Sprachkurs Türkisch für Anfänger in Ankara

Hoş geldiniz! Herzlich Willkommen! In der Heimatstadt ihres Vaters lernte unsere Autorin nicht nur Vokabeln, sondern auch die hausgemachten Nudeltaschen der Oma kennen
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Hoş geldiniz!
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Hoş geldiniz!

"Hoş geldiniz", sagt die Lehrerin zur Begrüßung. Dass das "Herzlich Willkommen" heißt, reime 
ich mir zurecht. Obwohl die junge Frau in Khakihosen weiß, dass keiner der 18 Schüler Türkisch spricht, fährt sie freundlich, aber erbarmungslos fort. "Benim adim Selda, senin adin se?" fragt sie mich. "Senin adin ne?", wiederhole ich, ohne zu verstehen. "Benim adim Selda", antwortet die Lehrerin und schreibt ihren Namen an die Tafel. "Ich heiße Selda, und wie heißt du?"

Genau wie Selda geht auch Ankara nicht zimperlich mit seinen Besuchern um. Vor der Schule der türkischen Hauptstadt, in der ich gerade die erste Lektion meines Sprachkurses absolviert habe, rauscht der Verkehr vorbei. Fußgänger passieren zielstrebig graue Fassaden. Außer ein paar Straßenhändlern, die 
in gläsernen Schauwagen ihre Backwaren feilbieten, ist das Zentrumsviertel Kızılay keine Augenweide. Viele Türken spotten, das Schönste an Ankara sei die Autobahn nach Istanbul.

Doch hier ist ein Großteil meiner Familie aufgewachsen, hier lebt mein Vater. In Berlin bei meiner deutschen Mutter groß geworden, kannte ich bisher weder Stadt noch Sprache. Gleich beim ersten Treffen werde ich von meiner Verwandtschaft wortreich begrüßt, umarmt, umsorgt. Meine Großmutter Gülcan, eine kleine Frau mit Kopftuch und vielen
 freundlichen Falten, stellt Suppe aus einem aufwendig hergestellten Tomaten-­Joghurt­-Pulver auf
 den Tisch, eine Art Ratatouille mit Fleisch, kleine Nudeltaschen mit Joghurt, Blätterteig
rollen mit Schafskäsefüllung. Ich kann nur
 nicken und meine Zuneigung mit einem
 gesunden Appetit bekunden. Dabei habe ich 
gerade an diese alte Frau so viele Fragen.

Aaron, 39 und Meteorologe aus den
 USA, sitzt mit mir im Sprachkursus - er hat
 sich in eine Himmelsforscherin aus Ankara verliebt. Auch er kann bei Familienzusammenkünften nur freundlich schauen und stolpert ständig über die vielen Ös und Üs in einem Wort. "Görüşürüş" - wie kann man einfaches "Man sieht sich" so verkomplizieren?

Wir schlendern nahe unserer Schule über einen kleinen Blumenmarkt auf der Sakarya Caddesi, der sich hinter der Hauptstraße versteckt. Hier gibt es auch frischen Fisch, der auf Eis gebettet in der Herbstsonne glänzt.

Warum wohl Mustafa Kemal Atatürk, Vater der modernen Türkei, ausgerechnet das auf der Anatolischen Hochebene gelegene, gnadenlos heiße Ankara vor 90 Jahren zur Hauptstadt machte, frage ich Aaron bei einem Schwarztee mit viel Zucker. Wegen der Angoraziegen, die aus der einstigen Provinz Angora stammten und der berühmten Wolle ihren Namen gaben?

Aaron sieht mich verblüfft an. "Auf die Idee kann auch nur eine Frau kommen", sagt er und nennt als Grund die strategisch perfekte Lage im Zentrum der Türkei. Das habe man ihm im Anıtkabir erklärt, dem Atatürk-Mausoleum, wo jedes Jahr am 10. November tausende Türken dessen Todestag begehen. Landesweit erklingen dann um 9.05 Uhr, Atatürks Sterbezeit, die Sirenen. Mit "Görüşürüş" verabschiede ich mich, Aaron winkt, das Wort mit den vielen Üs kann er immer noch nicht aussprechen.

Ich fahre mit dem Taxi zur Kocatepe-Moschee mit ihren vielen Minaretten. In der Nähe, im lebendigen Altstadtviertel Ulus, besuche ich die berühmte Burg, Ankara Kalesi, oben auf einem Berg. Das letzte Stück führt eine Basargasse steil bergauf. Weiße Tücher sind zwischen den eng stehenden Häusern gespannt, damit die Ware bei Sonne nicht ausbleicht. Hinter der Festungsmauer, auf 978 Meter Höhe, drängeln sich alt­anatolische Herrenhäuser, als müssten sie sich stützen. Ein Gemischtwarenhändler in buntgemustertem Pullover tritt aus seiner Ladentür Merhaba", grüßt er mit einem Schnurrbartlächeln, "nasılsınız?" - "Wie geht es Ihnen?"

Zu Spitzenzeiten drängen sich hier Reisegruppen und kaufen Teppiche. Im Herbst aber ist Zeit für einen Plausch, auch wenn die Vokabeln nur für die Begrüßung reichen. "Iyiyim, teşekkürler,!" - "Mir geht's gut, danke."

Türkisch für Anfänger in Ankara

Eines der Sehenswürdigkeiten von Ankara das imposante Aatürk-Mausoleum Anitkabir

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Auf der Festung gibt es weder Zäune noch andere Besucher. Mein Blick wandert über die Zentralebene. Richtung Norden, wo der Bezirk meines Vaters liegt, suche ich nach den zwei Minaretttürmen der Moschee Danişment Merkez von İncirli. Mit dem Dolmuş, einem Taxibus mit roter und blauer Neonbeleuchtung, rattere ich in der Dämmerung zurück in den Groß­stadttrubel.

Hatice öffnet die Tür. Es riecht nach Essen. Zum Reis hat sie "Bamya batısı" zubereitet, Okra­-Ragout in Tomaten­sauce. Meine Gastmutter weiß, dass es die dunkelgrünen Schoten, die wie eine Mischung aus Paprika und Peperoni schmecken, in Deutschland selten gibt, und will mir eine Freude machen.

Auf der Gasflamme köchelt in einer dickbäuchigen Kanne auch das Wasser für den Tee. Ich setze mich an den Tisch und schaue mir die türkische Soap an, die im Küchenfernseher läuft. Man sieht ein Paar, das wortreich streitet. Ich schlage ein paar aufgeschnappte Vokabeln im Lexikon nach und übe mit Hatice die Aussprache. Was ist "âşk"? "Aschk" heißt "Liebe". Und "çok güzel"? "Tschok güsel" heißt "sehr schön". Beim nächs­ten Treffen mit meiner Großmutter werde ich ihr zumindest ein paar Komplimente machen können.

Adressen in Ankara

Sprachkurse

Eurosprachreisen. Die ausschließlich auf Türkisch stattfindenden Kurse am Tömer, dem Sprachlehrzent­ rum der Universität Ankara, sind über den deutschen Ver­anstalter zu buchen.

Er orga­nisiert auf Wunsch auch die Unterbringung in Gastfami­lien in der Nähe der Schule. Tel. 06027-41 88 71, 4-Wochen-Kurs ab 255 €, Unterkunft 350 €, www.eurosprachreisen.de

Schlafen

Das osma­nische Herrenhaus steht unter­ halb der Burg Ankara Kalesi. Knarzende Holztreppen führen zu sechs hübschen Zimmern mit antiken Möbeln. Kale Kapısı Sokak 16, Tel. 0090-312-309 83 81,

DZ/F 79 €; Dez.–März geschl., www.angorahouse.com.tr

Ansehen

Antikkabir. Das imposante Atatürk ­Mausoleum steht in der Neustadt. Anıt Caddesi Tandoşan

Kocatepe-Moschee. Die Mo­schee mit Decken­ und Wand­gemälden befindet sich über einem Einkaufszentrum Kültür Mh.

Hamamönü

Zwischen den restaurierten alten zweistöcki­gen Häusern dieses Viertels gibt es viele Restaurants und Cafés. Am Rande findet sich das Karacabey Hamami, ein türkisches Bad, das dem Viertel seinen Namen gab: "Hamamönü" bedeutet "vor dem Bad". Talatpaşa Bulvarı 101

Essen & Trinken

Kirit Café. In plüschigen Ses­seln Jazz hören. Die Gemälde an den Wänden kann man kaufen. Koyunpazarı Sok 60

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