Afrika Eine berührende Safari durch Botswana

Fotografin Xiomara Bender hat ihren Geburtstag unter wilden Tieren in Botswana gefeiert - und sich mit einer Safari in Afrikas Vorzeigeland selbst das größte Geschenk gemacht

Für dieses Video wurde gemafreie Musik von frametraxx.de genutzt

Mal wieder geht es nur in Schrittgeschwindigkeit voran. Vor wenigen Minuten sahen wir noch die Spuren einer großen Python auf der Sandpiste, jetzt schlängeln wir uns selbst mühsam Meter um Meter weiter. Unser offener Safariwagen schaukelt in den tiefen, buckeligen Spurrillen so heftig von rechts nach links, als würden wir auf meterhohen Wellen reiten. Doch statt über den Ozean navigieren wir durch Jahrmillionen alten Kalahari-Sand. Rechts neben uns sehen wir die Überbleibsel eines Büffelschädels. Dahinter beginnt ein dichter Wald aus knapp zwei Meter hohen Mopane-Bäumen, von wo aus Abertausende Zikadenmännchen ihren ohrenbetäubenden Balzruf in die Savanne schmettern. Vorn, auf dem Beifahrersitz des Toyota Landcruiser, sitzt Xiomara Bender. Braune Lederstiefel, Denim-Shorts, Top; unter dem Hut, der sie vor der prasselnden Sonne schützt, fallen braune Haare auf ihre Schultern. Die Fotografin möchte ihren 32. Geburtstag nicht in ihrer Wahlheimat Berlin feiern, sondern hier, im Norden Botswanas. Vorbild: ihr Vater, Luftverkehrskaufmann und Globetrotter seit Jahrzehnten, der seinen 40. Geburtstag im Jemen beging, den 50. in Libyen, den 60. in Nordkorea.

Für Xiomara soll es Botswana sein. Hier ist beste Reisezeit im November. Ihr Vater und mehr als ein Dutzend Freunde begleiten sie auf einer neuntägigen mobilen Safari. Mehrmals wechseln wir das Camp, übernachten dabei immer direkt in den Reservaten. Für einige eine völlig neue Erfahrung: in einem Zelt schlafen, mitten in der Wildnis leben, eine Campingdusche und ein Plumpsklo benutzen. »Das wird definitiv eine Herausforderung«, sagt Richard Kong, ein Freund aus Hongkong.

Eine Herausforderung für uns alle ist die tägliche Morgenroutine. Pünktlich um halb fünf werden wir geweckt. Wenn wir kurz darauf aus unseren Zweimannzelten in die stockfinstere Nacht treten, singen zwar bereits die ersten Vögel – »aber es ist und bleibt verdammt früh«, bemerkt Anno Saul, dem die Anreise aus Berlin noch in den Knochen steckt. Als Anno, Regisseur und langjähriger Freund der Bender-Familie, zum Küchenzelt schlendert, glimmt dort bereits das Lagerfeuer und das Frühstück ist serviert. Direkt auf der Glut stehen ein großer Topf Haferbrei, frisch gebrühter Kaffee und warme Milch. Es gibt Obst, Toast, Marmelade, Honig, Tee und Orangensaft. Um halb sechs taucht das erste Tageslicht die afrikanische Savanne in kühle, entsättigte Farben. Der Himmel färbt sich lila-bläulich, und mit jeder Minute wird es wärmer. Wir steigen in die Geländewagen. Schlafmangel hin oder her, die Stunden direkt nach dem Morgengrauen sind die wertvollsten jeder Safari. Nachtaktive Räuber wie Löwen, Hyänen und Leoparden sind noch unterwegs, ein anderer Teil der Tierwelt erwacht, läuft zum Wasserloch oder startet die Futtersuche, bevor die Hitze alle wieder zur Ruhe zwingt.

Ein Wasserloch zwischen Savuti und Khwai

Der Autor (ohne Hut) in Poolposition: an einem der in der Trockenzeit so überlebenswichtigen Wasserlöchern zwischen Savuti und Khwai

Und wir werden belohnt für das frühe Aufstehen: Keine 60 Sekunden, nachdem wir unser Camp verlassen haben, sehen wir das erste Löwenmännchen. Vollkommen gelassen schlendert es direkt auf uns zu, unbeeindruckt von uns und den Autos. Viele von uns können kaum glauben, was wir erleben: der König der Savanne, nur wenige Meter entfernt. Dazwischen weder Gitter noch Wassergraben. Angst spüren wir nicht. Stattdessen Bewunderung für das wunderschöne Tier. Unser Guide Johnny, 47, Typ Outdoor-Superheld, positioniert das Fahrzeug so, dass wir aus perfektem Winkel fotografieren können. Einige Augenblicke später stolziert der Löwe mit selbstbewussten Schritten an uns vorbei und blickt ein paar Mal rüber. Als er lautlos gen Horizont verschwindet, bleibt nichts zurück außer den markanten Abdrücken seiner Tatzen. Und Ehrfurcht.

Die Region Savuti, im Nordosten Botswanas zwischen dem Chobe National Park und dem Okawango-Delta gelegen, ist bekannt für ihre Löwenpopulationen. Wir beobachten Löwen, die sich an Impalas heranpirschen. Löwen, die ihre Beute fressen. Löwen, die im Schatten eines Regenbaumes der Hitze entfliehen. Löwen, die auf Erkundungstour durch ihr Revier streifen und an Wasserlöchern trinken. Egal wie oft wir diese Tiere sehen, stark und fragil zugleich: Es ist und bleibt atemberaubend. Am späten Vormittag des dritten Tages fahren wir zu drei großen Wasserlöchern. Als wir dort ankommen, dösen mehrere Löwenrudel – insgesamt 23 Tiere – in der Sonne. Die Bäuche gut gefüllt.

Elefant, Botswana

Näher geht es kaum! Xiomara scheint mit den Elefanten zu tanzen

Wir stehen mit beiden Autos acht, neun Meter von den Löwen entfernt und beobachten, wer hier wen beobachtet: Während etliche Elefanten ungestört über die große Lichtung marschieren, ist eine Zebraherde deutlich vorsichtiger. Sie traut der Situation nicht, beäugt die Löwen minutenlang. Erst dann geht auch sie im Verbund zum Wasser. Während wir anfangs fleißig fotografieren, liegen die Kameras irgendwann ausgeschaltet auf dem Schoß. Eine halbe Stunde sitzen wir einfach so da, gefesselt vom Schauspiel, das sich uns bietet. Unsere Guides Johnny und Moronga erklären, dass die Löwenmännchen Revier und Herde beschützen und dass es vor allem die Weibchen sind, die jagen: Zebras, Büffel, Gnus, Giraffen, manchmal sogar junge Elefanten. Was die Savanne eben hergibt. Eine große Mahlzeit alle zwei, drei Tage reicht den Tieren. »Aber«, sagt Johnny, »Löwen sind Opportunisten. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, töten sie auch mit vollem Magen.«

 

Lesen Sie die komplette Reportage "Die mit den Elefanten tanzt" in GEO SAISON 12/2020.

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