Rinteln

Hinter der eisernen Weserbrücke, die seit vielen Jahrzehnten Nord- und Südstadt verbindet, empfängt uns Rinteln mit einem pittoresken Ensemble. Über das Brückengeländer fällt der Blick durch knorrige Bäume entlang des „Alten Hafens“ auf die katholische Kirche St. Sturmius.

Marktplatz Rinteln

Das braun-weiße Schild an der A2 hat nicht zu viel versprochen. Die „Historische Altstadt Rinteln“ wird ihrem Namen gerecht. Jahrhundertealte Fachwerk-Bürgerhäuser sind nicht wie vielerorts weit versprengt, sondern umgeben den Marktplatz als geschlossene Zeilen. Der prächtigste Bau am Ort ist jedoch der Ratskeller, hinter dessen Weserrenaissance-Fassade heute das Bistro „Der Stadtkater“ zu Flammkuchen, Burger und hauseigenem Bier läd.

Externsteine

„Sowas hätte ich hier jetzt nicht erwartet“, sagt unser Fotograf, als wir die wenigen Schritte vom Parkplatz zu den Externsteinen zurückgelegt haben. Aus Wasser und Wiese ragen 13 schroffe Sandsteinfelsen – bis zu 37 Meter hoch und 70 Millionen Jahre alt. Ein Anblick, der so unwirklich erscheint, dass es wenig überrascht, dass den Felsknubbeln schon so manche Zauberkraft nachgesagt wurde. Außergewöhnliche geomantische Eigenschaften sollen sie haben, behaupten etwa Esoteriker. Man könne hier Tod und Wiedergeburt erleben, berichtete die Hitler-Verehrerin Savitri Devi. Die meisten Besucher finden sie erfreulicherweise aber einfach nur zauberhaft schön.

Externsteine

Zwar erscheinen sie wie wackelige Stapeltürme, doch die Spitzen der bizarren Steine lassen sich (gegen 3,50 Euro Eintritt) bedenkenlos begehen. Majestätischer ist der Anblick allerdings vom Boden aus.

Straße im Weserbergland

Sind uns die hohen Temperaturen etwa zu Kopf gestiegen? Während wir durch wellige Fluren vom Teutoburger Wald gen Osten durch den Kreis Höxter fahren, fühlen sich mein Beifahrer und ich tatsächlich an die Toskana erinnert. Der Satz „Unsere Zypressen heißen Linden“ bekommt einen besonderen Platz in meinem Notizbuch.

Fürstenberg

Unserer Roadtrip führt uns weiter in die kleine Ortschaft Wehrden und damit zurück an die Weser, deren Verlauf hier im Dreiländereck von Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen besonders reizvoll ist. Am gegenüberliegenden Weserufer thront bereits unser nächstes Ziel: das Schloss Fürstenberg, das seit mehr als 270 Jahren die renommierte Fürstenberger Porzellanmanufaktur beherbergt. Während Wanderer und Radfahrer in den Sommermonaten per Personenfähre von Wehrden aus direkt ans Nordufer gelangen, müssen wir einen Schlenker flussaufwärts zur nächsten Weserbrücke fahren – ein landschaftlich schöner Umweg, den man gerne in Kauf nimmt.

Weser bei Fürstenberg

Das Museum der Porzellanmanufaktur Fürstenberg wurde jüngst vollständig renoviert und bietet in seiner Besucherwerkstatt Handwerkskunst zum Anfassen. Doch auch wer sich so gar nicht für das weiße Gold begeistern kann, sollte einen kurzen Stopp in Fürstenberg einplanen. Von den Schlossterrassen, die bis ins 19. Jahrhundert als Weinberge dienten, bietet sich ein traumhafter Ausblick über das Wesertal samt stillgelegter Eisenbahnbrücke.

Weltkulturerbe Corvey

Wer sich in der Region umhört, spürt schnell: Viele Menschen im Kreis Höxter fremdeln mit „ihrem“ Kloster Corvey, seit es 2014 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Streit um Fördergelder, gestiegene Eintrittspreise, reduziertes Kulturprogramm ... Dem imposanten Eindruck, den der Bau auf seine Besucher macht, tun diese Querelen zum Glück keinen Abbruch. Weltweit einzigartig ist das frühmittelalterliche Westwerk der Abteikirche mit seinen zwei markanten Türmen. Ergänzt wird das kunsthistorische Kleinod durch die barocke Schlossanlage samt Kaisersaal und Kreuzgang sowie die Fürstliche Bibliothek, deren wertvolle Sammlung von dem „Deutschlandlied“-Dichter und Corveyer Bibliothekar Hoffmann von Fallersleben entscheidend geprägt wurde.

Weltkulturerbe Corvey

Für Aktivtouristen schlummern die wahren Schätze allerdings hinter der Klosteranlage: Der Weser-Radweg führt direkt an den Klostermauern durch eine verwunschene Platanenallee, die sich als dankbares Fotomotiv anbietet.

Anleger bei Corvey

Nur Schritte entfernt findet sich ein Bootsanleger von „Kanu Krome“. Der kleine Betrieb rund um Inhaber Kalle Krome ist auf Kanu- und Schlauchbootouren auf der Weser spezialisiert. Inzwischen gehört auch ein kleines Hotel zum Standort auf dem Corveyer Domänenhof. Das „Weser Aktivhotel“ samt angeschlossener Zeltwiese bietet günstige Unterkünfte für Radler und Wasserwanderer.

Abtei Marienmünster

Zwar ist Corvey sicher die bekannteste, aber längst nicht die einzige Klosteranlage im bis heute überwiegend katholisch geprägten Kreis Höxter. Wegen des „Bildnisses der schmerzhaften Mutter Gottes" ist die Abtei anerkannter Wallfahrtsort. In den weniger frommen Jahren des 21. Jahrhunderts hat sich das ehemalige Benediktinerkloster allerdings zur Pilgerstätte für Musikbegeisterte gewandelt. Diese können in der Pfarrkirche eine monumentale Barockorgel bewundern, auf der die originalen Farbklänge aus dem Jahr 1736 erhalten sind. Und in den Ställen, in denen die Mönche einst ihre Tiere hielten, treten heute Musiker von internationalem Rang auf.

Abtei Marienmünster

Wer eine kleine Wanderung auf sich nimmt, kann vom Aussichtsturm auf dem nahegelegenen Hungerberg erkunden, was es heißt, sich im am dünnsten besiedelten Landkreis Nordrhein-Westfalens zu befinden.

Schwalenberg

Malerisch ist schon die Anfahrt zum Fachwerkstädtchen Schwalenberg, das sich wie ein Weinstock an den gleichnamigen Hügel schmiegt. Im Ortskern angekommen, wetteifern die alten Bauernhäuser um den schönsten Torbogen. Diese Kombination machte Schwalenberg Anfang des 20. Jahrhunderts zum Anziehungspunkt für Künstler, die den Ruf des Ortes als Malerkolonie begründeten. Heute lässt unter anderem das Robert-Koepke-Haus die künstlerische Vergangenheit der Ortschaft aufleben.

Schieder-See

So idyllisch wie auf diesem Foto geht es am Schieder-See nicht überall zu. Dafür sorgt neben verschiedenen Veranstaltungen vor allem der Familienpark „Funtastico“. Wer sich aber etwas abseits des Trubels begibt, findet an dem 3,1 Kilometer langen und bis zu 350 Meter breiten Stausee ruhige Plätze, die sich bestens eignen, um den Roadtrip-Tag bei einem Picknick ausklingen zu lassen.

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