Fahrradtour Tour de Ruhr

Auf stillgelegten Bahnschienen geht’s durch bergiges Gelände und dann immer an der Ruhr entlang bis nach Duisburg. Eine Radtour durch den einstigen Kohlenpott
In diesem Artikel
Die Südschleife
Der Klassiker

Vom Wald- und Wiesenpanorama zur Industriekulisse: Seit der "Sauerland- Radring" in die Verlängerung ging und 2012 seine Nordschleife eröffnet wurde, trifft er in Meschede auf einen Klassiker: den Ruhrtal-Radweg, der dem Fluss auf 230 Kilometern von der Quelle bis zur Mündung im Duisburger Binnenhafen folgt. Seitdem können Radler eine Bergetappe als Auftakt für eine Flussfahrt wählen, zuerst durch einsame Wälder fahren und sich dann auf einer "Tour de Ruhr" den Schornsteinen und Schloten nähern. Der Clou: Obwohl die ersten Etappen durch bergiges Terrain führen, kommen sie fast ohne steile Anstiege aus, denn sie verlaufen auf alten Bahntrassen.

Wer möchte, fährt die komplette Tour an vier bis sieben Tagen, andere radeln nur einen Teilabschnitt.

Tour de Ruhr

Ein Highlight auf der Radtour durch das Ruhrgebiet: der Hennesee

Die Südschleife

Der Ort Finnentrop an der sogenannten Südschleife des Sauerland-Radrings ist ein guter Einstiegspunkt. Auf alten Bahndämmen geht es Richtung Eslohe. Ab und an erinnern rostige Waggons und alte Signalpfeiler daran, welcher Art die Vehikel waren, die hier früher verkehrten. Ringsum erstreckt sich eine Miniatureisenbahnlandschaft in Groß: grüne Hügel, schiefergedeckte Fachwerkhäuschen, Kirchen mit Zwiebeltürmen. Und Sägewerke: Das Sauerland ist eine Holzregion, auch nach dem "Monstersturm" Kyrill, dessen Narben in Form kahler Kuppen und Hänge auch noch nach sechs Jahren zu sehen sind. Highlights der Strecke sind der 689 Meter lange Fledermaustunnel: Das kühle, tropfende Gemäuer wurde 1910 als Bahntunnel eingeweiht. Und das Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe, das mit funktionstüchtigen Dampfmaschinen und einer ganz modernen Ausstellung zur lokalen Alltagskultur alles andere als heimattümelnd daherkommt (www.museum-eslohe.de).

Die Nordschleife

Von Eslohe führt der Weg über die nördliche Schleife des sauerländischen Radrings hinunter zum Hennesee und nach Meschede. Die Ruhr ist dort noch ein Flüsschen, das durch die Ausläufer des Mittelgebirges mäandert. In diesem Streckenabschnitt ist vor allem Arnsberg, hoch über einer Ruhrschleife gelegen, eine Verschnaufoder Übernachtungspause wert, die auch nötig braucht, wer sich vom Fluss in die Altstadt hochgekämpft hat. Zum Beispiel im Gasthof Ratskeller, wo es Bier und Bett in bester Lage gibt (Alter Markt 36, Tel. 02931-3672, www.ratskeller-arnsberg.de, DZ ab 64 €). Fachwerkhäuschen mit bunten Füllhölzern, ebenso schmuck wie schief, Stadttor und -mauer: Arnsberg ist ein Bilderbuchstädtchen, das man fast museal nennen könnte, wenn die Häuschen nicht alle bewohnt wären. Bei Neheim beginnt ein besonderer Abschnitt: Auf rund acht Kilometern wurde der Flusslauf verbreitert und renaturiert. Kiesinseln und in der Strömung liegende Baumstämme sorgen für verschiedene Fließgeschwindigkeiten. Seit 2012 erst ist das Werk vollendet, doch schon jetzt haben sich in den Mini-Biotopen z. B. Forellen und Äschen neu angesiedelt.

Der Klassiker

Weiter flussabwärts, Richtung Fröndenberg und Sschwerte, beginnt dann jene eigentümliche Mischlandschaft, die den Reiz des Ruhrtal-Radwegs ausmacht: der Übergang eines noch relativ naturnahen Terrains zur Industrielandschaft. Immer mehr Autobahnbrücken, Stromtrassen und Schlote mischen sich ins Landschaftsbild, Vogelgezwitscher und Verkehrslärm, Weiden und Wohngebiete, Landhäuser und Lagerhallen wechseln sich ab. Auf einen Bauernhof mit Hofkäserei (www.hofkaeserei-wellie.de) folgen Industriedenkmäler wie das Kettenschmiedemuseum Fröndenberg (www.kulturzentrum-ruhraue.de). Eine urige, günstige Unterkunft ist die Radlerherberge Schwerte-Ergste in einem umgebauten alten Pfarrhaus mit Selbstversorger- Küche, Grillplatz und Schlaf-Bauwagen im Garten (Schwerte, Lindenufer 6, Tel. 02307-912210, www.dasdies.de/radstationen, Übernachtung ab 19,50 € p. P.) Zunehmend verwandelt sich der Flusslauf in eine Reihe aufgestauter Seen, begrenzt durch Wasserkraftwerke. Am Hengsteysee geht die Fahrt vorbei an den gigantischen Röhren des alten Pumpspeicherwerks Koepchenwerk, im Hintergrund steht die Burgruine Wetter.

Zwei Industriemuseen zeigen schließlich an, dass man in der Herzkammer des Ruhrgebiets angekommen ist: die Zeche Nachtigall bei Witten (die mit ihrer Bruchsteinfassade allerdings noch recht vorindustriell wirkt) und die Henrichshütte bei Hattingen (beide: www.ruhrgebiet-industriekultur.de). Bis 1987 war dieses rostige Ungetüm von einem Hochofen noch in Betrieb. Heute erzählen die Ausstellung und ehemalige Arbeiter bei Führungen von der Arbeit mit Kohle, Eisen und Stahl. An kaum einem Ort der Tour wird die Geschichte des Ruhrgebiets so anschaulich, so greifbar vermittelt. Außer vielleicht flussabwärts in Essen, wo hoch über der Ruhr schlossgleich die Villa Hügel steht. In dem Bau kann man ohne weiteres einen halben Tag verbringen und sich die Geschichte des Ruhrgebiets als Aufstieg und Niedergang der Krupp’schen Familiendynastie vor Augen führen lassen (www.villahuegel.de). Die dazugehörige Nacht logieren die Reisenden dann am besten im Parkhaus Hügel. Das ehemalige Casino der Monumentalvilla steht direkt am Radweg und ist wohl eine der stilvollsten Unterkünfte im Ruhrtal (Freiherr-vom-Stein-Str. 209, Tel. 0201-471091, www.imhoff-essen.de, DZ 85 €).

Tour de Ruhr

Das Ziel: Der Duisburger-Binnenhafen

Der Endspurt

Auf den folgenden Etappen wird der Ruhrtalradweg allmählich voller. Man ist gut beraten, diesen Abschnitt wochentags zu beradeln, wenn man nicht ins Gedränge geraten will. Der Weg zwischen Essen und Mühlheim gleicht bisweilen einem Themenpfad "Alte Bundesrepublik": Bötchenfahren, Minigolf, Currywurst und Kleingartenglück hinterm Jägerzaun, immer wieder ergänzt durch lieblichste Fachwerk-Altstädte, selbst an Industriestandorten wie Essen-Kettwig. Spätestens im letzten Abschnitt zwischen Oberhausen und Duisburg ist dann aber endgültig Schluss mit dieser Art von Idylle. Die Industriekulisse findet ihren Höhepunkt und Abschluss im Duisburger Binnenhafen, dem größten Europas. Wer die 25 Meter hohe "Rheinorange"- Stele erreicht, hat’s geschafft: Die monumentale Skulptur markiert die Mündung der Ruhr in den Rhein – und damit das Ende des Ruhrtalradwegs.

Infos und Tipps

Planung

Die hier vorgestellte Tour ist gut 200 Kilometer lang. Wer neben der Strampelei noch Zeit für Besichtigungen haben möchte, sollte sich mindestens eine Woche Zeit nehmen. Das Portal www.ruhrtalradweg.de macht auch Vorschläge für kürzere Touren mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten und Schwierigkeitsgraden sowie für Tagesetappen. Dazu informiert es über geführte Touren inklusive Gepäcktransport. Der Ruhrtalradweg ist dicht bestückt mit günstigen Radler- und "Bett + Bike"- Herbergen, buchbar über das Portal.

Mitnehmen

Orientieren können sich Radler unterwegs am besten mithilfe der Ruhrtalweg-App (Apple, 4,49 €). Oder ganz traditionell mit einer Radkarte wie dem Kompakt-Spiralo Ruhrtalradweg (BVA Bielefelder Verlag, 9,95 €).

Leihräder

Um Leihfahrräder, Gepäck- und Fahrradtransport kümmern sich zum Beispiel der Verein Wabe in Witten (www.wabembh.de) und der Anbieter Revier-Rad mit 22 Stationen im gesamten Ruhrgebiet (www.revierrad.de).

Infos

Ruhr Tourismus: www.ruhr-tourismus.de

Sauerland Tourismus: www.sauerland.com

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