Städtereise Städtereise: Luxemburg

Als Vorspeise einen Krimi verschlingen, dann eine deftige Bouneschlupp löffeln und zum Dessert ein Quetscheflued bestellen: auf Literaturreise im Schlemmerland

Lesen:

Statt sich dem Stress der Sterneküche auszusetzen, führt der vielversprechende Koch Xavier Kieffer in der Unterstadt das bodenständige Restaurant "Deux Églises", in dem er lokale Spezialitäten wie Hasenpfeffer und Riesling-Pastete zubereitet. Leider fällt in seinem Gastraum ein Restaurant-Tester tot um. Dieser Mord ist der Auftakt zu dem spannenden Luxemburg-Krimi "Teufelsfrucht" 1 (KiWi, 8,99 Euro), der hinter die Kulissen der Haute Cuisine blickt. Gleichzeitig lernt der Leser en passant die Hauptstadt des Großherzogtums samt ihren meist herzhaften Spezialitäten kennen. Nach der Lektüre würde man am liebsten im "Deux Églises" einkehren, eine Bouneschlupp, eine deftige Luxemburger Bohnensuppe, essen und ein Glas Elbling dazu bestellen. Das geht leider nicht, denn das Restaurant ist der Fantasie des Autors Tom Hillenbrand entsprungen. Also, auf ins Schlemmerland!

Essen:

Zum Auftakt ein Klassiker: Feiner als das "Deux Églises", aber ebenfalls mit Luxemburger Einschlag kocht Sterneköchin Léa Linster in ihrem Restaurant in Frisange, rund zehn Autominuten von der Hauptstadt entfernt. Linsters mit 18 Gault-Millau-Punkten dekorierte Menüs sind allerdings so beliebt, dass Sie unbedingt reservieren sollten, sonst wird es nichts mit Hechtklößchen oder Jakobsmuschel-Ravioli (Route de Luxembourg 17, Tel. 00352-23 66 84 11, www.lealinster.lu ; montags und dienstags geschlossen). Zusätzlich hat Linster jetzt in Kayl, zwanzig Kilometer südlich von Luxemburg Stadt, das Bistro Pavillon Madeleine eröffnet. In dem Bau aus Glas und Stahl lassen sich die Köche bei der Arbeit in der offenen Küche zusehen. Mittags stehen Fisch, Fleisch oder Salat für je 14 Euro zur Wahl, abends wird à la Carte gespeist (Rue du moulin 30, Tel. 00352-26 56 64; montags geschlossen. Tchibo bietet eine Reise zum "Madeleine" inklusive Vier-Gänge-Menü und zwei Nächte im Fünf-Sterne-Hotel an: www.tchibo.de ; ab 259 Euro).

In den verwinkeltsten Gässchen der Altstadt versteckt sich das &#206lot Gastronomique, das Gastro-Inselchen. Der Durchgang an der Rue de l’Eau beherbergt eine Reihe von Kneipen und Restaurants, am schönsten sitzt man bei französischluxemburgischer Küche Am Tiirmsche, in einem Patrizierhaus mit dicken Deckenbalken, Steinmauern und verträglichen Preisen (Rue de l’Eau 32, Tel. 00352- 26 27 07 33; sonntags geschlossen). In der Unterstadt serviert Mousel’s Cantine rustikalere Spezialitäten wie in Bier gegarten Schweinefuß und Sauerkraut (Montée de Clausen 46, Tel. 00352-47 01 98). Auf dem angrenzenden Areal der ehemaligen Brauerei Mousel stehen dicht an dicht Cafés und Restaurants mit Blick auf das Flüsschen Alzette, so auch das 2009 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Le Sud des Franzosen Christophe Petra mit schöner Panorama-Terrasse im fünften Stock (Rives de Clausen 8, Tel. 00352- 26 47 87 50, www.le-sud.lu ; sonntags und montags geschlossen). Zum Nachtisch empfiehlt Tom Hillenbrands fiktiver Koch Quetscheflued, Zwetschgenkuchen. Den gibt’s im echten Leben in den Confiserien Namur (Rue des Capucins 27) und Oberweis (Grand- Rue 19). Beide bieten neben Tartes, Torten und Schokolade auch Deftiges wie Quiches oder Sandwiches und ein Café. Auch die im Roman besungene Riesling-Pastete ist dort zu haben – oder im Feinkostgeschäft Kaempff-Kohler (Place Guillaume 18). Pralinen, die den Vergleich mit belgischen nicht fürchten müssen, produziert Nathalie Bonn im Chocolate House gegenüber dem Großherzoglichen Palast (Rue Marché aux Herbes 20).

Städtereise: Luxemburg

Früher Sitz der Benediktinermönche, dann Gefängnis, heute ein Kulturzentrum: Die Abtei Neumünster steht am Ufer der Alzette im Stadtteil Grund. Oben links: der Bockfelsen

Wohnen:

Moderne Kunst in der Lobby, im Frühstücksraum, auf den Zimmern und in der angeschlossenen Galerie - das Hotel Simoncini ist unverkennbar ein Art-Hotel. Komfortabel, zentral und schlicht, damit nichts den Bildern und Skulpturen die Schau stiehlt (Rue de Notre Dame 6, Tel. 00352- 22 28 44, www.hotelsimoncini.lu ; DZ/F ab 120 Euro). Unterhalb des Viadukts, das zur Ville Haute führt, steht das günstige Luxembourg City-Hostel (Rue du Fort Olisy 2, Tel. 00352-22 68 89 20, www.youthhostels.lu ; DZ/F ca. 50 Euro).

Ansehen:

Die Schauplätze des Krimis lesen sich wie eine Anleitung zur Stadtbesichtigung. Auf der von Cafés umzingelten zentralen Place Guillaume II, im Volksmund Knuedler genannt, ist mittwochs und samstags Markt. Da die ehemalige Festung Luxemburg auf hohen Fels gebaut ist und von zwei Flusstälern umarmt wird, sind spektakuläre Ausblicke fast die Regel. Einen der besten hat man vom Felsbalkon der Corniche. Einige Schritte weiter nördlich steht der von einem Höhlen- und Gänge-Labyrinth durchlöcherte Bockfelsen. Bei einer wilden Verfolgungsjagd im Krimi stürmt Koch Kieffer durch die nächtlichen Kasematten. Für Touristen sind sie allerdings nur tagsüber geöffnet (Montée de Clausen; 10–17 Uhr; 3 Euro). Mit dem Fahrstuhl, der Luxemburgs Ober- mit der Unterstadt verbindet, kommen Besucher vom Plateau du St-Esprit nach Grund. Bei einem Spaziergang entlang der Alzette hat man mitten in der Stadt den sehr erholsamen Eindruck, auf dem Dorf zu sein. Einen Gegenentwurf liefert die hochmoderne Architektur des Kirchberg-Plateaus, wo EU-Institutionen, Banken, die Philharmonie und das Museum für moderne Kunst ihren Sitz haben. Mein Tipp: Schnappen Sie sich eines der vielen Leihfahrräder. So werden Sie zumindest einen Teil der Kalorien wieder los, die man sich unweigerlich anfuttert. Es sei denn, man belässt es bei der Lektüre des Romans. Viel köstlicher ist es aber, "Teufelsfrucht" als Amuse-Gueule zu verschlingen und das Hauptgericht vor Ort zu verspeisen.

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