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Interview Eine Kleinfamilie in Angkor


Die Tempelanlagen von Angkor sind für die GEO Special-Weltreise-Gewinner ein Highlight ihrer Reise. Was sie zwischen Buddahstatuen und Tuk Tuk-Fahrten alles erlebt haben, erzählen sie im Interview

Wo sind Sie momentan?

In Angkor bei Siem Reap, Kambodscha.

Was gab es heute Morgen zum Frühstück?

Teuren Kaffee, den wir uns morgens um fünf Uhr direkt vor den Tempelanlagen gekauft haben. Beim Sonnenaufgang danach gab es dann Sandwiches vor der eindrucksvollen Kulisse Angkor Wats.

Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster gucken?

Durch die steinernen Fensterrahmen sehe ich Tempel, steinernde Buddhas ca. 1000 Jahre alte Khmer-Kunst.

Flip-Flops oder Wanderschuhe?

Mittlerweile habe ich meine Flip Flops gegen alte Turnschuhe und einen Verband getauscht, den Julia mir um den verwundeten Fuß gelegt hat.

Und wie ist das Wetter jetzt?

Es ist weiterhin heiß und schwül. Gegen den vielen Staub in der Luft tragen wir jetzt, wie viele Einheimische auch, Mundschutzmasken, wenn wir mit dem Tuk Tuk unterwegs sind.

Das Highlight der letzten Woche?

Unsere Highlights bei unserer dreitätigen Tempeltour waren Banteay Srei, das erste Bauwerk Angkors, das 1931 restauriert wurde und am besten erhalten ist. Auch wirklich schön war der Ta Prohm-Tempel. Er ist überwuchert von riesigen Bäumen und diente als Kulisse für den Film Tomb Raider mit Angelina Jolie. Die Hindu-Kunst von Banteay Srei hat uns vor allem mit ihren wunderschönen Giebeln beeindruckt, auch Tympana genannt. Sie erzählen ganze Geschichten von verschiedenen Götter und Dämonen, die, wenn man es einmal genau nimmt, irgendwie Soapcharakter haben. In einer „Giebelszene“ schießt zum Beispiel Kama, der Gott der Liebe, einen Pfeil auf den meditierenden Shiva ab, damit dieser seine in der Gestalt eines Vogels auftretende Gefährtin Uma wahrnimmt. Die Tempel von Angkor haben uns tatsächlich das erste Mal das Gefühl vermittelt, dass es hier einmal etwas Übermächtiges gegeben haben könnte.

Interview: Mutter und Tochter entdecken die Tempelanlagen von Angkor in Kambodscha
Mutter und Tochter entdecken die Tempelanlagen von Angkor in Kambodscha
© privat

Der Tiefpunkt der letzten Woche?

Der Tiefpunkt der letzten Woche waren die Begegnungen mit den vielen bettelnden oder arbeitenden Kindern in Siem Reap sowie in und vor den Tempeln Angkors. Besonders ist uns Bai Sai in Erinnerung geblieben. Als wir sie das erste Mal in der touristischen Innenstadt von Siem Reap trafen, fragte sie uns in bestem Englisch nicht nach Geld, sondern direkt nach etwas Essbarem. Mir kam es vor, als redete ich mit einem Erwachsenen. Leider hatten wir nichts dabei. Wie sie so vor uns stand mit ihrem drei Monate alten Bruder im Arm, der irgendwie weggetreten wirkte, wurde uns ganz anders. Obwohl wir schon von dieser mitleiderregenden "Masche" und der dahinter wirkenden Mafia gehört hatten, änderte dieses Wissen nichts an unserem Gefühl. Am nächsten Tag trafen wir sie wieder und beim dritten Mal reichte es uns, und wir gingen mit ihr in den nächsten Supermarkt und kauften Milchpulver für ihren Bruder, das nach ihren Aussagen sein Überleben für die kommenden drei Monate sichern sollte. Wir waren schon mehr als bedrückt, als wir später mit einem Tuk-Tuk-Fahrer darüber sprachen. Zu allem Überfluss berichtete er uns dann auch noch, dass die Kinder das Milchpulver an den Supermarkt zurück verkaufen würden, dies allerdings nur zum halben Preis. So mache der Supermarkt also Gewinn. Wiederum dreiviertel der übrigen Einnahmen müssten die bettelnden Kinder als "Schutzgeld" an die Polizei abgeben, die in diesem Fall tatsächlich auch noch direkt an der Ecke des Supermarkts stand. In den nächsten Tagen habe ich Bai Sai gesucht, um noch einmal mit ihr zu sprechen, aber unter den vielen Kindern mit ihren Geschwistern im Arm fand ich sie nicht. Bai Sai war gerade mal neun Jahre alt.

Wenn Sie mit drei Dingen am Tag auskommen müssten, dann wären das?

Wasser, Tuk Tuk, Fotoapparat.

Die beeindruckendste Person, die Sie unterwegs getroffen haben?

Die beeindruckendste Person, die wir hier getroffen haben, war Koen. Koen ist 30 Jahre alt und war unser persönlicher Tuk Tuk-Fahrer während unserer dreitägigen Tempeltour. Er ist einer von Tausenden Tuk Tuk- Fahrern in Siem Reap und Angkor und spart seit Jahren für sein Wirtschaftsstudium in Phnom Penn. Er möchte einmal in den Reishandel einsteigen und dafür sorgen, dass jeder Kambodschaner genug davon hat. "Reis ist lecker und macht satt", sagte er und lächelte. Wie die meisten anderen Fahrer lebt auch er regelrecht auf seinem Tuk Tuk. Wasser und seinen "Sticky Rice" hatte er unter seinem Sitz, und als wir aus Angkor Wat herauskamen, hatte er sich eine Hängematte in dem kleinen Anhänger aufgespannt und schlief gemütlich. Wir weckten ihn vorsichtig, und dann ging es auch schon weiter nach Angkor Thom. Begeistert hat uns das genügsame Leben dieser vielen freundlichen Tuk Tuk- Fahrer und ganz besonders Koens, weil er uns mit seiner bescheidenen und lustigen Art immer wieder zum Lachen brachte.

Was haben Sie heute noch vor?

Nach drei Tagen in Angkor sind wir völlig "übertempelt". Morgen geht es weiter mit dem Bus nach Kratie.

Das schönste Souvenir aus Kambodscha?

Unsere schönsten Souvenirs sind Julias neue Kulturtasche und mein neues Portemonnaie, aus alten Zementsäcken gefertigt, die wir auf dem alten Nachtmarkt in Siem Reap ergattert haben.

Tipp der Woche?

Wenn man den Tempel- oder Straßenkindern wirklich etwas Gutes tun möchte, sollte man doch besser an eine entsprechende Organisation spenden oder sich anderweitig dort engagieren. Zudem noch ein Tipp zu Angkor selbst: Macht man die Drei-Tage-Tour in Angkor über eine Woche verteilt, hat man zwischendurch Zeit, Pause zu machen und kann die Eindrücke sacken lassen.

Was ist der überflüssigste Gegenstand im Gepäck momentan?

Unsere Soft-Shell-Jacken.

Madita’s Statement zu Kambodscha?

"Papa, wenn wir wieder zu Hause sind, will ich auch arbeiten."

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