Ein Pool ist eine Jauchegrube

Für die Ohren bedeutet Reisen Stress. Spezielle Stöpsel sollen sie schützen. Doch Professor Dr. Roland Laszig, Direktor der HNO-Klinik in Freiburg, hält nichts davon

GEO SAISON: Wer schon über den Strand gehüpft ist, um Wasser aus dem Ohr zu kriegen, könnte Produkte wie „Clear Ears“ interessant finden: Die Stöpsel sollen den Gehörgang nach dem Schwimmen trocknen. Warum raten Sie davon ab?

Roland Laszig: Der Stöpsel schiebt zum einen das Ohrenschmalz tiefer in den Gehörgang und verstopft ihn. Zum anderen kann der Schaumstoff, mag er auch noch so weich sein, kleinste Verletzungen in der Hautoberfläche herbeiführen. Und dann springt man in den Pool, der ja hygienisch betrachtet eine Jauchegrube ist, Pilze und Bakterien nisten sich in diesen sogenannten Mikroläsionen ein, es kann zu Entzündungen kommen.

Was empfehlen Sie?

Der simpelste Trick ist, den Kopf zur Seite zu legen, das Wasser läuft einfach raus. Man kann auch mit einem Wattestäbchen vorsichtig den Gehörgangseingang trocken tupfen. Bei einigen Menschen kommt es zu einer gutartigen Wucherung der Gehörgangsknochen, dadurch verengt sich der Weg zum Trommelfell, es dauert länger, bis das Ohr trocken wird.

Wie verhindert man, dass Wasser überhaupt ins Ohr eindringt?

Sicherlich gibt es auch dafür teure Stöpsel. Ich empfehle, entweder man lässt sich vom Hörgeräte-Akustiker einen passgenauen otoplastischen Verschluss anfertigen, wie er auch für den Einsatz von Hörgeräten verwendet wird, der verschließt das Ohr von außen, kostet aber rund 100 Euro. Oder man tränkt einen Wattebausch in etwas Speiseöl – dabei ist es egal, ob Sonnenblumen oder kalt gepresstes Olivenöl – und verschließt den Gehörgang auf klassische Weise mit der Watte, das Öl wirkt zudem wasserabweisend.

Das Ohr ist auf Reisen im Stress. Im Flugzeug klagen viele Passagiere über Schmerzen. Auch dafür soll es Hilfsmittel geben. Ebenfalls Blödsinn?

Dieser Druck lässt sich doch mit einem Stöpsel nicht ändern. Wenn ein Flugzeug aufsteigt, besonders aber, wenn es sinkt, ändert sich der Kabinendruck. Durch das Schlucken geht die Ohrtrompete auf, der Druck im Mittelohr gleicht sich dem Kabinendruck an. Im Landeanflug halte ich es wie erfahrene Vielflieger und gähne weit und herzhaft, dadurch wird der Druck ausgeglichen. Wer weiß, dass er damit Probleme hat, dem empfehle ich, vor Beginn der Landung ein Nasenspray zu verwenden.

Zum Schluss noch eine Frage zu einem Mythos des Reisens: Kann es tatsächlich zu einer Mittelohrentzündung kommen, wenn man mit einer Erkältung fliegt?

Theoretisch ja. Aber ich habe noch nie einem erkälteten Patienten geraten, nicht zu reisen.

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