INDIEN Wellness im Himalaja

Im nordindischen Himalaja hat vor kurzem mit dem "Vana" das nach eigenen Aussagen beste Wellness Retreat der Welt eröffnet. Aber was heißt das eigentlich? Autorin Stella Brikey hat es ausprobiert
Wellness im Himalaja

Nach einer Low-Budget-Reise durch Nordindien erholt sich Autorin Stella Brikey in dem nach eigenen Aussagen besten Wellness Retreat der Welt

Indien ist nichts für schwache Nerven. Auch meine sind dünn wie Seidenfasern, als ich nach meinem Inlandsflug von Delhi aus dem Jolly Grand Airport in Dehradun trete. In den letzten drei Wochen bin ich mit Bus und Bahn durch den Norden des Landes gereist. Ich habe mir die Königspaläste Udaipurs angesehen, bin auf Kamelen durch die Wüste von Jaisalmer geritten und habe mir in Varanasi die Leichenverbrennungen am Ufer des Ganges angesehen. Übernachtet habe ich meist in spartanischen Unterkünften für durchschnittlich drei Euro die Nacht. Ein Bett, ein Tisch, eine Toilette und wenn ich Glück hatte, hin und wieder warmes Wasser, mein einziger Luxus.

Dafür werden in Indien an jeder Straßenecke Yoga- und Meditationskurse sowie ayurvedische Massagen angeboten. Eine Art Entschädigung für die Strapazen, die man hier teilweise auf sich nimmt, um "echte" Einblicke in das Land zu bekommen, mit all seinem Schmutz, dem Lärm, den Vorurteilen gegenüber westlichen Frauen.

Und nun? Befand ich mich auf dem Weg in eine völlig neue Dimension: Vier Tage würde ich zu Gast in Indiens neuestem und bestem Wellnesstempel "Vana, Malsi Etstate" sein, das gerade erst an der Grenze zu Nepal eröffnet hatte.

Doch was bedeutet das eigentlich: das "beste" Wellness Retreat der Welt? Würde ich hier auf goldenen Saunabänken liegen, während man meine Füße in Honig und Milch badete? Würden meine Verspannungen, Sorgen und Probleme sich plötzlich in Luft auflösen?

Wellness im Himalaja

Kein Baum wurde für den Bau des Vana gefällt, die komplette Anlage wurde in das bestehende Ökosystem integriert

Entschleunigung zwischen Mangobäumen

Bereits die einstündige Fahrt vom Flughafen bis zum Resort versetzte mich in eine fast meditative Stimmung: Grüne Berglandschaft, blauer Himmel, Bauern, Kühe und kleine Dörfer zogen an meinem Fenster vorbei, bis wir in einen unscheinbaren Weg einbogen. Die "normale" Welt lag nun hinter mir, eine grüne Oase aus Mango- und Litschibäumen sowie ein hölzernes Gebäude samt Yogatempel vor mir.

So langsam begriff ich, wo ich hier gelandet war: an einem Ort der Superlative. Das "Vana" war nicht bloß ein Spa – sondern ein moderner Palast des Wohlbefindens, ein 5-Sterne-Ashram mit vier Yoga-Studios und -Pavillions, Indoor- und Outdoor-Pools, einem Fitnessstudio und mehr als 50 Behandlungsräumen. Und das Beste: Augenblicklich war ich der einzige Gast – und gefühlte hundert Angestellte warteten nur darauf, mir meine Wünsche von den Augen abzulesen.

Ich begann meinen ersten Tag mit einer "Willkommensmassage". Während einer 75-minütigen tibetischen Ku-Nye-Massage widmen sich zwei Masseure gleichzeitig meinen geschundenen Schultern und Beinen. Das hier war kein Vergleich zu den Anwendungen, die ich mir ab und zu in Hamburg gönnte. Das hier war echte Hingabe!

Design und Ayurveda

Danach wurde ich in meine Suite gebracht, designt von dem spanischen Architekturbüro Esteva i Esteva Arquitectura die Wände geschmückt von den Werken des indischen Künstlers Siraj Saxena. Durch die riesigen Fenster, die in jedem Zimmer bis zum Boden reichten, blickte ich auf den saftigen, grünen Wald. Der Clou war mein persönlicher Meditationsraum mit Yogamatten, Räucherstäbchen und Malereien von indischen Gottheiten an den Wänden. Meinen Rucksack brauchte ich gar nicht auszupacken: Im Schrank hing Kleidung aus natürlichen Materialien, die eigens für das "Vana" entworfen worden waren und im Badezimmer standen selbstgemachtes Shampoo und Co. Alle elektronischen Geräte, wie Tablets, Handys oder Computer sind hingegen genauso verboten wie das Rauchen.

Am nächsten Morgen hatte ich einen Termin mit Dr. Avilochan Singh, einem der bedeutendsten Ayurveda-Experten Indiens, der mit mir das Ziel meines Aufenthaltes erarbeiten wollte. Mir gefiel sein roter Turban, der ihm etwas Erhabenes verlieh. Deshalb beantwortete ich ihm auch ehrlich alle intimen Fragen, die er mir zu meinem Ess- und Trinkverhalten, meinen körperlichen Beschwerden, meinem Lifestyle und zu meinem seelischen Befinden stellte.

Dr. Singh empfahl mir Akupunktur, ayurvedische Ölmassagen mit heißen Stempelkissen, eine Musiktherapie und privaten Yoga-Unterricht. So vergingen die nächsten Tage wie im Flug. Vormittags ging ich Schwimmen oder genoss meine ärztlich verordneten Spa-Anwendungen. Die Nachmittage waren mit Akupunktur oder privaten Flötenkonzerten gefüllt und die Abende mit Gaumenfreuden im hoteleigenen Restaurant "Salana".

Wellness im Himalaja

Nachhaltiges Design und der Blick ins Grüne sollen die Seele entspannen

Glutenfreie Gaumenfreuden

Auf der täglich wechselnden Speisekarte stehen ausschließlich biologische Köstlichkeiten, die aus saisonalen Zutaten zubereitet werden. Die Köche verwenden weder Gluten noch weißen Zucker oder weißen Reis. Jedes Gericht – egal, ob ich zartes Lammfleisch, ein Fischgericht oder vegetarische Pasta bestellte, jeder Bissen kam einer Kur für meine Geschmacksnerven gleich.

An meinem letzten Abend traf ich mich zum Essen mit dem Gründer des "Vana", dem gerade einmal 30-jährigen Veer Singh. "Ich habe jede Anwendung, die wir anbieten, selbst getestet. Vana ist nicht bloß ein Spa - sondern eine Lebenseinstellung, ein Ort des Wohlbefindens", erklärte er mir. Sechs Jahre lang hatte der Kunstliebhaber gemeinsam mit einem internationalen Team aus Architekten, Künstlern und Ärzten an dem Konzept gefeilt. Die Idee für das Konzept kam ihm ausgerechnet auf Mallorca, wo er zwei Jahre lang als Organic Farmer gearbeitet hat. "Das Vana hat den Anspruch eine Ikone zu sein, das weltweit Maßstäbe setzt. Nirgendwo gibt es ein größeres Angebot an unterschiedlichen Behandlungsmethoden – vor allem, wenn im Sommer noch unser großes Ayurveda-Zentrum eröffnet." Dabei spielt Nachhaltigkeit die wichtigste Rolle. "Wir haben nicht einen Baum gefällt, um Vana zu bauen", erzählte er mir stolz. "Wir haben sogar eine eigene Quelle für Mineralwasser, damit wir es in wiederverwendbare Glasflaschen füllen können und keine Plastikflaschen kaufen müssen. Das ist besser für die Umwelt."

Nachhaltig wird auch meine Erinnerung an das "Vana" sein – weil ich während meines Aufenthaltes wieder gelernt habe, auf meinem Körper und seine Bedürfnisse zu hören und diese auch zu achten. Ich habe mir fest vorgenommen, nach meiner Rückkehr nach Hamburg auf glutenfreie Bio-Kost umzusteigen und nur noch saisonales Obst und Gemüse zu essen. Gesundes Essen sollte ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber manchmal muss man eben bis ans andere Ende der Welt reisen, um sich wieder auf das Wichtigste im Leben zu besinnen: das eigene Wohlbefinden.

Wellness im Himalaja

Saisonal, biologisch und glutenfrei - auch die Geschmacksnerven dürfen sich im Vana erholen

Infos zum Vana

Alle Informationen rund um einen Aufenthalt und die Philosophie des Hauses.

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