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Großbritanniens Westen Reiseerlebnis Wales


Wales mag ein kleines Land sein, aber es überrascht mit landschaftlicher Vielfalt, geselligen Menschen und preisgekrönten Stränden. Wir haben fünf Reiseerlebnisse zusammengestellt
Großbritanniens Westen: Wunderschönes Wales - der Strand der Rhossili Bay zählt zu den schönsten der Region
Wunderschönes Wales - der Strand der Rhossili Bay zählt zu den schönsten der Region
© Panoramic Images/Getty Images

Cardiff - Hauptstadt am Meer

Die walisische Hauptstadt war lange Zeit als industrielle Hafenstadt verkannt. Doch Cardiff hat sich gemausert und ist inzwischen mehr als nur einen Tagesausflug wert. Die weitläufigen Parkanlagen Roath und Bute sorgen dafür, dass Cardiff die grünste Hauptstadt Europas ist. Die Hauptattraktion ist und bleibt allerdings ein Relikt aus der Vergangenheit: Das Cardiff Castle liegt mitten im Stadtzentrum, und so lässt sich eine Stippvisite beim britischen Adel des 15. Jahrhunderts mit einer Shoppingtour in den benachbarten Einkaufsstraßen St. Mary und Queen Street verbinden. Die großen Labels haben ihren Sitz im neuen St. David’s Shopping Centre. Origineller sind die sechs historischen Arkaden, die sich durch die gesamte Innenstadt ziehen. Hinter hundert Jahre alten Schaufenstern stehen flippige Accessoires, handgemachte Designerschuhe und walisische Spezialitäten.

Das britische Nachtleben ist umstritten: zu viel Alkohol, zu laut, zu exzessiv, Cardiff macht da keine Ausnahme. Wer das für einen Abend mitmachen möchte, bleibt in der Innenstadt. Rund um die St. Mary Street reihen sich Pubs und Clubs aneinander. Wer es etwas gemäßigter präferiert, ist in Cardiff Bay richtig aufgehoben. Noch bis in die 90er-Jahre hinein war das Hafenviertel geprägt von Industrie. Inzwischen ist sie moderner Architektur und guten Restaurants gewichen. Mit dem Millennium Centre steht hier ein architektonisches Meisterwerk und das bedeutendste Theater- und Opernhaus in ganz Wales. Die walisische Hauptstadt ist der perfekte Ausgangspunkt für Tagesauflüge nach Südwest-Wales. So lassen sich Tintern Abbey, die Gower-Halbinsel oder das Haus von Dylan Thomas von hier aus bestens erreichen.

www.visitcardiff.com

Dylan Thomas - Ein Besuch beim Poeten

Dylan Thomas liebte das geschriebene Wort, den Alkohol und Laugharne. Letzteres ist ein kleines Dorf an der walisischen Westküste, wenige Kilometer außerhalb von Swansea. Dylan nannte es einst "das schrulligste Dorf in Wales" und zog her. Mit seiner Gattin Caitlin und den drei Kindern wohnte er in einem Bootshaus, oberhalb der Mündung des Flusses Taff in den Atlantik gelegen mit Blick über die einsame Bucht, grüne Hügel und Kuhweiden. Gemeinsam mit seinem Arbeitsschuppen bildet das Wohnhaus der Familie heute das Dylan-Thomas-Museum. Sobald man über die Schwelle tritt, erwartet man den Schriftsteller im Stuhl sitzend oder alkoholisiert durch die Küche schwankend. Die Kuratoren haben es geschafft, dass sich die Besucher bei Familie Thomas zu Hause fühlen. Im Arbeitszimmer herrscht Chaos, Schreibentwürfe liegen zerknüllt auf dem Boden, über dem Stuhl hängt ein Jackett, auf dem Tisch steht eine leere Flasche Bier. Alles so, als wäre Dylan Thomas nur mal kurz frische Luft schnappen gegangen. Im Haupthaus wandeln die Besucher zwischen Original-Manuskripten sowie Möbeln und eine kleiner Tee-Küche. Dylan Thomas gehört zu den bedeutendsten Poeten in englischer Sprache und wäre im Oktober 2014 100 Jahre alt geworden. Das Museum ist ganzjährig geöffnet und gehört zu einem Wales-Besuch genauso dazu, wie ein Pint Brains.

www.dylanthomasboathouse.com

Gower Peninsula - Ein Tag am Meer

Beachlife weiß man auch in Wales zu zelebrieren. Surf, swim, walk - das sind die essenziellen Dinge auf der Gower-Halbinsel nahe Swansea. Lediglich eine schmale Küstenstraße führt aus der Stadt hinaus, vorbei an Weidenlandschaften, überwucherten Schloss- und Kirchenruinen aus längst vergessenen Tagen, bis die ersten steil abfallenden Klippen im Blickfeld auftauchen. Gower zählt 27 zugängliche Buchten, die bei Wanderern und Surfern gleichermaßen beliebt sind. Absolutes Kronjuwel ist Rhossili Bay. Der Strand wurde 2013 zum drittschönsten Strand in Europa gewählt. Die weitläufige Bucht zieht sich über drei Kilometer entlang der Küste, freilaufende Pferde und Schafe perfektionieren die Idylle. Bei Ebbe ist fußläufig die vorgelagerte Insel Worms' Head zu erreichen. In dem beschaulichen Ort Rhossili pflegt man das legere Surferleben: Boards und Neoprenanzüge liegen zum Trocknen in den Vorgärten der reetbedachten Cottages, über Windverhältnisse und Wellengang informiert die örtliche Surfschule auf einer Kreidetafel. Aufgrund ihrer schützenswerten natürlichen Vielfalt wurde die Gower-Halbinsel 1956 zur ersten sogenannten "Area of Outstanding Natural Beauty" in Großbritannien erklärt. Ihr folgten bis heute 45 im ganzen Königreich. Der Wales Coast Path zieht sich auf 156 Kilometern entlang aller Buchten der Halbinsel.

www.explore-gower.co.uk

Brecon Beacons - Nationalsport Natur

Wenn kein Rugby gespielt wird, dann strömen die Waliser in die Natur. Voll wird es zwischen den schroffen Bergkuppen und sattgrünen Wiesen dennoch nicht, denn Natur gibt es reichlich, Menschen hingegen nur rund drei Millionen im ganzen Land. Die gesamte Palette walisischer Landschafts-Schönheit bietet die Bergkette Brecon Beacons: Schieferplateaus, Sumpfgebiete, Wasserfälle, Seen und Burgruinen. Der Nationalpark umfasst 1344 Quadratkilometer, höchster Punkt ist der Gipfel des Pen y Fan (886 Meter). Insgesamt durchziehen drei Trails den Park. Ambitionierte versuchen sich an dem Beacon Way, der auf den 160 Kilometern von Abergavenny nach Llangadog schon einiges an Beinkraft abverlangt. Wesentlich entspannter ist man beispielsweise auf dem Offa Dyke National Trail oder dem Taff Trail unterwegs, der entlang des Flusses Taff verläuft und die Beacons mit der walisischen Hauptstadt Cardiff verbindet.

Auch nachts bleibt es zwischen den Wipfeln der Beacons spannend. Der Nationalpark gehört zu den insgesamt sechs „International Dark Sky Reserves“ dieser Erde. Bei klarer Sicht erstrahlen die Milchstraße und unzählige Sterne, ungestört durch die Abgas- und Lichtverschmutzung großer Städte. . Natur und Kultur lässt sich in vollendeter Kombination jeden Mai auf dem „Hay Festival“ erleben. Dann versammelt sich in Hay-on-Wye die Literatur- und Kunstelite aus aller Welt, denn die beschauliche Ortschaft ist das weltweit größte sogenannte Bücherdorf. Auf 1800 Einwohner kommen rund zehn Millionen Bücher. Abergavenny ist der Ausgangspunkt für die Gesamtregion Brecon Beacons und in einer Stunde mit der Bahn von Cardiff aus erreicht, ab London-Paddington sind es zwei Stunden.

www.breconbeacons.org

Tintern Abbey - Geschichte im Wald

Mehr Postkartenmotiv geht kaum. Die Klosterruine Tintern Abbey liegt idyllisch am Ufer des Flusses Wye, umgeben von Laubwäldern und sattgrünen Weiden. Bei Sonne werden die aufwendigen keltischen Verzierungen als Schatten auf den Boden geworfen - ein wunderschönes Zusammenspiel aus Natur und Architektur. Das mächtige Kloster war das erste christliche Gebäude im Land und als solches bis 1536 in Betrieb. Nachdem die letzten Mönche gegangen waren, wurde die Abtei sich selbst überlassen, bis im Zeitalter der Romantik das Flusstal Wye samt Tintern Abbey wiederentdeckt wurde und man sich an die aufwendigen Restaurierungsarbeiten machte. Die Mühen vergangener Tage haben sich gelohnt, denn die gut erhaltene Ruine zählt heute zu den Hauptattraktionen des Landes. Wenige Kilometer flussabwärts liegen zudem die geheimnisvollen Ruinen von Chepstow Castle sowie die Grenze zu England. Tintern und das Umland bieten sich für einen Tagesausflug von der Hauptstadt Cardiff an.

http://cadw.wales.gov.uk

Snowdonia - Walisischer Gipfelstürmer

Der Snowdonia Nationalpark ist Wales in a nutshell wie die Landleute es gern beschreiben. Der Grund: Hier vereint sich auf einer Fläche von 2170 Quadratkilometern all das, wofür die Waliser ihr Land lieben. Imposante Bergketten, grüne Täler, Seen, Schafe und urige Dörfer. Der Name des Parks leitet sich vom höchsten Gipfel des Landes ab. Der Snowdon bringt es auf 1085 Höhenmeter und formt das Zentrum des Nationalparks. Nur selten ist er ohne Nebelhaube zu beobachten, dafür aber auch im Sommer gelegentlich schneebedeckt. Diverse Routen führen zum Gipfel. Der Rhyd Ddu Path gilt als die Panoramastrecke und ist auch für Wanderneulinge machbar. Einen halben Tag sollte man für die Gipfelerstürmung aber mindestens einplanen. Für den Rückweg lohnt sich dann die Fahrt mit der alten Dampfbahn, die schnaufend mehrmals täglich zwischen Tal und Gipfel pendelt. Einmalig in Großbritannien ist die Zusammensetzung des Nationalparks, rund 70 Prozent der Fläche sind in Privateigentum, 26.000 Menschen nennen Snowdonia ihr zu Hause. Die kleinen Ortschaften bestehen meist nur aus einigen Steinhäusern. Dennoch locken sie mit viel Charme, urigen Pubs und Herbergen Tausende Besucher an. Besonders beliebt sind die Ortschaften Llanberis und Beddgelert. Malerisch direkt am Ufer des Flusses Llugwy liegt das 200-Seelendorf Capel Curig. Hier steht seit 2010 das einzige 5-Sterne-Hostel Großbritanniens. Wer die Region Snowdonia entdecken möchte, sollte mindestens drei Tage einplanen - und regenfeste Kleidung und gute Schuhe im Gepäck haben.

www.visitsnowdonia.info

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