Schottland Dundee – plötzlich hip und eine Reise wert

Die kleine Großstadt nördlich von Edinburgh feiert die Eröffnung von Schottlands erstem Designmuseum, dem V & A Dundee. Grund genug, vor Ort zu schauen, was es sonst noch so zu erleben gibt. Hier kommen unsere Ideen
V&A-Designmuseum, Dundee

Mit dem Victoria & Albert Dundee eröffnet Schottlands erstes Designmuseum in der kleinen Großstadt, die viele bisher übersehen haben

In diesem Artikel
Was es in Dundee zu sehen gibt
Shopping in Dundee
Schlafen und Schlemmen in Dundee
Entdeckungen in der Umgebung

Wie man seine grossen, berühmten sch Western in den Schatten stellt – in diesem Fall Edinburgh und Glasgow –, zeigt gerade die Stadt am Firth of Tay: Dundee, an Schottlands Ostküste gelegen, hat sich einen Bau der Superlative gegönnt und sich als Entdeckung empfohlen. Was überhaupt ein Leitmotiv der Stadt ist. Eine gute Auto- oder Bahnstunde nördlich von Edinburgh, glänzt sie mit viktorianischer Sandsteinarchitektur, hippen Cafés und überragendem Design – alles arrangiert im überschaubaren Format einer Minigroßstadt und an vielen Orten mit Blick auf das glitzernde Wasser des River Tay.

Was es in Dundee zu sehen gibt

Die bei den grössten Attraktionen liegen quasi Bug an Bug an der neu gestalteten Waterfront Meile am Fluss. Die eine ist ein echtes Schiff, und was für eines: Der 1901 in Dundee konstruierte Dampf-Segler RRS Discovery trug einst die Entdecker Scott und Shackleton in die Antarktis. Bevor es an Bord des frisch restaurierten Dreimasters geht, erzählt eine packende, multimediale Ausstellung im Besucherzentrum die Geschichte des Forschungsschiffs, seiner Besatzung und ihrer abenteuerlichen Mission. Der andere Bug, der über die Uferpromenade ragt, gehört zum kühnen Baukörper des neuen Designmuseums V & A Dundee, des ersten Victoria-and-Albert-Museums außerhalb Londons. Es ist das Prunkstück der neuen Waterfront und ein gewichtiger Grund dafür, dass Dundee zur UNESCO City of Design gekürt wurde. Dem Bau des japanischen Stararchitekten Kengo Kuma gelingt es, zugleich Größe und Bescheidenheit auszustrahlen. Vielleicht liegt es an der naturhaften Anmutung der Außenhaut, gestaltet aus 2500 unterschiedlich geformten Betonlamellen, die bei Tageslicht wie Granit funkeln. Die Klippen der schottischen Küste habe er bei der Gestaltung im Sinn gehabt, so Kengo Kuma. Rechte Winkel sucht man an diesem Gebäude vergebens, stattdessen bestimmen Überhänge, Knicke und Schrägen das Äußere, dessen Gestalt sich mit jedem Schritt zu wandeln scheint. Das Innere samt Café und ständiger Ausstellung ist kostenlos zugänglich. Ein Wohnzimmer für die Stadt soll das V & A nach Kengo Kumas Wunsch werden. Zur Eröffnung zeigt es die Sonderausstellung »Ocean Liners: Speed and Style«.

Im Vergleich zum aufsehenerregenden V & A scheint das Dundee Contemporary Arts aus einer anderen Ära zu stammen: Angenehm zurückhaltend, freundlich und funktional fügt sich das 1999 eröffnete Kulturzentrum ins Straßenbild nahe dem Duncan of Jordanstone College of Art & Design. Es beherbergt Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, ein Arthouse-Kino und einen Shop für Kunst und Designprodukte, die zum Teil Absolventen der Hochschule gestaltet haben (152 Nethergate). Und die Terrasse der dazugehörigen Jute Café Bar ist einer der entspanntesten Orte im ohnehin relaxten Dundee; das Essen im Restaurant schmeckt zudem fabelhaft.

The Daily Grind, Dundee

Hippe Läden und Cafés wie The Daily Grind unterstreichen das Erwachen von Dundee zur Deignmetropole

Shopping in Dundee

Die einheimischen nennen es den V & A-Effekt: Seit der Ankündigung des Museumsneubaus sprießen allerorten kleine Hotspots mit stylischen Boutiquen, Bars und Shops. Zum Beispiel in der Exchange Street nahe der Waterfront. Nach Jahrzehnten der Stagnation haben sich rund um den viktorianischen Straßenzug Läden wie The Daily Grind eingenistet: eine Kombination aus Kaffeebar, Flagship-Store des schottischen T-Shirt-Labels Abandon Ship und Friseurstudio, in dem tätowierte Hairstylisten junge und jüngste Hipster unters Messer nehmen. Die allercoolsten Läden der Stadt muss man finden wollen: Die punkige Brillenboutique Spex Pistols etwa versteckt sich in der winzigen Johnston’s Lane, einem unscheinbaren Durchgang am unteren Ende der Marketgait. Bei Musik zwischen Pop und Punk verläuft das Probieren des richtigen Brillengestells beschwingt – auch dank des kommunikativen Temperaments des Besitzers Richard Cook. Der Design-Geniestreich ist allerdings keine Brille, sondern der »SelfReflector«: eine Mischung aus Spiegel und Lautsprecher, die das Alter der Person schätzt, die hineinsieht, und ihr dann Songs aus dem Jahr vorspielt, in dem sie 14 Jahre alt war. Eine Zeitreise in die eigene Pubertät! (4 Johnston’s Lane). Auch Dundees hippste Bar findet sich in einem unauffälligen Durchgang: Couttie’s Wynd heißt die von der Nethergate abzweigende Passage, in der es außer Notausgängen und Mülleimern nichts zu geben scheint. Doch über einem der Ausgänge hängt eine altmodische Laterne, ein antiquarisch anmutender Messinggriff ziert die Tür. Wer sich hin ein traut und die Kellertreppe hinunter, findet sich im Draffens wieder, einem gekonnt abgewetzten Club im Charleston-Look. Zauselige Bartender mixen mit Kupfershakern unfassbar gute Cocktails: »Dundee Breakfast« etwa mit viel Gin, Milch, Eiweiß und einem Klacks Orangenmarmelade für den geschmeidigen Übergang in die frühen Morgenstunden …(Nethergate, Couttie’s Wynd). Und selbst die Street-Art blüht eher im Verborgenen, in der Welt der Back Alleys: den vielen kleinen Durchschlüpfen und halboffiziellen Gassen, die die Innenstadt durchziehen. Das Projekt Open/Close Dundee hat lokale und internationale Künstler eingeladen, Hinterausgänge, vernagelte Fenster und Stromverteilerkästen in Kunst zu verwandeln. Zu besichtigen auf eigene Faust oder per Führung.

Schlafen und Schlemmen in Dundee

Leicht düsterer Gothic-Vintage-Chic in lilafarbenem Samt, ein elegantes Treppenhaus mit gusseisernem Geländer, zwei Minuten zu Fuß bis zum V & A und zur »Discovery«: Designfans kommen schwerlich um das Malmaison Dundee herum (44 Whitehall Crescent, DZ ab 62 €). Die Eröffnung des Hotel Indigo im Juli 2018 darf man getrost zum V & A-Effekt zählen. Hinter der ehrwürdigen Fassade einer alten Jutefabrik verbergen sich Zimmer in frisch-edlem Design, voller Anspielungen auf die Geschichte der Stadt (Constable Street, DZ ab 90 €). Weiter Blick über die Wasser des Firth of Tay, Sonnenuntergänge, vorzügliches Menü: »The Newport«, das schönste Pub-Restaurant der Gegend, liegt im gleichnamigen Örtchen auf der anderen Seite der Tay Road Bridge. Dort kann man auch übernachten (High Street 1, DZ ab 160 €).

Hotel Malmaison

Nur wenige Minuten zu Fuß trennen das Mamaison Hotel von dem futuristischen Bau des V & A Dundee

Entdeckungen in der Umgebung

Wer mit dem Auto reist, sollte unbedingt im niedlichen Ort South Queensferry Station machen: Der Blick auf die drei Brücken, die dort den Firth of Forth queren, ist atemberaubend – und am schönsten durch die Panoramascheiben des Restaurants Orocco Pier. In der Umgebung von Dundee zeigt sich Schottland von seiner sanften Seite: kleine Sandstrände, Hügel und Fischerdörfer. Nur sieben Minuten mit der Bahn vom Stadtzentrum entfernt, bietet das Örtchen Broughty Ferry alles, was der Ausflügler begehrt: Burg, Leuchtturm, Strand und kleine Restaurants. Und bei einem Schlauchboottrip auf dem Tay begleiten einen mit etwas Glück auch noch Delfine.

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