild fürs Schloss Nymphenburg (S-Bahn Hirschgarten,

www.hirschgarten.de ; Maß 6,30 Euro).

Für Neugierige: Die Postkarten-Idylle der St. Emmeramsmühle an der Isar, nördlich des Englischen Gartens, haben Prominente und die High Society aus Bogenhausen längst entdeckt. Nicht selten schauen Gäste in ein bekanntes Fernseh-Gesicht am Nebentisch. Im Garten vorn wird feine bayerische Küche serviert, im Biergarten hinterm Haus können Familien, Radler und Wanderer ihre Brotzeit auspacken (St. Emmeram 41, Metrobus 50 oder Bus 188, www.emmerams-muehle.de ; Maß Spaten 6,80 Euro).

Für Szenegänger: Am Isar-Hochufer vor der Innenstadt lagerte früher das Hofbräuhaus sein Bier im Hofbräukeller. Heute wird in dem Keller Theater gespielt, im schattigen Kastaniengarten darüber trifft sich das junge Publikum aus Haidhausen an der Sommerbar oder zum Public Viewing. Der größte Teil des Hofbräukellers ist aber nach wie vor ein traditioneller Biergarten - und der Wiener Platz davor einer der schönsten Altmünchener Plätze (Innere Wienerstr. 19, U-Bahn Max-Weber-Platz, Tram 18 Wiener Platz, www.hofbraeukeller.de ; Maß 7 Euro).

Für Asiafans: In einen Biergarten darf man eigenes Essen mitbringen und muss nur das Bier bestellen. Das Mangostin ist eine sogenannte Gartenwirtschaft, in der nur verspeist werden darf, was hier verkauft wird. Dafür sitzen die Gäste wunderbar im Schatten alter Bäume, und an den Grillstationen werden asiatisches Wok-Gemüse, Salate, Sushi und Curries zubereitet (Maria-Einsiedel-Str. 2, U-Bahn Thalkirchen, www.mangostin.de ; Maß Löwenbräu 6,90 Euro).

Städtereise: Münchens Biergärten

Im Chinesischen Turm gibt es statt Brezeln Sushi und Wok-Gemüse statt Weißwurst

Für Vorstadt-Fans: An heißen Sommertagen beschert der Michaeli-Garten Urlaubsgefühle. Das dichte Grün um den Ostpark-See lässt glauben, man sei irgendwo im Oberland. Familien aus den östlichen Vorstadtvierteln sitzen mit Picknickkörben an den Tischen am Seeufer, Kinder reiten auf Ponys vorbei, ferngesteuerte Miniaturdampfer gleiten über den See, und Spareribs brutzeln und duften auf den Grillrosten (Feichtstr. 10, U-Bahn Michaelibad, www.michaeligarten.de ; Maß Löwenbräu 7 Euro).

Für Radler: Schön, schick und teuer ist die Waldwirtschaft am Isar-Hochufer. Dafür gibt es im Pavillon der "Wawi" jeden Tag Jazz. Das Publikum kommt aus dem feinen Münchener Süden, dazu gesellen sich Radler, die nach einer Tour im Isartal zur Jause hier landen. Versuchen Sie, einen der Tische zum Tal zu ergattern - mit Blick über die dichtgrüne Au swingt es sich besonders schön. Und das sogar bis 23 Uhr. Eine frühere Sperrstunde zum Schutz der Anwohner der "Waldwirtschaft" hat 1995 die legendäre Biergartenrevolution ausgelöst: Mehr als 25 000 Münchener protestierten für den Erhalt ihrer Biergartenkultur, woraufhin eine neue Biergartenverordnung erlassen wurde (Georg-Kalb-Str. 3, S-Bahn Großhesselohe,

www.waldwirtschaft.de ; Maß Spaten 7,50 Euro).

Für Familien: Stellvertretend für die vielen kleineren Biergärten im Münchener Umland sei hier das Forsthaus Kasten genannt. Wie im Grimmschen Märchen liegt es auf einer Lichtung mitten im dunklen Wald. Für Kinder gibt es Hüpfburgen und ein Mais-Labyrinth (3 km von der S-Bahn Stockdorf, www.forstkasten.de ; Maß Paulaner 7 Euro).

Für Ausflügler: Mit der vollen Wucht und Pracht des bayerischen Rokoko lockt das Klosterbräu Schäftlarn gläubige Biertrinker und Wanderer ins Isartal südlich der bayerischen Hauptstadt. Mönche hatten sich schon früher um die Braukunst verdient gemacht. Heute stellen die Benediktiner von Schäftlarn köstlichen Schnaps und Honig her. Ein Besuch der Klosterkirche voller Stuck und Gold ist Pflicht, danach können Gäste im Hof auf den Biergartenbänken Rast machen. Das Kloster ist (noch) nicht rundum saniert, ein bisschen morbider Charme gehört eben dazu (S-Bahn Ebenhausen-Schäftlarn, www.abtei-schaeftlarn.de ; Maß Löwenbräu 5,50 Euro).

Für Überflieger: Als Einstiegsdroge bei der Anreise oder Abschiedsmaß vor dem Abflug - selbst am Flughafen gibt es eine Braukneipe. Im Airbräu werden feine, naturtrübe Biere gebraut. Und im "Garten" unter dem riesigen Dach zwischen den Terminals kommt bei Schweinshaxe und Wurstsalat tatsächlich Biergarten-Feeling auf. Vor allem, wenn sonntags Blasmusik spielt (S-Bahn Flughafen, www.munich-airport.de ; Maß Fliegerquell 4,80 Euro).

Für Busfahrer: Woher die vielen Kastanienbäume stammen und was Albert Einstein mit dem Oktoberfest zu tun hatte, erfahren Besucher bei der Biertour München. In gut zwei Stunden lernen sie während der Fahrt in einem Doppeldeckerbus die bayerische Hauptstadt und ihre Biergeschichte kennen - inklusive Visite einer Brauerei (Abfahrt: Nordseite des Hauptbahnhofs, Tel. 089-55 07 90 00, www.biertour-muenchen.de; Tickets 29–34 Euro).

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