Österreich Unterwegs auf dem Drauradweg

Auf der sonnigen Alpensüdseite von Gasthof zu Gasthof pendeln, mit Ausblick auf Seen und Berge saumselig dem Fluss folgen: mit dem Rad unterwegs in Kärnten
Drauradweg
In diesem Artikel
Hinkommen und Radeln
Schlafen: Hoteltipps für Kärnten
Essen: Restaurant-Empfehlungen

Unterwegs auf dem Drauradweg in Kärnten

Auch wenn es tagsüber weht – Punkt Viertel vor acht geht kein Windhauch über den MILLSTÄTTER SEE. Jeden Abend, garantiert der junge Hotelier. »Manche Gäste wollen mit mir dagegen wetten, aber um meinen See wettet man besser nicht mit mir«, sagt Vincenz Tacoli, und um seine Mundwinkel spielt Gewissheit. Tacoli lässt auf der Terrasse zum Souper Kerzen anzünden – und nicht eine wird der Wind ausblasen.

Meine Garderobe ist nicht ganz auf die noble SEE-VILLA eingestellt, schließlich bin ich auf dem DRAURADWEG unterwegs, der von Südtirol nach Slowenien führt und in Kärnten entspannt dem gleichnamigen Fluss folgt. Auf der sonnigen Alpensüdseite fährt man inmitten der Berge, muss aber nicht hinüber, trifft auf Badeseen und kehrt bei Gastronomen ein, die sich als »Drauradwegwirte« organisieren und dem Wohl von Radlern besonders verpflichten. Ich habe mir die gut 100 Kilometer zwischen Spittal und Völkermarkt vorgenommen.

-----------------
FOLGEN SIE UNS: Ihnen gefallen unsere Beiträge? GEO finden Sie auch auf Pinterest, Instagram und Facebook.
-----------------

Der Millstätter See liegt minimal abseits der Route, aber ich nehme ihn mit – unter anderem wegen der Reinanken. Im STEFANIE’S in Millstatt kommt der lokale Fisch frisch aus dem Netz in die Pfanne – begleitet von Zitronenbutter und einem Gläschen Grünen Veltliner. So gestärkt, kann ich der Versuchung nicht widerstehen, noch etwas weiter von der Route abzuweichen.

Richtung NOCKBERGE liegt auf halber Höhe nahe Radenthein eine verlassene Bergarbeitersiedlung, die ich mir als Ruhrgebietler ansehen möchte. Hier wurde Magnesit abgebaut, ein Mineral für die Auskleidung von Hochöfen. Einförmige graue Zechenhäuser brechen das Bergidyll.

Auch die begehbaren Stollen der GRANATMINE, deren Schmuckstein die Broschen unserer Großmütter zierte, liegen still. Die KASLAB’N dagegen hat Zukunft. In der Molkerei haben sich 20 Bergbauern zusammengetan, deren Kühe und Ziegen nur Gras und Heu von den Almen bekommen. Entsprechend köstlich ist der Bergkäse. Jetzt habe ich nur noch 30 Kilometer sanfte, kurvige Talfahrt nach VILLACH vor mir.

In der Stadt am Dreiländereck von Italien, Österreich und Slowenien serviert mir der Drauradwegwirt im urigen BRAUHOF nach dem Wiener Schnitzel einen Marillenbrand. Den Radbutler, der unter der Stadtbrücke mit der Luftpumpe im Anschlag steht, benötige ich am nächsten Morgen beim Start zur zweiten Etappe nicht. Dafür stößt PACO WROLICH dazu und hat Mountainbikes mit Elektroantrieb dabei. »Damit Waffengleichheit herrscht«, sagt er lachend. »Außerdem gehört dem E-Bike sowieso die Zukunft.« Als er noch Profi war, ist Wrolich die Tour de France gefahren, heute kümmert er sich als Kärntner Radkoordinator um den Tourismus.

Spuren seines Treibens sind die gut sichtbaren »R1«-Schilder entlang der Route. Wir folgen dem Fluss, dessen opak-grüne Färbung einen eigenwillig kühlen Farbakzent in die Landschaft setzt. Die Drau strömt lebhaft, als wollte sie uns auffordern, in die Pedale zu treten. Als Kulisse steht zur Rechten das schattige, von Nebel umspielte Profil der KARAWANKEN.

Mein Guide empfiehlt einen Abstecher zum FAAKER SEE. Bei der Steigung von 14 Prozent unterstützt der Elektromotor meinen Tritt, als schöbe mich eine unsichtbare Hand. So machen Bergetappen Spaß. Oben am MARTERL genießt der Gekreuzigte den herrlichen Blick auf die Schöpfung: Faaker See, MITTAGSKOGEL und TÜRKENKOPF.

Im weiten ROSENTAL zieht die Drau ruhig durch Felder und Wiesen, überall markieren Kirchturmspitzen kleine Siedlungen, Kärntner Bienen sammeln emsig für ihren renommierten Honig. Am Etappenziel ST. JAKOB sind im ROSENTALER HOF lauter Sportsfreunde dabei, ihre Akkus zum Aufladen in die Radgarage zu tragen. Und weil der Wirt Herbert Stefan sich dem Radeln besonders verpflichtet fühlt, serviert die Küche als Extramahlzeit ab halb vier eine After-Bike-Pasta.

Auf der Schlussetappe beruhigen Stauwehre den Fluss, und zaubern in der Breite des Tals eine Wasserlandschaft, in der sich Himmel und Berge spiegeln. Wo der Fluss Platz beansprucht, wird der Radweg hügelan gezwungen und schwingt durch Wäldchen. Wir rollen über festgewalzten Kies, dass die Brocken fliegen. Vollbremsung, um die Schnitzarbeit eines Bibers zu würdigen.

Ein wenig früh für den mittäglichen Imbiss erreichen wir die FISHERY STEFFAN in ST. KANZIAN. Andererseits: Wir sind mal eben 50 Kilometer gestrampelt, und Paco meint: »Ein Forellchen liegt doch nicht schwer im Magen. Eigentlich könnten wir noch 50 Kilometer machen ...« Könnten wir wohl wirklich.

-----------------
FERNWEH BEKOMMEN? In den GEO-Reisewelten (Anzeige) finden Sie tolle Angebote für Aktivreisen.
-----------------

Hinkommen und Radeln

Eurowings fliegt von Köln, Hamburg und Berlin nach KLAGENFURT. Der DRAURADWEG, vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club mit fünf Sternen ausgezeichnet, führt über 366 Kilometer vom italienischen Dobbiaco ins slowenische Maribor und quert Kärnten.

Infos zum Drauradweg

Auf der Website finden sich Unterkünfte, Transport, Radverleihe, Werkstätten, Etappen, Sehenswürdigkeiten und Gasthäuser. Den mehr als 50 Gastronomen der Vereinigung der Drauradwegwirte sind Radfahrer besonders willkommen. Ihr Service reicht von kostenloser WC-Nutzung über sportgerechte Menüs bis zu Radverleih und -transport.

Der FAAKER SEE nahe Villach gilt als Radsportzentrum Kärntens. Im AREAONE MOUNTAINBIKE SKILL CENTER VILLACH/ KUMITZBERG kann man sich an Geländerädern testen. Der Trainer Herwig Kamnig zeigt die nötigen Kniffe und weist den Weg zu erlaubten Trails in den Kärntner Bergen.

Schlafen: Hoteltipps für Kärnten

Villach

Ein regelrechter Fahrradfreak, der von der Ventilkappe bis zum E-Bike alles am Lager hat, ist der Drauradwegwirt vom €€ ROSENTALER HOF in ST. JAKOB (DZ/HP ab 106 €). Das Mitglied der Drauradwegwirte-Vereinigung am Bahnhof von VILLACH, das € HOTEL CITY, bietet Radlerservice, allerdings nur Stellplätze (DZ ab 99 €). Zum RADBUTLER mit Rundumservice sind es dafür nur 200 Meter.

Das Vier-Sterne-Superior-Haus €€€ KOLLERS HOTEL in SEEBODEN heizt das eigene Seebad auf 28 Grad (DZ/HP ab 238 €). Im noblen Hotel €€ SEE-VILLA in MILLSTATT steht in jedem Zimmer mindestens ein Möbelstück aus der Gründungszeit um 1884, und Vincenz Tacoli hat kulinarischen Ehrgeiz (DZ/F ab 110 €).

Essen: Restaurant-Empfehlungen

Im Restaurant STEFANIE’S im benachbarten »Hotel Forelle« gibt es frische Reinanke aus dem See und – man ahnt es schon – köstliche Forelle. Für Paare haben Gastronomen am MILLSTÄTTER SEE blickgeschützte €€€ HÜTTEN eingerichtet und sorgen fürs Catering (ab 199 €).

Nahe dem GRANAT-BERGWERK von Radenthein liegt die Molkerei und Schau-Käserei KASLAB’N. Wiener Schnitzel ist der Klassiker im VILLACHER BRAUHOF. Die FISHERY STEFFAN in ST. KANZIAN ist ein Anglerparadies nebst Naturbadeteich, Hütten und Restaurant. Was die Freunde des bewegungsarmen Sports aus dem Wasser ziehen, schmeckt auch dem Radler, etwa Zanderfilet an Kürbiskern-Polenta.

Zur Startseite
GEO Reise-Newsletter