Hiergeblieben: Fünf Meertipps in Deutschland

Die stille Rückseite der Kaiserbäder, ein Dschungel, ein Strand-Exil nahe der "Langen Anna"... GEO SAISON Autoren schwören auf fünf Orte, die eins gemein haben: den Blick aufs Wasser
Ostsee
In diesem Artikel
Waterkant: Halbinsel Eiderstedt
Waterkant: Usedom
Waterkant: Die Urwaldinsel Vilm
Waterkant: Rosenhagen
Waterkant: Helgoland

Waterkant: Halbinsel Eiderstedt

Für das Sommerglück an der Nordsee

ÜBERNACHTEN

HOTEL LUNDENBERGSAND.

Silbergrau leuchtet das Reetdach des großen, weißen Hauses am Deich. Die Zimmer sind hell und mit ihren grün-blau-weiß gestreiften Bettpodesten fast urban, die Küche ist regional. Es gibt Sauna und Pool.

Simonsberg, Lundenbergweg 3, Tel. 04841-8 39 30, DZ/F ab 99 €, www.hotel-lundenbergsand.de

FERIENWOHNUNGEN.

Es werden hübsche Häuschen angeboten, etwa ein reetgedecktes Backsteinhaus mit Kaminofen und großem Wohnzimmer ab 69 Euro pro Tag (in der Hauptsaison nur wochenweise zu vermieten).

Angebote: www.urlaub-anbieter.com

EINKEHREN

DER ROTE HAUBARG.

Typisch für die EIDERSTEDT-HALBINSEL sind diese großen Bauernhöfe mit ihren gewaltigen Reetdächern, unter denen Mensch und Tier lebten. Die Form wurde im späten 16. Jahrhundert von westfriesischen Einwanderern mitgebracht. Es gibt nur noch knapp vierzig Gebäude diesen Typs, der weiße „Rote Haubarg“ zählt zu den schönsten und ist heute Restaurant und Café mit großer Terrasse.

Witzwort, Sand 5, Tel. 04864-8 45, Mo geschl., www.roterhaubarg.de

UNTERNEHMEN

WATTFÜHRUNGEN.

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat einige Naturstationen an der Küste, etwa bei Simonsberg. Von da aus starten mehrmals wöchentlich Exkursionen – unter wissenschaftlicher Begleitung – ins Watt.

Naturstation Simonsberg, Dorfstr. 153, Kontakt über die Naturstation Wester-Spätinge, Tel. 0172-750 17 77, www.westerspaetinge.nabu-sh.de

Tipps von Dirk Lehmann

Hiergeblieben: Fünf Meertipps in Deutschland

Die Waterkant in St.Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt

Waterkant: Usedom

Mach keine Welle Ahlbeck, Heringsdorf? Da nehmen Strandkenner Haltung an. Doch wer kennt schon KAMMINKE?

Schade auch. Oder gut so! Denn der Küstenabschnitt nahe dem 300-Seelen-Dorf auf Usedom verheißt Sommerferien wie früher: einfach, leise und bescheiden.

Auf der Südseite der Insel, mit Blick auf das Stettiner Haff, kommt einem der Rummel der großen Kaiserbäder Lichtjahre entfernt vor.

Väter müssen sich nicht beim Bau abgrenzender Strandburgen selbst verwirklichen, Mütter verteilen Stullen und selbstgebackenen Kuchen aus der Kühltasche, und Brause gibt’s im Pappbecher.

Die Kinder toben an der Buhne im flachen Wasser, das wie ein großer, sanfter See wirkt, obwohl es mit dem offenen Meer verbunden ist. Und der Ostseesand ist pudrig weich, genauso wie in Ahlbeck.

Kamminke, das Dorf mit den reetgedeckten Häusern, liegt am Steilufer nahe der polnischen Grenze. Von der Mole weht der Duft von gebratenem Fisch herüber.

Dort steht ein einsames Haus, der „Klönsnack“. Familie Hartmann räuchert selbst und brät Butterfisch und Stremellachsfilet. Zwei bärtige Rocker spielen mit Gitarre und Verstärker Oldies dazu. Man muss ja nicht alles mögen.

KLÖNSNACK.

Fischräucherei und Gaststätte. Kamminke, Auf der Mole, Tel. 038376-2 97 76, www.fischraeucherei-kamminke.de

Tipp von Till Bartels

Waterkant: Die Urwaldinsel Vilm

Im unaufgeräumtesten Wald Deutschlands gilt eine eiserne Regel: Wer an einer geführten Wanderung über die Insel VILM teilnimmt – und auf Vilm sind nur solche erlaubt –, darf den etwa drei Kilometer langen Rundweg, der durch den alten Wald führt, nicht verlassen.

Einem Teilnehmer unserer Gruppe fällt das besonders schwer: Der schwedische Forscher ist Experte für seltene Baumpilze und würde am liebsten auf allen vieren durch das Unterholz kriechen.

Auf Vilm im Rügischen Bodden gedeiht und vergeht ein Wald aus Buchen, Ulmen und Eichen, den seit 1538 kein Förster mehr aufgeräumt hat. Morsche Bäume verrotten, wo sie einknicken, und werden nur beiseite geräumt, wenn sie auf den Weg stürzen.

Seit 1936 steht dieser Wald unter Naturschutz. Von 1959 an verbrachten hier einige Mitglieder der DDR-Politprominenz so manchen Urlaubstag, darunter auch der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker.

Doch der alte Wald trägt keine Spuren aus dieser Zeit, hat sogar davon profitiert, dass die 94 Hektar große Insel als Sperrzone galt. Fast alle Küstenformationen des südlichen Baltikums trifft man hier unverändert an: Strand, Röhricht, Geröll und jenen Wald, der bis zur Steilküste reicht.

Regelmäßig brechen Stückchen davon ab, es heißt jedoch, der Boden werde im Südwesten wieder angespült, an einem der beiden „Haken“. Was damit gemeint ist, versteht nur, wer eine Luftaufnahme der Insel sieht oder, noch besser, eine historische Zeichnung, manche zeigen Vilm wie einen von Kinderhand gemalten Fisch, ihre Haken bilden dessen Schwanzflosse.

Wir sind noch tiefer in den Wald vorgedrungen, und der schwedische Pilzexperte ringt mit sich wie Jekyll mit Hyde, denn zwischen Rotbuchen und Ulmen entdecken wir auf der Rinde einer 600 Jahre alten Eiche einige metallisch schimmernde Krabbeltiere, Juchtenkäfer! Eine vom Aussterben bedrohte Art, die nur in nordeuropäischen Urwäldern lebt. Und auf Vilm.

INFO

Die Insel Vilm gehört zur Stadt Putbus auf Rügen. Geführte Rundgänge sind nur mit dem Personal der Reederei Lenz möglich, die einmal, manchmal auch zweimal täglich vom Hafen Lauterbach aus den Vilm ansteuert. Pro Rundgang dürfen maximal 30 Teilnehmer die Insel betreten.

Vor allem in Ferienzeiten deshalb am besten im Voraus buchen:

Reederei Lenz, Tel. 038301-6 18 96, Erwachsene zahlen 16 €, Kinder von 4 bis 12 Jahren 9 € für Überfahrt und Führung, www.vilmexkursion.de

ÜBERNACHTEN

MARINA IM JAICH.

Im Yachthafen von Lauterbach dümpeln schwimmende Ferienhäuser, ein- und zweigeschossig. Die Einrichtung ist skandinavisch, aus Holz, schlicht, gradlinig, und von der Terrasse aus kann man direkt ins Wasser springen.

Lauterbach, Am Yachthafen 1, Tel. 038301- 80 90, Schwimmendes Haus oder Pfahlhaus für zwei Personen ab 115 €, www.im-jaich.de

Tipp von Andrea Freund

Waterkant: Rosenhagen

Zelten und grillen am Ostseestrand

Es ist nicht seine Bratwurst, die auf dem Grill bräunt. Es ist auch nicht seine Familie, die da rund um Rost und Glut sitzt. Aber es riecht an diesen Abend verdammt verlockend bei den fremden Leuten am Strand von ROSENHAGEN.

Der Labrador jedenfalls hat sich spontan zu ihnen gesellt und dentreuesten Hundeblick aufgesetzt. Von weither pfeifen und rufen Herrchen und Frauchen.

In Rosenhagen auf der Mecklenburger Seite der Lübecker Bucht ist beides möglich, ohne dass jemand mosert: Hunde frei laufen lassen und grillen. Sogar zelten darf man am Strand.

Der Mini-Ort mit seinen zwei Dutzend Häusern liegt weitab der Landstraße, und die Holperpiste durchs Dorf endet 300 Meter vorm Strand. Hotels, Restaurant, Kurverwaltung: alles Fehlanzeige. Nur das kleine „Café Strandgut“ in der Straße des Friedens bietet Kaffee und Kuchen und vermietet ein paar urige Blockhäuser.

Der Star hier ist und bleibt der naturbelassene Ostseestrand, beliebt bei allen, die eine Auszeit vom organisierten Urlaubsbetrieb suchen. Gern mit Grill und Hund. Und mit Bad im Meer. Auch ohne Badehose. Wo? Rosenhagen zwischen Pötenitz und Groß Schwansee.

Tipp von Helge Sobik

Waterkant: Helgoland

Exil auf einer Düne

Und dann kommt der Moment, an dem die Insel aufpoppen müsste wie ein unter die Wasseroberfläche gedrückter Ball – wenn das letzte Ausflugsschiff ablegt und alle Tagesgäste, die zum Kaufen von Schnaps und Zigaretten dort waren, wieder auf dem Heimweg sind.

Das ist gegen 16 Uhr. Am Strand der Düne liegend, Helgolands Nachbarinsel die bis 1720 über einen Damm mit der Hauptinsel verbunden war, kann man die hin und her pendelnden Börteboote beobachten, die die Tagesgäste zu den Schiffen bringen, das fröhliche Rufen mancher angeschickerter Besucher hören, das Abschiedstuten der Ausflugsdampfer.

Und dann die Ruhe, das Rauschen der Wellen, das Rieseln des Sandes im Wind und das Kreischen der Möwen. Ich rolle mein Handtuch auf, mache mich auf, das selbst gewählte Exil zu verlassen. Während der Hauptbesuchszeit ist HELGOLAND nicht leicht zu ertragen, oft kommen bis zu 4000 Tagesgäste auf die Insel.

Auf die Düne aber fahren sie nicht, tagsüber ist sie ein Ort der Ruhe, ein Traumstrand in der See. Ich warte am Fähranleger, neben einem jungen Paar, das sich auch hierher zurückgezogen hat. Wir besteigen das Boot und fahren nach Helgoland. Denn jetzt gehört die Insel uns.

ÜBERNACHTEN

BUNGALOWDORF AUF DER DÜNE.

Von Anfang April bis Ende Oktober werden die 25 Holzhäuser auf der Düne vermietet, sie sind 34, 45 und 55 Quadratmeter groß, schlicht, aber ansprechend möbliert. Helgoland, Tel. 04725-81 12 51, 1. Nacht ab 145 €, jede weitere ab 100 €, www.helgoland.de

Tipp von Dirk Lehmann

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