Städtereise Städtereise: Melbourne

Mag Sydney doch denken, dass sie die Nummer eins ist: Melbourne steht längst auf dem Siegertreppchen, wenn's um feine Küche, Parks und Sport geht. Für unseren Stadtbilderbogen stiegen die Reporter aufs Rad
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Melbourne by bike
Essen und Shopping

Melbourne by bike

Stadt mit Drive.

Über unseren Köpfen tosen Autos und Straßenbahnen, während Murray uns unter der Brücke mit einem aufmunternden "No worries!" die Helme überstülpt. Am Federation Square beginnt die Mountainbike-Tour durch Melbourne - auf der "falschen Seite", wie der Guide grinsend ankündigt. "Ihr werdet staunen, wie grün diese Stadt ist", sagt Murray, und los geht’s. Der Weg am Ufer des Yarra River trägt uns fort vom Radau in eine Welt der Ruhe und leisen Bewegung: Jogger überholen uns, Ruderer lassen ihre Skiffs zu Wasser, Liebespaare schmusen auf der Ufermauer. Vor 175 Jahren wurde Melbourne an diesem Fluss gegründet, hier schlängelt er sich friedlich durch die Millionenstadt.

Federation Square. Melbourne Visitor Centre, www.thatsmelbourne.com.au ; Real Melbourne Bike Tours: Tagestour ca. 80 Euro, www.rentabike.net.au

Städtereise: Melbourne

Schönheit zwischen Charme und Zweckmäßigkeit - der Architekturmix in Belgrad

Die südlichste Metropole der Welt.

1835 haben Holzhändler aus Tasmanien den Aborigines dieses sumpfige Stück Land am Indischen Ozean abgekauft. Ohne die Goldfunde um 1850 wäre Melbourne heute ein Provinzkaff. Innerhalb kurzer Zeit vervielfachte sich die Einwohnerzahl von 10 000 im Jahr 1840 auf 500 000 im Jahr 1900, auf eine Million im Jahr 1930. Inzwischen leben hier vier Millionen Menschen, Melbourne wächst. Wir stehen auf einer Brücke, hören die Maschinen, die die Straße zum Highway verbreitern, riechen Teer, sehen die Kräne, die unten am Fluss die Hochhäuser der Docklands in den Himmel ziehen. Was macht Melbourne so lebenswert? Ist es die Klugheit der Stadtplaner, die ihre Altstadt nicht preisgegeben, sondern zum unantastbaren Zentrum der Stadt erklärt haben? Sind es die Grünanlagen, die dem Central Business District mit seinen Bürowolkenkratzern die Härte nehmen? Ist es die Nähe zum Ozean, den man per Straßenbahn erreicht? Murray behauptet, es ist der Sport, und fordert uns auf, ihm zu folgen.

City circle Tram. Für den ersten Eindruck lohnt die kostenlose Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn, www.metlinkmelbourne.com.au

Auf die Plätze! Bei den Sportkanonen.

Rund um die Schüssel des Melbourne Cricket Ground stehen verdiente Spieler - mannshoch in Bronze. Anderswo hebt man Feldherren oder Dichter auf den Sockel, hier ehrt man Sportler. Eigentlich absurd, ein Stadion zu besuchen, in dem nichts los ist. Und wenn hier gespielt würde, kapierte man es nicht, denn Cricket ist nicht nur die langweiligste, sondern auch die unverständlichste Sportart der Welt. Doch Murray meint, dass man Orte wie diesen gesehen haben muss, "um die Stadt zu verstehen. Um Australien zu verstehen!" Ein sportverrücktes Land. Und Melbourne ist seine Bühne. Für das Tennisturnier Australian Open, den Formel-1-Lauf zum Großen Preis von Australien oder das Pferderennen um den Melbourne Cup, bei dem die Hüte der Zuschauerinnen so wichtig sind wie die Läufe selbst. Wir blicken in das Rund des Stadions. "Es ist das größte der südlichen Hemisphäre", behauptet Murray. Ein Superlativ, dem wir noch häufiger begegnen werden. Es gilt hier etwas, wenn Melbourne ganz oben auf dem Siegertreppchen steht – und nicht Sydney.

Melbourne Cricket Ground. Sports Lovers Tours, Tour ca. 70 Euro www.melbournesportstours.com.au

Grossstadtdschungel: Die Parks.

Vom Stadion in den Docklands cruisen wir über fein asphaltierte Wege zu den Fitzroy Gardens. Bunya-Bunya-Bäume und rot blühende Flamboyants säumen die Rasenflächen. Kinder haben die Ranzen weggeworfen und jagen einander in ihren Schuluniformen übers Gras. Mütter hocken auf ausgebreiteten Decken, Babys krabbeln übers Patchwork. Die Parks in Melbourne, das sich Australiens garden city nennt, zeigen alle einen eigenen Charakter: Die Fitzroy Gardens wurden im viktorianischen Stil angelegt, mit breiten und geraden Pfaden. In den Carlton Gardens führen alle Wege zum dominanten Royal Exhibition Building: ein weißes Gebäude mit Kuppeldach, heiter wie eine Sommerresidenz. Spaziergänger sitzen am Springbrunnen und trinken Kaffee, den sie am Kiosk gekauft und sich selbst serviert haben. Murray hält kurz an. "Das Exhibition Building gehört zum Melbourne Museum", sagt er und fügt mit bedeutungsschwangerer Stimme hinzu: "Es ist das größte Museum der südlichen Hemisphäre."

Melbourne Museum. Nicholson Street, Eintritt ca. 6 Euro

www.museumvictoria.com.au

Essen und Shopping

Foodie-Town.

Sicher liegt es auch am Geschmack unseres Guide, dass wir stets in Cafés und Restaurants landen, die ungewöhnlich gute Küche bieten. Aber in der "kulinarischen Hauptstadt Australiens" ist die Wahrscheinlichkeit, ausgezeichnetes Essen zu bekommen, naturgemäß hoch: Melbourne liegt schließlich eingebettet zwischen den Weinbaugebieten des Yarra Valley und direkt am Meer. Auch brachten die Einwanderer ihre besten Rezepte mit in den Süden. Während in Sydney asiatische Einflüsse stark sind, prägt europäische Kochkunst die Küche Melbournes. Mit "Vue de Monde", "Rockpool Bar & Grill" und dem "Koko" hat Melbourne laut www.australiatop.com drei der zehn besten Restaurants des Landes. Zu den noch bezahlbaren Stars am Gourmet-Himmel zählt das "Pearl" (die Jakobsmuscheln sind göttlich). Pearl. Church St. 631, www.pearlrestaurant.com.au. Wir Radler - ein wenig underdressed - wählen lieber die "Enoteca" von Brigitte Hafner. Sie stammt aus Deutschland und empfängt im ersten Stock ihre Gäste am langen Tisch vor der offenen Küche, serviert italienische Vorspeisen, französische Hauptgerichte und österreichischen Kuchen.

Enoteca. Gertrude St. 229, www.getrudestreetenoteca.com

Im Kiez.

Wir radeln durch den Alternativstadtteil Fitzroy, vorbei an Modeläden, Kneipen und Tattoo-Ateliers. Es fährt sich cool und easy, längst haben wir unsere Befürchtungen über den Verkehr abgelegt. Wir schließen die Räder vor "Young & Jackson" an, einer microbrewery. Ich probiere das "Naked Ale". Als der Wirt erfährt, dass ich aus Deutschland komme, entschuldigt er sich fast für das Getränk. Doch es schmeckt frisch und süffig. Erfreut über mein Lob, schenkt der Wirt ein Porter ein. "And this is nice too", sagt er und füllt nach.

Young & Jackson. Swanston Ecke Flinders St., www.youngandjacksons.com.au

Das Shopping-Labyrinth.

Durch schmale Straßen rollen wir in die Innenstadt, the grid genannt. Das Gitter ist das 1837 von Robert Hoodle angelegte Grundraster Melbournes. Man kann es kaum erkennen, wenn man in den Arkaden und Gässchen, den laneways, steckt. Murray fährt mit uns zum Eureka Tower. Der 297 Meter hohe Turm, so Murray in seiner Die-Superlative-Australiens-Stimme, zählt zu den höchsten Wohnhäusern, wir ahnen es, der südlichen Hemisphäre. Es wird ein Himmelfahrtskommando: Der Fahrstuhl saust in 40 Sekunden in die 88. Etage zur Aussichtsplattform, einem dunklen Raum. Plötzlich bewegt sich die Kabine. Von irgendwoher klingt es, als würde Glas splittern. Und dann stehen wir in der Luft: The Edge heißt dieses Abenteuer in einem Kubus aus High-Tech-Glas, der hydraulisch aus dem Gebäude gefahren und dann durchsichtig gemacht wird.

Von oben erblicken wir das Layout der Stadt: Central Business District, Docklands, der Yarra, die Parks. In der Ferne das Meer, über das die Gründer Melbournes kamen – um es mit Murray zu sagen: die Väter einer der sehenswertesten Städte der südlichen Hemisphäre. Eureka Tower. Riverside Quay 7, Tel. 03-96 93 88 88, www.eurekaskydeck.com.au

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